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Verfahrenstechnik 5-6/2022

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Verfahrenstechnik 5-6/2022

NEU UND NACHHALTIG

NEU UND NACHHALTIG LEBENSMITTELVERPACKUNGEN: REDUCE, REUSE, RECYCLE Kunststoffverpackungen sind für viele Lebensmittel oft alternativlos. Deshalb sind Hersteller aufgefordert, im Dreiklang von „Reduce, Reuse, Recycle“ den Verpackungseinsatz zu reduzieren. Bisher bestehen flexible Kunststofffolien mit einer hohen Barrierewirkung gegenüber Sauerstoff oder Wasserdampf aus mehreren Schichten, die das jeweilige Gas blockieren. Diese Multimaterialfolien können nicht getrennt werden und sind somit nicht recyclingfähig. Statt mehreren verschiedenen Kunststoffen und Papier- oder Kartonverpackungen reicht aber oft eine Folie aus einem Material mit einer entsprechenden Beschichtung. Diese Monomaterialien sind leicht recycelbar. Als solches gilt nach dem Verpackungsgesetz ein Material, das einen maximalen Fremdstoffanteil von 5 Gewichtsprozent aufweist. Ziel der aktuellen Entwicklungen ist deshalb beispielsweise am Fraunhofer-Institut IVV ein Kunststoff, der als Monomaterial klassifizierbar ist und dennoch die gleiche Schutzfunktion hinsichtlich Barriereeigenschaften für die abgefüllten Produkte bietet wie die heutigen Multimaterialien. Um eine Barriere gegenüber den angesprochenen Gasen zu erzielen, integrierten sie im Projekt Barriflex verschiedene Nanopartikel in ausgewählte Lacke und Klebstoffe. Das Ziel des Projekts ist es, leistungsstarke, kostengünstige Barrierefolien mit niedrigem CO 2 -Fußabdruck für flexible Verpackungen zu entwickeln, die auf einem Material basieren. www.ivv.fraunhofer.de BASF: UMSETZUNG DER CO 2 -REDUKTIONSZIELE Mit einer neuen Projektorganisation bündelt und beschleunigt BASF die unternehmensübergreifenden Aktivitäten, um ihre CO 2 -Emissionen bis zum Jahr 2030 um 25 Prozent gegenüber 2018 zu senken und bis 2050 klimaneutral zu werden. Der Schwerpunkt der Einheit mit dem Namen „Net Zero Accelerator“ liege auf der Umsetzung und Beschleunigung von Projekten zu CO 2 -armen Produktionstechnologien, Kreislaufwirtschaft und erneuerbaren Energien. „Mit der neuen Projektorganisation machen wir weiter Tempo und schaffen BASF-intern schlagkräftigere Strukturen zur Erreichung unserer anspruchsvollen Ziele“, sagt BASF-Vorstandsvorsitzender Dr. Martin Brudermüller. Ziel sei es, die Projekte in den nächsten Jahren in die Implementierungsphase zu bringen. Durch die Bündelung des Fachwissens rund um erneuerbare Energien, alternative Rohstoffe und Technologien zur CO 2 -Reduzierung will BASF die Geschwindigkeit der Implementierung erhöhen und schneller Skalierungseffekte erzielen, um so einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Zu den laufenden unternehmensübergreifenden Projekten, die von der neuen Einheit gesteuert werden, zählen beispielsweise die Aktivitäten der BASF auf dem Gebiet der Kreislaufwirtschaft wie Chemcycling oder der CO 2 -freien Technologien wie die Methanpyrolyse. Erneuerbare Energien sind ein weiteres Aufgabenfeld für den Chemiekonzern. www.basf.com 38 VERFAHRENSTECHNIK 2022/05-06 www.verfahrenstechnik.de

