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Verfahrenstechnik 12/2021

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Verfahrenstechnik 12/2021

VERFAHREN UND ANLAGEN

VERFAHREN UND ANLAGEN Luft für die Schoko-Experten Reduzierter Energieverbrauch durch Ortung und Beseitigung von Druckluftleckagen Die Alfred Ritter GmbH & Co KG, mit ihrer bekanntesten Marke Ritter Sport, arbeitet konsequent an der Reduktion des Energieverbrauchs. Ein Baustein des Energiekonzepts ist der Energieträger Druckluft. Gemeinsam mit einem Druckluftund Pneumatikspezialisten hat das Waldenbucher Unternehmen Druckluftleckagen den Kampf angesagt. Durch regelmäßige Leckageortungen und -beseitigungen konnte die Leckageluft innerhalb von zwei Jahren halbiert werden. Dadurch reduzierte Ritter Sport seinen CO 2 -Ausstoß im Jahr 2020 um 200 bis 250 Tonnen. Energie – das ist Benjamin Flaigs Thema. Seit 2018 leitet der Energie- und Gebäudemanager das Energieteam bei Ritter Sport. In seiner Funktion ist er dafür verantwortlich, die energetische Performance im Werk zu verbessern und damit auch für die konsequente Reduktion des Energieverbrauchs zu sorgen. Konkret heißt das bei Ritter Sport: mindestens 1,5 % weniger Energieverbrauch pro produzierter Tonne Schokolade – jedes Jahr aufs Neue. Ein anspruchsvolles Ziel, das bisher nach eigener Aussage fast jedes Jahr erreicht wurde. „Und das bei 3,5 Mio. Tafeln Schokolade, die hier jeden Tag vom Band laufen“, wie Flaig erklärt. 2020 konnte das Unternehmen das Ziel „Klimaneutralität“ erreichen. Eingeschlagen hatte der Waldenbucher Schokoladenhersteller diesen Weg bereits vor 20 Jahren. „Von der Bohne über den Wertschöpfungsprozess bis zur Lieferung in den Handel ist Nachhaltigkeit ein wichtiger Aspekt bei Ritter Sport“, sagt Benjamin Flaig. Entsprechend vielfältig sind die Maßnahmen, die ergriffen werden: Rund 70 Prozent des eigenen Wärme- und 40 Prozent des Strombedarfs am Standort Waldenbuch deckt das Unternehmen über ein firmeneigenes Blockheizkraftwerk und Fotovoltaik ab, der Rest wird komplett mit „grünem Strom“ aus erneuerbaren Energien ergänzt. Darüber hinaus werden Energieeinsparpotenziale konsequent ermittelt und realisiert. Die Herausforderung sei dabei, „richtig gute Schokolade zu machen und gleichzeitig Energie einzusparen“, so Flaig. Ohne Druckluft keine Schokolade Denn auch bei der Schokoladenherstellung kann auf Druckluft nicht verzichtet werden. Bereits bei der Warenannahme, wenn die verschiedenen Rohstoffe in Pulverform an ihren Bestimmungsort transportiert werden, kommt Druckluft zum Einsatz. Im weiteren Verlauf wird Druckluft als Steuerluft eingesetzt z. B. für Weichen. Beim Herstellen der Schokoladentafeln wird der Energieträger für den Betrieb von Ventilen und Zylindern in den Maschinen benötigt. Im Verpackungsprozess werden Tafeln, die dem Qualitätsanspruch nicht zu 100 Prozent entsprechen, mithilfe von Druckluft aus dem Prozess genommen. Auch die Reinigung der Schokomasseleitungen erfolgt mit Druckluft: Dazu wird ein Molch durch die Leitung geblasen und so die Schokoladenreste in der Leitung entfernt. Autorin: Ulrike Böhm, Public Relations, Mader GmbH & Co. KG, Leinfelden-Echterdingen

