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Verfahrenstechnik 6/2026

Verfahrenstechnik 6/2026

PERSPEKTIVE LITHIUM AUS

PERSPEKTIVE LITHIUM AUS REGIONALEM TIEFENWASSER Forscher des Fraunhofer IEG wollen Lithium aus Tiefenwässern des Norddeutschen Beckens nutzbar machen. Neue Verfahren sollen zuverlässig funktionieren und sich flexibel auf die Eigenschaften der lokalen Sole anpassen. Eine Pilotanlage wird bereits getestet. Europa braucht eigene Quellen für strategische Rohstoffe. Mit RoLiXX zeigen wir, wie sich kritische Rohstoffe wie Lithium regional fördern lassen“, sagt Tilman Cremer, Projektleiter am Fraunhofer IEG. „Unser Ansatz setzt auf vorhandene Infrastruktur und auf Verfahren, die effizient und nachhaltig sind. Mit der Erschließung der Lithiumvorkommen im Norddeutschen Becken könnte Deutschland in Zukunft eine zentrale Rolle bei der Deckung des deutschen und europäischen Bedarfs einnehmen.“ Das Projekt RoLiXX (Rotliegend als Lithiumressource im Norddeutschen Becken - von der EXploration zur EXtraktion) hat zwei Schwerpunkte. Im geologischen Teil geht es unter anderem um die Frage, mit welchen mineralogischen Phasen im Untergrund das Lithium assoziiert ist. Der technische Teil adressiert die Lithiumextraktion aus salzreichen Thermalwässern, wie sie auch Geothermie anlagen zur Wärmeversorgung nutzen. Für die Energiewirtschaft entsteht so eine neue Option: Wärme aus der Tiefe und Rohstoffe aus heimischen Quellen. Technische Herausforderungen sind Korrosion metallischer Werkstoffe sowie die Ausfällung störender Mineralien bei Druck- oder Temperaturänderungen, die den Betrieb von Extraktionsanlagen beeinträchtigen können. Ziel ist es, eine wirtschaftliche feststofffreie Lithiumextraktion ohne störende Ausfällungen zu realisieren. Das Fraunhofer IEG übernimmt im Projekt RoLiXX eine Schlüsselrolle bei der Überführung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die technische Anwendung. Die Forschenden um Tilman Cremer adaptieren und betreiben eine anpassbare Pilotanlage, mit der sich Lithium aus salzhaltigem Tiefenwasser gewinnen lässt. Dabei liegt der Fokus auf einer besonders stabilen und sauberen Prozessführung, die ohne feste Rück stände auskommt und anschließende geothermische Prozesse nicht belastet. Zugleich ist die Anlage flexibel, um die Prozess parameter und Prozessstoffe wie Inhibitoren auf das lokale Tiefenwasser anzupassen. Das Team des Fraunhofer IEG testet die Verfahren unter realitätsnahen Bedingungen im Kubikmetermaßstab und bewertet ihre Wirtschaftlichkeit, Skalierbarkeit und Umweltwirkung. So entsteht eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Energieversorger und Industrie, die Wärme aus der Tiefe künftig mit der Gewinnung strategischer Rohstoffe verbinden wollen. Die Anlage lässt sich mit 250 kg Gewicht und rund 2 m2 Volumen leicht per Gabelstapler und Transporter zum Einsatzort bringen. „Unsere Pilotanlage haben wir bewusst so konzipiert, dass sie mobil ist, aber sich auch leicht an Tiefenwässer verschiedener Zusammensetzung anpassen lässt. So könnten viele Thermalwasserbetreiber rasch und einfach die Machbarkeit prüfen und die Wirtschaftlichkeit eigener Lithiumextraktion abschätzen“, erklärt Tilman Cremer. Bild: Fraunhofer-IEG www.ieg.fraunhofer.de 6 VERFAHRENSTECHNIK 2026/06 www.verfahrenstechnik.de

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