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Verfahrenstechnik 3/2019

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VERFAHRENSTECHNIK IM

VERFAHRENSTECHNIK IM ALLTAG I SERIE In vitro veritas Chemischer Fingerabdruck erlaubt eindeutige Identifizierung von Wein Zahlreiche Inhaltsstoffe von 42 verschiedenen Weinen wurden jetzt erstmals hochpräzise mit modernsten Analysegeräten untersucht. Die so gewonnenen Daten bilden eine äußerst genaue Grundlage zur eindeutigen Charakterisierung bestimmter Weinsorten und bieten einen neuen methodischen Zugang zur routinemäßigen Weinanalyse. Wein ist mehr als Traubensaft mit Alkohol – zumindest, wenn man sorgfältig „verkostet“. Genau das hat nun ein Team des Departments für Chemie der Universität für Bodenkultur Wien zusammen mit Kollegen aus Mazedonien getan. Doch statt des Gaumens wurden dazu hochpräzise Analysegeräte verwendet, denn die Herausforderungen für eine umfassende Analyse sind aufgrund der Komplexität von Wein enorm: Autorin: Ira Paschinger, PR&D – Public Relations für Forschung & Bildung, Wien, Österreich Kohlenhydrate und Aminosäuren machen seinen Charakter genauso aus wie organische Säuren und verschiedene Klassen von Phenolen. Die gezielte Charakterisierung einzelner dieser Stoffe stellt dabei heute kein Problem mehr dar. Anders ist es aber, wenn man alle (oder die meisten) Vertreter einer ganzen Stoffklasse im Wein untersuchen möchte – ohne genau zu wissen, welche dort vorkommen. Mittels Flüssigchromatografie × Ionenmobilität-Flugzeitmassenspektrometrie (HPLC × IMS-TOFMS) gelang es, bisher wenig charakterisierte Inhaltsstoffe so genau zu beschreiben, dass diese eindeutige Rückschlüsse auf die Herkunft und Art des Weines erlauben. Daten wie diese werden dringend gesucht – denn schon lange liegt die „veritas“ nicht mehr „in vino“ sondern „in vitro“. „Wir haben eine Art Fingerabdruck für 42 verschiedene Weinsorten erarbeitet, der als Grundlage für deren zukünftige genaue Identifizierung dienen kann“, subsummiert Dr. Tim Causon, Leiter des Forschungsprojektes, die nun international publizierten Ergebnisse. „Die Kopplung beider Methoden erlaubt eine hochgenaue Trennung einzelner – auch unbekannter – Komponenten des Weines, die wir anhand ganz spezieller Parameter eindeutig charakterisieren können und deren so gewonnenes Muster für jeden Wein einmalig ist.“ Komplexe Analytik Was so einfach klingt, ist in Wahrheit ein technisch extrem anspruchsvoller Vorgang. In einem ersten Schritt wurden mithilfe der Flüssigchromatografie die Moleküle nach ihren Eigenschaften voneinander getrennt – eine etablierte und bewährte Methode zur Trennung von Inhaltskomponenten komplexer Proben. Auch die online gekoppelte Flugzeitmassenspektrometrie, die eine hochaufgelöste Trennung der zugeführten Inhaltsstoffe nach deren Verhältnis von Masse zu Ladung erlaubt, ist zur Routine geworden. Schwieriger ist die Anwendung dieser kombinierten Methoden aber, wenn man keine Standards hat, mit denen man die so gewonnenen Ergebnisse vergleichen kann – wenn man also den Wein ungezielt zerlegt. Entscheidend waren dabei die der Massenspektrometrie vorgeschaltete Trennung nach deren sogenannter Ionenmobilität. Dem Team gelang es, für jeden der 42 untersuchten Weine einen individuellen „Fingerabdruck“ zu generieren. Dieser besteht aus einer ganze Reihe von verschiedenen Inhaltsstoffen, deren Identität mit bis zu sieben verschiedenen Messgrößen charakterisiert werden konnte. Foto: Fotolia (#213068322, laplateresca) eq-vibt.boku.ac.at 42 VERFAHRENSTECHNIK 3/2019

VORSCHAU IM NÄCHSTEN HEFT: 4/2019 ERSCHEINUNGSTERMIN: 01. 04. 2019 • ANZEIGENSCHLUSS: 15. 03. 2019 01 02 03 01 Auf der Powtech 2019 vom 9. bis 11. April in Nürnberg erleben Fachbesucher das gesamte Portfolio an Neuheiten der mechanischen Verfahrenstechnik 04 02 Feuchtesensoren mit Kurzwellentechnik bieten hohe Präzision, große Robustheit und gute Reproduzierbarkeit 03 Der pneumatische Transport von chemischen Grundstoffen in Pulverform birgt das Risiko einer Staubexplosion, daher ist Ex-Schutz in der Gebläse- und Verdichtertechnik unverzichtbar 04 In diversifizierten Produktionen sollten Chemikalienschutzanzüge vor möglichst vielen Substanzen zuverlässig schützen Der direkte Weg (Änderungen aus aktuellem Anlass vorbehalten) Internet: www.verfahrenstechnik.de E-Paper: digital.verfahrenstechnik.de Redaktion: redaktion@verfahrenstechnik.de VERFAHRENSTECHNIK 3/2019 43

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