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Verfahrenstechnik 6/2026

Verfahrenstechnik 6/2026

BETRIEBSTECHNIK

BETRIEBSTECHNIK MECHANISCHE VERFAHRENSTECHNIK KUNSTSTOFFGRANULATE AUSSERHALB DER SPEZIFIKATION Kunststoffgranulate müssen in vielen industriellen Anwendungen exakt definierte Eigenschaften erfüllen. Schon geringe Abweichungen bei Korngröße, Staubanteil oder Reinheit können nachgelagerte Produktionsprozesse beeinträchtigen. Entsprechend wichtig ist es, Schüttgüter nicht nur zu transportieren und zu lagern, sondern sie bei Bedarf so aufzubereiten, dass sie spezifikationsgerecht weiterverarbeitet werden können. Greiwing setzt deshalb auf eine Kombination aus logistischer Infrastruktur und mechanischer Verfahrenstechnik. „Gerade bei hochwertigen Kunststoffgranulaten entscheidet die Materialqualität unmittelbar darüber, ob ein Produkt im nächsten Prozessschritt störungsfrei eingesetzt werden kann“, sagt Benjamin Mucha, Leiter Bau und Technik bei Greiwing. „Wenn eine Charge durch Staub, Fremdpartikel oder abweichende Korngrößen nicht den Anforderungen entspricht, geht es darum, die Ursache zu verstehen und eine geeignete verfahrenstechnische Lösung zu finden.“ QUALITÄTSRISIKEN IM GRANULATSTROM Bei technischen Kunststoffen oder Compounds gelten oft enge Toleranzen. Bereits einzelne Fremdpartikel, beispielsweise ein schwarzes Granulatkorn in einer hellen Charge, Metallabrieb aus einem vorgelagerten Prozess oder ein zu hoher Staubanteil, können die Weiterverarbeitung deutlich beeinträchtigen. Typische Aufgabenstellungen betreffen sogenannte Black Specks, also thermisch geschädigte Kunststoffpartikel, die als dunkle Einschlüsse im Granulat auftreten. Hinzu kommen Staub, fadenförmige Kunststoffanhaftungen - sogenannte Engelshaare - metallische Verunreinigungen oder abweichende Korngrößenverteilungen. „Überkorn, Unterkorn oder ein unerwünschter Feinanteil können die Dosierung, das Fließverhalten oder die Verarbeitung in Maschinen beeinflussen“, erklärt Mucha. Bevor eine Charge verfahrenstechnisch bearbeitet wird, prüft Greiwing zunächst die Rahmenbedingungen. Dazu gehört die Kontrolle des Sicherheitsdatenblatts. Es liefert Hinweise darauf, unter welchen sicherheits- und anlagentechnischen Bedingungen Selma Steinmeier schreibt für die Greiwing logistics for you GmbH 34 VERFAHRENSTECHNIK 2026/06 www.verfahrenstechnik.de

