Aufrufe
vor 1 Monat

Verfahrenstechnik 9/2021

  • Text
  • Betrieb
  • Maschinen
  • Produkte
  • Beispielsweise
  • Komponenten
  • Hersteller
  • Unternehmen
  • Anlagen
  • Einsatz
  • Verfahrenstechnik
Verfahrenstechnik 9/2021

VERFAHREN UND ANLAGEN I

VERFAHREN UND ANLAGEN I INTERVIEW Wenn es heiß hergeht Ein Gespräch mit Peter Streit, Geschäftsführer der Funke Wärmeaustauscher Apparatebau GmbH Herr Streit, um Funke war es die letzten Jahre ja relativ ruhig geworden, doch in der jüngsten Vergangenheit wird Ihr Unternehmen im Markt wieder deutlicher wahrgenommen. Wie kommt es zu diesem neuen Selbstbewusstsein? Absolut richtig bemerkt, Funke hat sich in letzter Zeit etwas rar gemacht – man könnte auch sagen, etwas zurückgezogen – da wir intern einige Hausaufgaben zu erledigen hatten. So wurde ein neues Management installiert, das zum Beispiel der Frage nachging: Was braucht der Kunde wirklich? Sehr positiv anzumerken ist auch die Tatsache, dass Funke beim Kunden durchaus als starke Marke wahrgenommen wird – dies hat eine aktuelle Kundenumfrage gezeigt. Jetzt gilt es, die mit der Marke verbundenen Leistungseigenschaften noch stärker in der Öffentlichkeit darzustellen. Wie zum Beispiel der Umstand, dass Funke nicht einfach nur Produkte herstellt, sondern dass wir immer nach Lösungen für den Kunden suchen. Innovative Produktlösungen und keine billigen Massenproduktionen – das ist für mich die Erfolgsformel für Funke. Stichwort „Neue Wärmeübertrager- Generation“. Was sind denn die zentralen Neuerungen bei den „neuen“ Wärmeübertragern? Grundsätzlich haben wir an diversen Stellschrauben gedreht. So haben wir beispielsweise unsere Wärmeübertrager- Platten für Wasser-Wasser-Anwendungen optimiert. Bei der Entwicklung der neuen Plattentypen berechnen wir zuerst in einer Simulationsphase die optimale Konfiguration der Platten – also kein Try & Error mehr – und erstellen dann mithilfe unseres hausinternen Werkzeugbaus den passgenauen Prototypen. Gerade für einen effizienten Einsatz in chemischen Prozessabläufen sind unsere Rohrbündel-Wärmeübertrager seit Jahren hervorragend ausgerichtet. Auch mit den Platten sind wir in diversen chemischen 10 VERFAHRENSTECHNIK 09/2021 www.verfahrenstechnik.de