VERFAHREN UND ANLAGEN 01 Benjamin Flaig leitet das Energieteam bei Ritter Sport, ein wichtiges Instrument ist die Ortung von Druckluftleckagen, die bei laufendem Betrieb erfolgt 02 Ritter Sport setzt sich jährliche Ziele, um den Energiebedarf für die Schokoladenproduktion zu senken, die Beseitigung von Druckluftleckagen ist ein Baustein dieser Strategie „Als Lebensmittelbetrieb legen wir sehr großen Wert auf eine extrem gute Druckluftqualität. Dafür haben wir überall Messstellen zur Qualitätsüberwachung der Druckluft“, berichtet Flaig. Der Qualitätsanspruch setzt bereits bei der Erzeugung der Druckluft an, die komplett ölfrei erfolgt. Um die pulverförmigen Rohstoffe vor dem Verklumpen zu schützen, ist zudem ein niedriger Drucktaupunkt entscheidend, der über entsprechende Trockner erreicht wird. Verteilt wird die Druckluft aus zwei zentralen, manipulationssicheren Kompressorräumen über ein fest verrohrtes Rohrleitungsnetz aus Edelstahl. Zahlreiche Filter an kritischen Stellen im Netz stellen die Reinheit der Druckluft sicher. Neben der Qualitätsüberwachung spielt Energiemonitoring eine wichtige Rolle im Druckluftprozess. „Wir haben an allen Kompressoren Stromzähler angebracht, um deren Effizienz zu überwachen“, erzählt Benjamin Flaig. Die Kompressoren sind mit Wärmerückgewinnung ausgestattet und arbeiten – dank kaskadenförmiger Anordnung, einer übergeordneten Steuerung und Drehzahlregelung bei einem Großteil der Kompressoren – nur so viel, wie es der Druckluftbedarf im Werk gerade erfordert. Dank Monitoring ist klar, wieviel Druckluft tatsächlich für den jeweiligen Prozess benötigt wird und wieviel als Leckageluft im Prozess verloren geht. 50 Prozent weniger Leckageluft Gesteigerte Komplexität in der Instandhaltung und ein wachsender Maschinenpark führten jedoch bald dazu, dass das Unternehmen eine Outsourcing-Lösung für das Thema Leckage suchte. Seit 2019 ist dafür der süddeutsche Druckluft- und Pneumatikspezialist Mader bei Ritter Sport im Einsatz – zunächst ausschließlich für die Ortung der Leckagen. Nach umfassenden Hygieneschulungen übernimmt seit 2019 ein festes Leckageteam von Mader auch größtenteils die Beseitigung der Undichtigkeiten. „Einige wenige Leckagen, die z.B. in einer Maschine sind oder besondere Kenntnisse erfordern, werden von den InstandhalterInnen selbst beseitigt“, erzählt Marina Griesinger, Leiterin Energieeffizienzmanagement bei Mader. Entscheidend bei der Auswahl des Dienstleistungspartners war für Flaig die räumliche Nähe und das umfassende Serviceangebot, das auch digitale Dienstleistungen umfasst. „Die Erfolge zu sehen, ist sehr wichtig“, betont Benjamin Flaig und nimmt damit Bezug auf die digitale Leckageanwendung von Looxr, die Mader seinen Kunden anbietet. Darin enthalten: Das Leckage-Portal und die Leckage-App. Damit kann der Energiemanager sich jederzeit live darüber informieren, wie viele Leckagen geortet wurden, wo sie sich befinden, wieviel Druckluft darüber verloren geht, wieviele Leckagen bereits beseitigt wurden und welche konkreten Ersparnisse sich daraus ergeben. Und das sowohl monetär als auch in Höhe des eingesparten CO 2 -Ausstoßes. Die Erfolge der Zusammenarbeit und des konsequenten Fokus auf den Baustein „Leckage“ bei der Reduktion des Energiebedarfs können sich sehen lassen: Innerhalb von zwei Jahren wurde der Leckageluftanteil um 50 Prozent reduziert. Ortung bei laufender Produktion Um das zu erreichen, wurde die Leckageortung und -beseitigung in der Instandhaltungsplanung fest einkalkuliert. „Zwei bis drei Wochen vor dem geplanten Instandhaltungsfenster für eine Produktionslinie ist unser Team vor Ort und führt die Ortung durch. Dank modernster Ultraschallortungstechnologie kann das bei laufender Produktion erfolgen“, erzählt Marina Griesinger. Im Servicefenster selbst ist das Mader-Team ebenfalls vor Ort und beseitigt die gefundenen Leckagen. „Seite an Seite mit den Instandhalter- Innen von Ritter Sport“, wie Benjamin Flaig berichtet. Mindestens einmal jährlich werde so jede Produktionslinie im dafür vorgesehenen Instandhaltungsfenster einem Leckage-Check unterzogen. Neben dem Ziel, die Leckageluft und damit den Energieverbrauch zu reduzieren, sieht Flaig bei einer konsequenten Leckage-Strategie einen weiteren entscheidenden Vorteil: „Es hilft dabei, Verschleiß zu erkennen und Stillstand zu vermeiden. Damit sind die Maßnahmen auch ein Teil der vorbeugenden Instandhaltung.“ Gleichzeitig sei es ein Baustein, der kleinteiliger sei und den man konsequent und langfristig verfolgen müsse. Anders als etwa große Projekte wie der Austausch der Beleuchtung, sei man mit dem Baustein Leckage nie fertig. „Beim Auto steht ja auch ein regelmäßiger Ölwechsel an. Ähnlich ist es bei der Druckluft – auch hier muss ich die Bauteile regelmäßig überprüfen“, erläutert Flaig. Benjamin Flaig zeigt sich überzeugt vom eingeschlagenen Weg: „Das Mader- Team ist eine große Unterstützung, die Abstimmung funktioniert sehr gut und reibungslos.“ Der Erfolg bestätigt ihn. Jährlich werden durchschnittlich 500 Leckagen geortet und beseitigt, was 200 bis 250 Tonnen CO 2 entspricht. „Technisch bedingt werden wir die Leckagen nie auf null senken können, doch wir sind bestrebt, die Leckagen deutlich und kontinuierlich zu reduzieren“, sagt Flaig. Er freut sich über den Rundum-Service, der seinen KollegInnen und ihm Luft lässt für ihre anderen anspruchsvollen Aufgaben. „Wir sind die Schoko-Experten. Um die Druckluft kümmern sich bei uns die Experten von Mader.“ Fotos: Mader, Alfred Ritter GmbH & Co. KG www.mader.eu www.verfahrenstechnik.de VERFAHRENSTECHNIK 12/2021 19

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