BETRIEBSTECHNIK 01 Vorbereitung zur Siebung von Kunststoffgranulaten direkt aus Big Bags - bei der mechanischen Aufbereitung von Kunststoffgranulaten kommen unter anderem Vibrationssiebe zur Trennung von Fein- und Fremdanteilen zum Einsatz 02 Black Specks, Verbrennungen und andere Verunreinigungen können die Weiterverarbeitung von Kunststoffgranulaten erheblich beeinträchtigen - Greiwing setzt auf mechanische Verfahrenstechnik zur gezielten Aufbereitung ein Produkt verarbeitet werden darf. Relevant sind beispielsweise Gefahrstoffeigenschaften, Anforderungen an den Explosionsschutz oder die Materialbeständigkeit der Anlagenkomponenten. „Anschließend widmen wir uns dem konkreten Problem: Soll Staub entfernt, metallische Fremdkörper detektiert, eine Fraktion ausgesiebt oder ein farblich oder morphologisch auffälliger Fremdanteil ausgeschleust werden?“, so Mucha. Anhand von Labor- und Siebtests wird analysiert, wie sich das Material verhält und welche Prozessschritte geeignet sind. DOSIEREN, SICHTEN, ABSCHEIDEN Im Prozess kommt es darauf an, die einzelnen Verfahrensschritte aufeinander abzustimmen. Siebe, Metallseparatoren oder optische Sortierer können nur dann zuverlässig arbeiten, wenn ihnen das Produkt in einer genau definierten Menge und Geschwindigkeit zugeführt wird. Je nach Anwendung kommen für diese Aufgabe beispielsweise Zellenradschleusen oder Schnecken zum Einsatz. Um Staub und Feinanteile zu reduzieren, werden Granulate häufig gesichtet beziehungsweise entstaubt. Leichtere Bestandteile wie Staub oder Engelshaar unterscheiden sich hinsichtlich ihres aerodynamischen Verhaltens vom Granulat und können IM PROZESS KOMMT ES DARAUF AN, DIE EINZELNEN VERFAHRENS SCHRITTE AUFEINANDER ABZUSTIMMEN dadurch aus dem Produktstrom abgetrennt werden. Ziel ist es, den Feinanteil deutlich zu reduzieren, ohne das Produkt dabei unnötig zu belasten. Auch die Fördertechnik beeinflusst die Produktqualität. Bei klassischen pneumatischen Förderprozessen wird Granulat mit hohen Luftgeschwindigkeiten durch Rohrleitungen transportiert. Trifft ein empfindliches Granulat dabei wiederholt auf Rohrwandungen, kann Abrieb entstehen. „Wir arbeiten daher mit Taktstromförderung: Das Produkt wird schonend in Paketen bewegt“, sagt Mucha. Nach der Entstaubung kommen Magnetabscheider und Metallseparatoren als Sicherheits- und Qualitätssicherungsmechanismen zum Einsatz. Sie erkennen metallische Fremdkörper automatisch und schleusen sie aus, bevor sie nachgelagerte Prozesse oder Anlagen beschädigen können. SIEBUNG ZWISCHEN SCHUTZFUNKTION UND KLASSIFIZIERUNG Ein zentrales Verfahren ist die Siebung. In einfachen Fällen dient sie als Schutzsiebung, etwa um Folienreste, Verpackungspartikel oder grobe Fremdkörper aus dem Produktstrom zu entfernen. Anspruchsvoller wird es, wenn das Sieben zur Klassifizierung eingesetzt wird. Dann geht es nicht nur darum, Störstoffe zurückzuhalten, sondern gezielt Fraktionen nach Korngröße zu bilden. 01 02 „Durch mehrere Siebdecks lassen sich Überkorn, Zielkorn und Unterkorn voneinander trennen“, so Mucha. Die abgetrennten Fraktionen sind häufig weiterhin verwendbar, entsprechen aber nicht der Spezifikation für den jeweiligen Prozess. Eindeutig kontaminierte Anteile werden dokumentiert, dem Kunden zur Bewertung bereitgestellt oder sachgerecht entsorgt. OPTISCHE SORTIERUNG ALS ZUSÄTZLICHE QUALITÄTSSTUFE Bei farblichen Abweichungen oder sichtbaren Defekten kommt zusätzlich optische Sortiertechnik zum Einsatz. Dabei wird das Granulat vereinzelt über eine Förderstrecke geführt, sodass Kameras einzelne Körner erfassen können. Erkennt das System eine Abweichung, etwa einen Black Speck oder ein farblich abweichendes Granulatkorn, wird das betroffene Partikel gezielt über Druckluft ausgeschleust. „Die optische Sortierung kommt insbesondere bei hochwertigen Produkten zum Einsatz, bei denen schon geringe Fremdanteile problematisch sind“, sagt Mucha. Sie bildet den letzten Schritt einer mehrstufigen Aufbereitung, nachdem Staub, Metallpartikel und Korngrößenabweichungen bereits mechanisch reduziert wurden. Ob Black Specks, Staub, Metallpartikel oder abweichende Korngrößen: Die Kombination aus logistischer Infrastruktur und mechanischer Verfahrenstechnik ermöglicht es, Kunststoffgranulate gezielt aufzubereiten und spezifikationsgerecht bereitzustellen. Damit wird die Aufbereitung zu einem wichtigen Qualitätsbaustein innerhalb der Supply Chain - insbesondere bei hochwertigen technischen Kunststoffen und sensiblen Folgeprozessen. Bilder: Greiwing logistics for you GmbH www.greiwing.de www.verfahrenstechnik.de VERFAHRENSTECHNIK 2026/06 35