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Verfahrenstechnik 6/2021

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Verfahrenstechnik 6/2021

TOP-THEMA I ACHEMA PULSE

TOP-THEMA I ACHEMA PULSE Autor: Carsten Schulz, Projektmanager, Fette Compacting GmbH, Schwarzenbek Wenn vor Ort nichts geht Inbetriebnahme von pharmazeutischen Anlagen aus der Ferne Die Installation einer Kapselfüllmaschine erfordert Know-how, das vor Ort verfügbar sein muss – das ist im Moment nicht immer ganz einfach. Zwei Anwenderbeispiele und ein neues Digitaltool zeigen jedoch, dass es zukunftsfähige Alternativen gibt. Beim Aufstellen einer Kapselfüllmaschine ist Genauigkeit gefragt. Bereits das Ausrichten der Füße gilt als ein wesentliches Element der Maschineninstallation, damit später Bauteile reibungslos ineinandergreifen und Produkte optimal fließen. Üblicherweise kümmert sich vor Ort ein Team des Maschinenherstellers um die Installation und den Site Acceptance Test (SAT). Wenn aber weite Reisen keine Option sind, braucht es Alternativen. In Spanien war dies bei gleich zwei Pharmaproduzenten der Fall: Ein Hersteller wollte Kapseln mit Pulver befüllen, das schmerzlindernd und fiebersenkend wirkt. Ein anderer wollte Pellet-Kapseln gegen Magen-Darm-Probleme herstellen. Die Anfragen stellten unterschiedliche Produkt- und Maschinenanforderungen, die es unter erschwerten Bedingungen zu erfüllen galt. Zwei Faktoren haben es ermöglicht, die Anlagen pünktlich in Betrieb zu nehmen, ohne vor Ort zu sein: ein digi­ tal vernetztes Expertenteam und eine bewährte Kapselfülltechnologie. Produktionsvolumen im Visier Für die mit Pulver gefüllten Kapseln hatte der Anwender das Ziel, seinen Output von vormals 140 000 auf bis zu 200 000 Kapseln pro Stunde zu erhöhen. Zugleich sollte die neue Maschine leicht zu bedienen und zu reinigen sein. Die Antwort darauf war die FEC20, wie Testläufe mit dem Produkt im Competence Center von Fette Compacting in Schwarzenbek ergaben. Die Kapselfüllmaschine FEC20 ist auf mittlere Batchgrößen bis 200 000 Kapseln pro Stunde sowie eine nutzerfreundliche Bedienung ausgelegt. So lässt sich zum Beispiel die Stopfstempelstation über ein Ausbausystem schnell entnehmen und außerhalb der Maschine zerlegen und rei­ 14 VERFAHRENSTECHNIK 06/2021 www.verfahrenstechnik.de

ACHEMA PULSE I TOP-THEMA nigen. Bei Bedarf kann sie dann sofort gegen eine vorgerüstete Station getauscht werden. Daraus folgen kürzeste Umrüstund Reinigungszeiten. Durch einen Antrieb mit Servo- und Torquemotoren lassen sich bislang gekoppelte Prozessschritte unabhängig voneinander einstellen. Auf diese Weise verkürzt sich die Gesamtdurchlaufzeit bei unveränderter Qualität. Die entscheidende Frage im Fall des spanischen Herstellers war: Wie gelingt die Inbetriebnahme im Lockdown nach unveränderten Qualitätsanforderungen? Um diese Herausforderung zu bewältigen, mussten mehrere Standorte über Videokonferenzen zusammengeschaltet und die spanischen Servicetechniker innerhalb weniger Wochen geschult werden. Die Inbetriebnahme wurde permanent mit der Kamera begleitet, sodass immer nur ein Techniker vor Ort war. Per Remote-Verbindung gab das Team aus Deutschland seine Erfahrungswerte 01 Bei Probeläufen im deutschen Competence Center hat die Kapselfüllmaschine FEC20 ihre Leistungsstärke bewiesen 02 Die Kapselfüllmaschine FEC40 befüllt bis zu 400 000 Kapseln pro Stunde weiter, etwa für das Ausrichten der Maschinenfüße mit der Wasserwaage oder das Anschließen des Prozess-Equipments. So konnten die Projektbeteiligten sicherstellen, dass die Anlage optimal mit dem Produktionsumfeld harmoniert. In kurzer Zeit betriebsbereit Beim zweiten Hersteller in Spanien erwies sich gerade der erste Aufbauschritt als anspruchsvoll: Der Boden im Produktionsraum wies einige Unebenheiten auf. Ebenso herausfordernd war der kurze Projektzeitraum: Im Sommer 2020 wurde eine FEC40 bestellt, die bis Jahresende ausgeliefert und installiert sein sollte. Dieser Maschinentyp befüllt bis zu 400 000 Kapseln pro Stunde. Sein Duplex Concept vereint zwei vollständige Kapselfüllprozesse auf einer unveränderten Fernunterstützung verspricht schlankere Prozesse und eine deutlich höhere Flexibilität für die Pharmaindustrie Grundfläche, wodurch die Produktionskosten pro 1 000 Kapseln um bis zu 30 Prozent sinken. Darüber hinaus verfügt der Kapselfüller über das gleiche Bedien- und Antriebskonzept wie die FEC20. Weil beim ersten spanischen Anwender schon wertvolle Erfahrungen für die Remote-Inbetriebnahme gesammelt werden konnten, ließ sich das Projektteam auch schnell für den neuen Fall formieren. So war es möglich, auch die größere Maschine fristgerecht auf die Füße zu stellen und erfolgreich in Betrieb zu nehmen. Digitale Unterstützung Es ist davon auszugehen, dass Maschinenhersteller bei SATs auch in Zukunft auf Fernunterstützung zurückgreifen werden. Das verspricht je nach geografischer Lage schlankere Prozesse und eine Flexibilität, die die Pharmasteller in Spanien zu schätzen gelernt haben. Zunehmend stehen dafür digitale Hilfsmittel zur Verfügung. Ein Beispiel, das unter anderem bei Inbetriebnahmen die Zusammenarbeit erleichtern kann, ist die neue App LiveGuide von Fette Compacting. Sie ist im Geschäftsbereich OSDi entstanden, der bei der Entwicklung digitaler Werkzeuge eng mit Anwendern zusammenarbeitet. Live- Guide ermöglicht per Live Chat eine schnelle und direkte Abstimmung mit den Maschinenexperten. Über eine gesicherte Verbindung lassen sich Dokumente austauschen und Videokonferenzen durchführen. Die App ist für mobile Endgeräte wie Smartphones, Tablets und Smart Glasses optimiert, damit die Anweisungen der Experten direkt an der Maschine umgesetzt werden können. Eine gesonderte Verbindung zum Produktionsnetzwerk ist nicht erforderlich. Zu den speziellen Features gehört eine Augmented-Reality- Funktion (AR), die mithilfe visueller Zeigewerkzeuge die Präzision erhöht. Außerdem hilft eine In-App-Übersetzung mit dem intelligenten Sprachtool DeepL dabei, Sprachbarrieren zwischen Experten und Bedienern zu überbrücken. Dies kann bei Fällen wie in Spanien zum großen Vorteil werden. Fotos: Fette Compacting www.fette-compacting.com www.verfahrenstechnik.de VERFAHRENSTECHNIK 06/2021 15

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