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Verfahrenstechnik 6/2026

Verfahrenstechnik 6/2026

MESSEN, REGELN,

MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN VENTILTECHNIK REGELVENTILE ERMÖGLICHEN FERNWÄRME- VERSORGUNG FÜR INDUSTRIEBETRIEB In der Nachhaltigkeitsstrategie von MAN Truck & Bus stellt die Dekarbonisierung eines der besonders relevanten Fokushandlungsfelder dar. Gemeinsam mit dem Energieversorger N-Ergie wurde deshalb die Fernwärme in die Wärmeversorgung des Nürnberger Werks eingebunden. Große Schwankungen in den Abnahmemengen, aber auch das Thema Geräuschreduktion, waren Herausforderungen, die mit Hilfe von Schubert & Salzer-Regelventilen gemeistert werden konnten. Christoph Lukasik leitet Konstruktion und Entwicklung bei der Schubert & Salzer Control Systems GmbH in Ingolstadt 26 VERFAHRENSTECHNIK 2026/06 www.verfahrenstechnik.de

MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN 01 Im Primärvorlauf werden insgesamt sechs Gleitschieberventile zur Mengenregelung des Volumenstroms eingesetzt FERNWÄRME ALS TAILOR-MADE-SOLUTION Am traditionsreichen Standort der MAN Truck & Bus in Nürnberg trifft moderne Fertigung auf 100 Jahre Industrie geschichte. Die Entwicklung hochmoderner, CO 2 -freier Antriebe und die serienmäßige Fertigung von Hochvolt-Battery-Packs standen lange Zeit im harten Kontrast zur Wärmeerzeugung durch Verbrennung von Braunkohlestaub und Erdgas. Um sich von diesen fossilen Energieträgern zu trennen, suchte MAN den Kontakt zur N-Ergie, dem lokalen Energieversorger in Nürnberg. Andreas Wunram, Assetmanager Netzentwicklung Rohre bei N-Ergie Netz, erinnert sich noch an die ersten Gespräche: „MAN an unser Fernwärmenetz anzuschließen, war damals ein heikles und heiß diskutiertes Thema, weil das Vorhaben nicht mit den Technischen Anschlussbedingungen, kurz TAB, vereinbar war.“ Das Problem ist ein grundsätzliches: Großkunden aus der Industrie ist es oft nicht möglich, die in den TAB der Fernwärmeversorger geforderten, niedrigen Rücklauftemperaturen zu gewährleisten. Diese sind jedoch nötig für den effizienten Netz- Betrieb. „Trotzdem wollten wir die MAN unbedingt an unser Fernwärmenetz anschließen, denn das Potential für Klimaschutz und Stadtentwicklung ist groß. Mit diesem Projekt wurde es möglich, Redundanzen im Netz aufzubauen und ein neues Stadtviertel sicher mit Fernwärme zu versorgen. Dafür brauchte es eine Tailor-Made-Solution, die die Interessen und Bedürfnisse von Versorger und Abnehmer gleichermaßen berücksichtigte.“ Um dieses Projekt zu realisieren, wurden GEF Ingenieur mit der Planung und Bilfinger Life Science mit dem Bau beauftragt. Die Liste der Anforderungen war lang: Zur Inbetriebnahme sollte die Anlage in der Lage sein, eine vereinbarte Leistung von 15 MW zu liefern. Eine potenzielle Erhöhung der gelieferten Wärmeleistung auf bis zu 30 MW sollte bereits eingeplant werden. Die in hohen Rücklauftemperaturen der MAN enthaltenen Exergiemengen, also die nutzbare Energie, sollten durch die gezielte Beimischung in den Vorlauf des Fernwärme-Netzes zur Versorgung nachgelagerter Kunden verwendet werden. Die hiermit verbundenen Herausforderungen waren die Abdeckung eines besonders großen Regelbereichs sowie der regelungstechnische Umgang mit jahreszeitlich stark schwankenden Differenzdrücken im Primärnetz. Zudem legte MAN großen Wert auf die energetische Effizienz der Anlage. Aufgrund guter Erfahrungen setzte Wunram zur Erfüllung dieser Anforderungen an zwei wichtigen Schlüsselstellen, nämlich der Mengen-Regelung im Vorlauf und der Druckhaltung im Rücklauf, auf Schubert & Salzer-Ventile: „Gleitschieberventile habe ich zum ersten Mal bei einem Projekt zur Konditionierung von Biomethangas erlebt. Trotz großer Nennweite und großem ZUR INBETRIEBNAHME SOLLTE DIE ANLAGE IN DER LAGE SEIN, EINE VEREINBARTE LEISTUNG VON 15 MW ZU LIEFERN Regelbereich waren die Ventile sehr kompakt und extrem leicht. Das hat damals einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Diese Gleitschieberventile machen nun schon seit vielen Jahren einen wirklich guten Job. Für die Anlage bei MAN wurde genau diese Zuverlässigkeit und Kompaktheit gebraucht“, erklärt Wunram. Zur Mengenregelung im Primärvorlauf kommen sechs Gleitschieberventile in DN100 mit einem Gewicht von je 24,9 kg zum Einsatz. Diese regeln kaskadiert in zwei Ventilgruppen á drei Ventilen den Volumenstrom je Wärmeübertrager-Skid nach S ollwertvorgabe aus der zentralen Prozessleittechnik. Dank des geringen Gewichts und der kompakten Baugröße lassen sich die Ventile auf kleinstem Raum und ohne zusätzliche Stützen installieren und sehr einfach isolieren. Dadurch minimieren sie www.verfahrenstechnik.de VERFAHRENSTECHNIK 2026/06 27