NEU UND NACHHALTIG ENERGIEMANAGEMENT SPART RESSOURCEN Der deutsche Schaltanlagenbauer Spie Osmo installiert 150 Cloudintegrierbare Energiemanagementgeräte in einer großen Lebensmittelanlage. Damit wird eine vorbeugende Instandhaltung möglich. Mithilfe der Cloud-Anbindung werde die Wartung nur dann und nur dort durchgeführt, wo sie benötigt wird, statt einem starr vorgegebenen Zeitplan zu folgen. So könnten überflüssige Inspektions- und Wartungseinsätze reduziert und die Lebensdauer der Komponenten verlängert werden. Diese Funktionen können laut Anbieter Betriebs- und Wartungskosten um bis zu 30 Prozent senken und Ausfallzeiten reduzieren. Die Energiemanagementfunktion des ABB-Ability-Energy and -Asset-Managers optimiere den Energieverbrauch, identifiziere Störungspunkte und verbessere Abläufe. Besonders unter schwierigen Bedingungen kann die Fernüberwachung für die Wartungsteams vor Ort entscheidend sein. Darüber hinaus spare der Einsatz von Remote-Technik Reisezeit und reduziere ungeplante Ausfallzeiten, indem die Diagnose von Fehlfunktionen beschleunigt und Lösungen schnell umgesetzt werden. www.abb.de ABWASSER IM KREISLAUF FÜHREN Mit dem Vakuumdestillationssystem Vacudest lassen sich laut Hersteller industrielle Abwässer effektiv aufbereiten. Das Industrieabwasser wird unter Druck bei einer Temperatur von rund 80 °C, statt wie bei atmosphärischem Druck mit einer Temperatur von 100 °C, verdampft. Alle Substanzen, die einen höheren Siedepunkt als Wasser haben, verbleiben im Verdampfungsrückstand. Dazu gehören Schwermetalle und Salze, aber auch Öle, Fette oder Tenside. Weil der Wasseranteil verdampft wird, reduziert sich das Volumen des Rückstandes aus der Destillation auf 0,5 bis 5 Prozent des ursprünglichen Abwasservolumens. Der aufsteigende Dampf (Brüden) ist nahezu frei von Verunreinigungen. Nach der Kondensation kann er als sauberes Prozesswasser in die Verarbeitung zurückgeführt werden. www.h2o-de.com DÜNGER AUS DEM SCHORNSTEIN Eine neue Lösung, um mit Stickoxiden aus Industrieabgasen Düngemittel herzustellen, soll erstmals in den Niederlanden eingesetzt werden. Die zugrunde liegende Adsorptionstechnologie stammt dabei von der österreichischen Krajete GmbH. Kernstück der Technologie ist ein wartungsfreier Filter auf Basis von Aluminiumsilikat-Mineralien, der Stickoxide (NO x ) so bindet, dass diese mit geringem Aufwand wieder gelöst und zur Produktion von Düngemitteln verwendet werden können. Das Aluminiumsilikat liegt in Form von Kugeln mit geringem Durchmesser vor, die sich flexibel für die Befüllung unterschiedlicher Geometrien einsetzen lassen. Das erlaubt es, den Adsorber in Größe und Form an verschiedene Bedürfnisse anzupassen. www.krajete.com NACHHALTIGKEIT GANZHEITLICH SEHEN Bild: Gernot Krautberger – stock.adobe.com Die EU-Kommission hat neue Mindestanforderungen zur Förderung nachhaltiger Produkte vorgeschlagen. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) unterstützt das Ziel, die Kreislaufwirtschaft zu fördern, warnt aber vor einem verkürzten Verständnis von Nachhaltigkeit. Der Fokus des Gesetzentwurfs liegt auf Kriterien zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft, wie etwa der Haltbarkeit oder Recyclingfähigkeit von Produkten. Dabei bestünde die Gefahr, so der VCI, dass Beiträge zur Nachhaltigkeit während der Nutzenphase von Produkten außer Acht gelassen werden. Deshalb fordert Gerd Romanowski, Geschäftsführer Wissenschaft, Technik und Umwelt im VCI, eine ganzheitliche Betrachtung: „Bei der Beurteilung von Nachhaltigkeit ist es wichtig, alle Beiträge im Blick zu behalten. Chemische Erzeugnisse leisten an unterschiedlichen Stellen des Lebenszyklus von unzähligen Produkten einen wichtigen Beitrag. Immer größere Rotorblätter von Windkrafträdern wären zum Beispiel ohne die Stabilisierung durch Kunststofffasern nicht möglich.“ www.vci.de www.verfahrenstechnik.de VERFAHRENSTECHNIK 2022/05-06 39

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