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Verfahrenstechnik 5-6/2022

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Verfahrenstechnik 5-6/2022

Andreas Willers,

Andreas Willers, technischer Betriebsleiter bei Walsroder Casings, mit einer Kunstdarmhülle zwischen zwei Schnelldampferzeugern von Clayton Deutschland für je 2,3 t/h PROZESSDAMPF SELBST MACHEN RECHNET SICH Viele Jahre bezog Walsroder Casings den Prozessdampf für seine Kunstdarmhüllen vom benachbarten Unternehmen Dow. Doch dann veräußerte Dow sein Heizkraftwerk im Industriepark Walsrode an die EnBW und Walsroder Casings entschloss sich, mit Schnelldampferzeugern selbst in die Dampferzeugung einzusteigen. Eine Investition, die sich lohnt. Die Walsroder Casings GmbH produziert Kunstdarmhüllen für die fleischverarbeitende Industrie. Dafür verarbeitet das Unternehmen unterschiedliche Pflanzenzellstoffe zu einem Verbundwerkstoff. Der Prozess sieht vor, dass Teile des Pflanzenzellstoffs verflüssigt werden, um damit anschließend den Trägerstoff zu beschichten und zu penetrieren. Um das Prozesswasser im Sommer von etwa 25 °C und im Winter von rund 5 °C auf die erforderliche Prozesstemperatur von beinahe 100 °C zu erwärmen, braucht es Heißdampf. Bis 2018 bezog Walsroder Casings den Prozessdampf vom ebenfalls im Industriepark Walsrode ansässigen Spezial- und Zellulosechemieher- steller Dow Deutschland. Nachdem jedoch die EnBW das Heizkraftwerk von Dow übernommen hatte, entschloss sich das Unternehmen, seinen Prozessdampf selbst zu produzieren. Dazu integrierte der Wursthüllenhersteller drei Schnelldampferzeuger von Clayton Deutschland in seine Fertigung. Anders als Großwasserraumkessel sind diese innerhalb von nur fünf Minuten nach dem Kaltstart betriebsbereit. Großwasserraumkessel kamen für den Kunstdarmhüllenhersteller auch deshalb nicht infrage, weil diese in Teillast mitunter 20 bis 40 Prozent des eingesetzten Brennstoffs in Verlustenergie umwandeln. Hinzu kommen Verluste für die Warmhaltung, was die Energiebilanz zusätzlich belastet. 46 VERFAHRENSTECHNIK 2022/05-06 www.verfahrenstechnik.de

VERFAHREN UND ANLAGEN MOBILER CONTAINER ÜBERBRÜCKT EIN HALBES JAHR UMBAUZEIT Zur Überbrückung der Umbauzeit hatte Clayton Deutschland für nahezu ein halbes Jahr einen mobilen Container für die Dampfversorgung bereitgestellt. Doch schon Anfang 2019 konnten die drei georderten neuen Schnelldampferzeuger in Betrieb gehen – einer für den Sommerbetrieb, zwei für den Winterbetrieb. Im Sommer benötigt Walsroder Casings in der Regel maximal eine halbe Tonne Dampf pro Stunde, was zur Auslegung eines Dampferzeugers vom Typ SEG-50 für bis zu 0,78 t/h geführt hat. Doch was für den Sommer reicht, genügt nicht für den Winter. SCHNELLDAMPFERZEUGER SIND INNERHALB VON NUR FÜNF MINUTEN NACH DEM KALTSTART BETRIEBSBEREIT Für die höheren Lasten während der kalten Jahreszeit stehen zwei weitere Clayton-Dampferzeuger bereit – und zwar vom Typ SEG 154-1. Deren Dampfkapazität beträgt jeweils 2,3 t/h. Sämtliche neuen Anlagen arbeiten im Master-Slave-Betrieb mit Vorrangschaltung, sofern die erforderliche Dampf-Abnahmemenge auf 4,5 t/h steigt. STEUERUNG AUF KNOPFDRUCK „Wir sind aufgrund der intelligenten Steuerung jederzeit in der Lage, auf Knopfdruck zu bestimmen, welcher der drei Kessel im Masterbetrieb arbeiten soll“, erklärt Andreas Willers als technischer Betriebsleiter bei Walsroder Casings. Im Sommer sei dies der kleine Dampferzeuger, im Winter möglicherweise einer der Größeren. Je nach Abnahme reagiere die Steuerung druckabhängig und schalte die erforderlichen Dampferzeuger automatisch zu. Als Trägerenergie setzt das Unternehmen auf Erdgas. Obwohl die neuen Schnelldampferzeuger 72 Stunden ohne personelle Beaufsichtigung im Betrieb laufen dürfen, gibt es einen Kontrollgang pro Schicht. Alle sechs Monate wird die Anlage regelmäßig vom Hersteller inspiziert und gewartet. Bilder: Daniel Elke www.clayton-deutschland.de Dank Touchpanel zur zentralen Steuerung aller Dampfkessel geht die Zuweisung der Master-Slave-Funktionen intuitiv von der Hand VOLL IM PLAN „Die neue Anlage hat sich nicht nur bewährt, sondern auch bezahlt gemacht“, sagt Andreas Willers, technischer Betriebsleiter bei Walsroder Casings. Der Return-on- Investment erfolge bereits nach drei bis vier Jahren – also schon im Laufe des Jahres 2022. Sämtliche Prognosen hinsichtlich des Wirkungsgrades und der Rentabilität lägen derweil im Plan, sodass das Konzept der flexiblen Dampferzeugung in Eigenregie mit Aggregaten von Clayton aufgegangen sei. Clayton lieferte zusätzlich zu den Schnelldampferzeugern auch Chemikalienbehälter und eine Rohwasserenthärtungsanlage sowie eine Entgasungsanlage, die auf dem Flachdach errichtet wurde. ENERGIEWENDE MIT H 2 -TECHNOLOGIE KLINGER ® -Dichtungen sind dabei Germany KLINGER GmbH Rich.-Klinger-Straße 37 D-65510 Idstein T + 49 61 26 4016 - 0 F + 49 61 26 4016 - 11 mail @ klinger.de www.klinger.de

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