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Verfahrenstechnik 12/2022

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Verfahrenstechnik 12/2022

ERDBEBENSCHUTZ

ERDBEBENSCHUTZ SICHERHEIT VON CHEMIEANLAGEN BEWERTEN UND ERHÖHEN Mit der Einführung des Erdbeben-Eurocodes müssen die Gefahren in Chemieanlagen und deren Einfluss auf die Tragstrukturen, Einbauten und Versorgungsbauwerke neu bewertet werden. Viele Gebiete weisen nun eine relevante Erdbebenbeanspruchung auf. Damit wächst die Bedeutung des Lastfalls Erdbeben an bestimmten Chemie-Standorten. 36 VERFAHRENSTECHNIK 2022/12 www.verfahrenstechnik.de

BETRIEBSTECHNIK Die Neubeurteilung auf Basis des Erdbeben- Eurocodes hat zum Ziel, kritische Punkte in der Auslegung und Konstruktion aufzudecken, um geeignete Maßnahmen für Ertüchtigungen zu planen. Dr.-Ing. Stefan Wirth, Tüv Süd Chemie Service GmbH Beschleunigungen und der daraus hervorgehenden Ersatzlasten verursachen kann. UNTERGRUND SPIELT GRÖSSERE ROLLE An manchen Anlagenstandorten, die bislang nicht für Erdbeben ausgelegt werden mussten, kann nun eine Berücksichtigung des Lastfalls Erdbeben erforderlich sein. Neu ist auch die Zuordnung des Bodenparameters S zur Beschreibung des elastischen horizontalen Antwortspektrums in Abhängigkeit des Untergrundverhältnisses und der Höhe der Spektralbeschleunigung. Aus den bisher sechs entstehen 18 mögliche Antwortspektren. Damit werden die Untergrundverhältnisse stärker berücksichtigt und anders bewertet. Die baurechtliche Einführung des neuen Erdbeben-Eurocodes – respektive die Umsetzung in den Landesbauordnungen – werden vielerorts zu Herausforderungen bei Erdbebennachweisen führen. Darauf sollten Anlagenbetreiber gut vorbereitet sein. Bisher war der Erdbebenschutz im Anlagenbau relevant, wenn sich eine Produktionsstätte in einer der vier Erdbebenzonen Deutschlands nach DIN 4149 befand. Damit waren aber auch zahlreiche Regionen keiner Erdbebenzone zugeordnet. Mittlerweile wurden die Gefährdungen durch Erdbeben auf Basis aktualisierter europaweiter Erkenntnisse neu berechnet und im nationalen Anhang NA:2021 des Erdbeben- Eurocodes DIN EN 1998-1 normativ verankert. Neu ist, dass die starre Zoneneinteilung wegfällt und stattdessen fließende Übergänge zwischen verschiedenen Intensitätsbereichen vorhanden sind. Dadurch verschieben sich die ehemaligen Grenzverläufe der Erdbebenzonen, was eine signifikante Erhöhung der für den Erdbebenfall anzusetzenden horizontalen HANDLUNGSBEDARF ENTLANG DES RHEINS Neu zu bewerten sind die Anlagen der Chemieparks in der niederrheinischen Bucht im Großraum Köln sowie entlang des Oberrheingrabens zwischen Frankfurt und Basel. Durch den Wegfall der starren Zoneneinteilung ist es möglich, dass an einem Standort Anlagen und Gebäude hinzukommen, die nun auch bewertet und für den Lastfall Erdbeben ausgelegt werden müssen. So zum Beispiel im Industriepark Frankfurt-Höchst: Die Anlagen südlich des Mains lagen nach DIN 4149 in einer Erdbebenzone. Nicht so auf der anderen Mainseite im nördlichen Teil: Hier waren gemäß DIN 4149 keine nennenswerte Grundbeschleunigung vorhanden. Wegen der neu berechneten Grundbeschleunigung auf Basis des Erdbeben-Eurocodes kommt nun aber auch der Nordteil hinzu. Die Ergebnisse der Neubewertungen zeigen, dass die ermittelten www.verfahrenstechnik.de VERFAHRENSTECHNIK 2022/12 37