INTERVIEW I VERFAHREN UND ANLAGEN Prozessen wie z. B. dem Natronlauge- Prozess und Schwefelsäure-Prozess vertreten. Hier ist es wichtig, das richtige korrosionsbeständige Material für Platten und Dichtungen auszuwählen, wobei wir hier von unseren jahrelangen Erfahrungen profitieren. Gerade im für die chemische Industrie typischen Einsatz mit unterschiedlichsten Materialien ein wichtiger Punkt. Zudem haben wir unsere Platten mit einer neuen Dichtung ausgestattet, die einen besseren Sitz hat und leichter für Inspektionen und Service handzuhaben ist. Eine optimierte Dichtung sorgt zusammen mit der verbesserten Plattengeometrie nun für eine erhöhte Druckstabilität der Platten und dies führt wiederum zu einer Verlängerung der Lebenszeit eines Plattenwärmeübertragers. Wie bewerten Sie denn grundsätzlich das Wachstumspotenzial für den Markt der Wärmeübertrager in Deutschland für die nächsten Jahre? Im Anwendungsbereich der chemischen Industrie und Prozesstechnologie zeigt sich gerade der deutsche Markt seit Jahren in einem ausgezeichneten Zustand. Auf der einen Seite die großen Anlagenbetreiber in Deutschland wie BASF und Bayer, aber auch mit vielen mittelständischen Unternehmen. In dieser Branche ist Funke seit vielen Jahren mit dem Rohrbündel-Wärmeübertrager bestens etabliert und daher profitieren wir jetzt aufgrund unserer individuellen Produkte auch von der Ausweitung des Auftragsvolumens, die wir in den letzten Jahren für diese Branche beobachten konnten. Inwieweit haben sich heute die Ansprüche der Kunden aus der chemischen Industrie an das Produkt Wärme- bzw. Rohrbündel-Wärmeübertrager verändert? exakt definieren. Diese Genauigkeit in der Temperaturauslegung können unsere Rohrbündel-Wärmeübertrager leisten. Die zweite große Änderung im Anforderungsprofil lautet: Jede Anlage im chemischen Prozessablauf muss Umweltbewusstsein und CO 2 -Neutralität nachweisen können. Das bedeutet, dass bei jeder Anlage die Kennzahlen für die Wärmerückgewinnung exakt dokumentiert werden müssen. Auch für diese Anforderung sind unsere Rohrbündel-Wärmeübertrager bestens aufgestellt. Welche Rolle spielt für Ihr Unternehmen der internationale Markt? Funke wurde vor fast genau 47 Jahren gegründet. Der Hauptstandort ist Gronau, ein kleiner Ort südlich von Hannover. Zwei Drittel unseres Umsatzes werden aus Gronau konsolidiert, ein Drittel geht auf das Konto unserer Tochtergesellschaft für den chinesischen Markt. Wobei der chinesische Markt ein absoluter Wachstumsmotor ist. Die Umsatzentwicklung für China zeigt für das Geschäftsjahr 2020/21 im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung von 25 % an. In erster Linie werden unsere Komponenten in China für Großanlagen in der chemischen Industrie benötigt. Aus unserem Hauptstandort Gronau wiederum werden ca. 80 % des Umsatzes nach D-A-CH geliefert, die restlichen 20 % verteilen sich auf die USA, Russland und andere europäische Märkte. Wobei der russische Markt aufgrund seines Wachstumspotenzials besonders interessant für uns ist. Wo sehen Sie Funke in den nächsten zehn bis 15 Jahren? Also da habe ich ein ganz klares Bild vor Augen: Innovation made by Funke. Unsere Wettbewerbsvorteile sind unsere Schnelligkeit, unsere technische Kompetenz sowie unsere Flexibilität. Um diesen Vorsprung zu halten, müssen wir als Unternehmen wach bleiben und uns stets weiterentwickeln. Klare Ausrichtung auf modernes Lean Production, Vorantreiben der Digitalisierung auf allen Ebenen – vom Vertriebs- und Marketingprozess bis hin zur Konstruktion sowie eine überzeugende Kundenansprache durch eine hochkompetente und motivierte Vertriebsmannschaft. Fotos: Funke www.funke.de In der chemischen Industrie ist ein Trend ganz klar hervorzuheben: Die kontinuierlich stärkere Individualisierung der Anlagen. Die Steuerungs- und Regelungstechnik wird immer feiner und passgenauer justiert. Dadurch können Temperaturunterschiede viel genauer ausgemessen werden. Man errechnet also nicht mehr grob „PI mal Daumen“ bestimmte Wärmeverluste in den Prozessabläufen, sondern kann diese bis auf die Dezimalstelle Dieser Festrohrbündel-Wärmeübertrager mit den beeindruckenden Maßen 7060 × 2060 × 2060 mm sowie einem Gewicht von 12 200 kg wird in der chemischen Industrie in Asien eingesetzt www.verfahrenstechnik.de VERFAHRENSTECHNIK 09/2021 11

Ausgabe