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Verfahrenstechnik 5/2021

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Verfahrenstechnik 5/2021

BETRIEBSTECHNIK

BETRIEBSTECHNIK Inklusive Feststoffschmiere Kunststoffgleitlager in der Lebensmittelindustrie Abrasive Stäube und Getreideschalen sind in Fliehkraftschälern der Lebensmittelindustrie eine extreme Belastung für die Bauteile. Um Ausfallzeiten zu reduzieren und Betriebskosten zu minimieren, griffen die Konstrukteure eines Lebensmittelverarbeiters auf Gleitlager aus Tribo-Polymeren zurück, die selbstschmierend und wartungsfrei sind. Autor: Michael Hornung, Produktmanager Linear- und Antriebstechnik, Igus GmbH, Köln Maschinen für Getreide sind das Steckenpferd von Streckel & Schrader. Das Unternehmen wurde 1923 in Hamburg, dem damals traditionsreichen Standort für Schälmüllerei, gegründet. Seitdem konzentriert sich der Familienbetrieb auf die Konstruktion und ständige Weiterentwicklung von Verfahrenstechniken zur Verarbeitung von Getreide und Hülsenfrüchten – und das weltweit. Eine dieser neuen Entwicklungen ist der Fliehkraftschäler GG1. Er findet seinen Einsatz in der Lebensmittelindustrie, um vor allem Hafer, Dinkel, Sonnenblumenkerne oder ähnliche Getreideprodukte zu schälen. Große Mengen an abrasiven Stäuben und dementsprechender Abrieb sind besondere Herausforderungen für die eingesetzten Komponenten, so auch für die Lager. Hier setzten die Konstrukteure bei dem neuen Modell erstmals auf die Drylin R-Flanschlager von Igus. „Durch die neuen Lager konnten wir zum ersten Mal in der Schälmüllerei den Einsatz einer Kugelumlaufführung vermeiden. Diese Entwicklung ist bahnbrechend, da wir nun auf Schmiermittel verzichten können“, erklärt Geschäftsführer Tobias Streckel. „Beim Einsatz von Kugelumlaufführungen in der Automatik kommt es zu Anhaftungen von Staub und Schmutz am Lager. Das führt in der Praxis zu einem schlechten, ruppigen Lauf und zu einer Beschädigung und Blockade des Lagers, schildern uns die Kunden“, erläutert Tobias Streckel. Die Kugelumlaufführungen müssen daher regelmäßig gesäubert und neu mit einem für die Lebensmittelindustrie zugelassenen Schmieröl geschmiert und gewartet werden, um einen zuverlässigen und ruhigen Lauf sicherzustellen. Daher musste eine neue und vor allem wartungsfreie Lösung her. 38 VERFAHRENSTECHNIK 05/2021 www.verfahrenstechnik.de

BETRIEBSTECHNIK 01 02 01 Flanschlager mit Gleitelementen aus dem FDA-konformen Werkstoff Iglidur A160 lassen den Prallring auf- und abfahren, die Flanschgewindemutter aus dem Tribo-Polymer Iglidur R ermöglicht ruhiges und schwingungsdämpfendes Verstellen 02 Über zwei Wellen und eine Spindel wird der Prallring vertikal verstellt, für die Lagerung kommen die Iglidur Tribo-Polymere zum Einsatz Erhöhte Standzeiten Auf der Suche nach einer alternativen Lösung stießen die Konstrukteure auf die Kunststoffgleitlager von Igus. Zum Einsatz kommen im neuen Fliehkraftschäler auf zwei Drylin-Stahlwellen insgesamt vier Drylin-R-Flanschlager. In den Lagern befindet sich eine Gleitlagerfolie aus dem Tribo-Polymer Iglidur A160. Der Werkstoff ist hoch medienbeständig und erfüllt die strengen Anforderungen der FDA an Hygiene und Sicherheit in der Lebensmittelindustrie. Durch seine blaue Farbe ist der Werkstoff zusätzlich optisch detektierbar. Integrierte Kanäle in der Gleitfolie sorgen für einen Selbstreinigungseffekt des Lagers. Schmutz und Staub können nicht am Lager anhaften. Durch den Einsatz von Basispolymeren, Verstärkungsfasern und Festschmierstoffen sind die Iglidur Gleitelemente nicht nur schmiermittelfrei, sondern auch besonders verschleißfest. Das zeigen auch Tests im hauseigenen 3 800 Quadratmeter großen Testlabor. Hier prüft Igus auf mehr als 450 Prüfstellen seine Bauteile auf Herz und Nieren. Der Werkstoff ist durch die blaue Farbe detektierbar Auch im Lauf zeigten die Lösungen im Fliehkraftschäler eine deutliche Verbesserung gegenüber metallischen Kugelumlaufführung, denn die Kunststofflager besitzen eine größere Kontaktfläche, außerdem absorbiert der Iglidur-Werkstoff die Schwingungen. Damit der Prallring in der Höhe verstellbar ist, kommen nicht nur die Lager auf den Wellen zum Einsatz. Eine Flanschgewindemutter aus dem Tribo-Polymer Iglidur R sorgt auf einer Trapezgewindespindel zusätzlich für ein ruhiges und schwingungsdämpfendes Verstellen. Iglidur R besitzt sehr niedrige Reibwerte im Trockenlauf und eine gute Abriebfestigkeit. Der ruhige Lauf ist besonders wichtig, da Resonanzen sich in das Gehäuse übertragen und so die Elektronik beeinträchtigen können. Außerdem lässt sich durch ein präzises Verstellen eine gleichmäßige Abnutzung des Schälringes sicherstellen. Schnell gewechselt Ist der Schälring einmal abgenutzt, lässt er sich einfach werkzeuglos tauschen und verkürzt so die Stillstandzeiten der Maschine. Die Verschleißbleche sind, ebenso wie die Lager, nach einem hohen Nutzungsgrad des Fliehkraftschälers einfach mit wenigen Handgriffen austauschbar. „Unter den Gesichtspunkten von Wartung und Kosten ist die neue Lösung bedeutend einfacher und ökonomischer als bisherige Lösungen am Markt“, zeigt sich Streckel begeistert. Bereits in vier Kontinenten kommen bisher 25 GG1-Fliehkraftschäler zum Einsatz. Auch bei zukünftigen Projekten möchte das Unternehmen auf die Tribo-Polymere vertrauen. Fotos: Igus, Sergey/stock.adobe.com www.igus.de www.verfahrenstechnik.de VERFAHRENSTECHNIK 05/2021 39

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