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Verfahrenstechnik ACHEMA-REPORT 2018

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Verfahrenstechnik ACHEMA-REPORT 2018

VERFAHREN UND ANLAGEN

VERFAHREN UND ANLAGEN Wachsende Herausforderungen Neue Geschäftsmodelle für den Chemieanlagenbau Chemieanlagen sind gefragt: zwischen 2005 und 2015 hat sich das Investitionsvolumen der globalen Chemie fast verdreifacht und liegt inzwischen bei über 200 Mrd. US-Dollar pro Jahr. Doch während die meisten Anlagen noch relativ konventionell geplant und gebaut werden, schicken sich die Ingenieur- Abteilungen der Chemie und die EPC-Kontraktoren an, die Engineeringprozesse deutlich zu verändern. Growing challenges New future business models for chemical plant construction Chemical companies continue to build new plants. Between 2005 and 2015, global investment in the chemical industry increased by nearly a factor of three and currently stands at more than USD 200 billion. Most of these plants are based on conventional design and construction, but the engineering departments at chemical companies and EPC contractors are about to make major changes to the engineering process. W achstum zwingt zur Größe: Das im Herbst 2017 im saudischen Jubail fertiggestellte Megaprojekt Sadara markiert einen weiteren Meilenstein des globalen Chemie-Booms: Mit der 20 Mrd. US-Dollar teuren Investition stellen sich die Projektpartner Saudi Aramco und Dow Chemicals auf die weiter wachsende Nachfrage nach Chemikalien ein. Marktforscher schätzen, dass der Bedarf an Chemieprodukten in den kommenden zwei Jahrzehnten jährlich um 4,0 bis 4,5 % wachsen wird. Die Chemiekonzerne begegnen dem mit immer weiteren und zum Teil auch immer größeren Investitionen: So will der Ölkonzern Saudi Aramco gemeinsam mit dem Kunststoffhersteller Sabic in den kommenden Jahren einen Oil-to-Chemical-Komplex bauen – Kostenpunkt 20 Mrd. US-Dollar. Zusammen mit dem französischen Energiekonzern Total plant der saudische Branchenprimus eine Ethylen-Propylen-Anlage für 5 Mrd. US-Dollar. Adnoc – der staatliche Ölkonzern von Abu Dhabi – hat angekündigt, seine Produktions kapazität für Petrochemie bis 2025 auf 11,4 Mio. Tonnen pro Jahr verdreifachen zu wollen. Growth creates a size imperative. The Sadara mega-project, which was completed in Jubail in Saudi Arabia in the autumn of 2017, marks an additional milestone in the global chemical boom. By making a USD 20 billion investment, the project partners Saudi Aramco and Dow Chemicals have positioned themselves to exploit the increasing demand for chemicals. According to market research estimates, the annual increase in demand for chemical products over the next 20 years will be in the 4–4.5 % range. In response, chemical companies continue to invest and to some extent the size of the investments is also increasing. The oil company Saudi Aramco in partnership with the plastics manufacturer Sabic intends to build an oil-to-chemical complex in the next few years at a cost of 20 billion dollars. Together with the French energy company Total, the Saudi industry leader is planning to spend USD 5 billion on construction of an ethylene-propylene plant. Adnoc, the Abu Dhabi state oil company, has announced plans to increase its petrochemical production capacity by a factor of three to 11.4 million metric tonnes by the year 2025. 8 VERFAHRENSTECHNIK ACHEMA-Report 2018

PROCEDURE AND EQUIPMENT Aber nicht nur im Mittleren Osten werden spektakuläre Projekte angeschoben. In den USA hat der Schiefergas-Boom dazu geführt, dass neue Petrochemieprojekte realisiert werden: Allein in 2017 wurden vier neue Ethan-Cracker fertiggestellt, vier weitere sind im Bau und sollen bis 2019 in Betrieb gehen. Doch eine zweite Investitionswelle rollt bereits an: Für fünf weitere Cracker wird die wirtschaftliche Machbarkeit geprüft. Der amerikanische Chemieverband ACC schätzt, dass die jährlichen Investitionsausgaben der amerikanischen Cheimieunternehmen von 40,8 Mrd. Dollar in 2016 auf 58,6 Mrd. Dollar in 2021 steigen werden. 294 aktuelle Vorhaben mit einem Gesamtwert von 179 Mrd. Dollar zählte der Verband im Frühjahr. Auch die europäische Chemie hat ihre Ausgaben für Produktionserweiterungen und neue Anlagen in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert: Der europäische Chemieverband Cefic schätzt, dass sich die Investitionen der globalen Chemie zwischen 2005 und 2015 mehr verdreifacht haben – ohne den Mittleren Osten, für den keine Zahlen vorliegen, stieg das Investitionsvolumen der Chemienationen auf über 170 Mrd. Euro in 2015 an. Zum Vergleich: Die Investitionen deutscher Chemiehersteller erreichten 2017 rund 16 Mrd. Euro. Der Rohstoffbedarf der bestehenden und neuen Produktionskapazitäten hat Folgen: Sie wird weitere Investitionen im Öl- und Gassektor nach sich ziehen. Die Internationale Energieagentur IEA schätzt, dass die Petrochemie bis im Jahr 2040 den Kraftstoffsektor als Wachstumstreiber für die globale Nachfrage nach Rohöl ablösen wird. Die Chemie wird dann täglich 15,7 Mio. Barrel Öl benötigen – 47 % mehr als noch im Jahr 2015. Strukturwandel im Chemieanlagenbau Für den Chemieanlagenbau sind das erst einmal gute Nachrichten. Allerdings vollzieht sich hier seit einigen Jahren ein deutlicher Strukturwandel: Immer größere Projekte erfordern die Bereitschaft, große Risiken zu übernehmen. Außerdem wünschen sich die Investoren und Anlagenbetreiber globale Partner, die von der Machbarkeitsstudie bis zur Inbetriebnahme Gesamtverantwortung und häufig auch die Finanzierung übernehmen. Europäische und vor allem deutsche Anlagenbauer sind dafür inzwischen meist zu klein. Letztere klagen bereits seit Jahren über einen hohen Wettbewerbsdruck und rechnen – so eine aktuelle Studie des Maschinenund Anlagenbauverbands VDMA – mit weiter wachsender Konkurrenz auf den Weltmärkten. Vor allem Anlagenbauer aus China, Westeuropa und den USA werden als Wettbewerber im Rennen um Großprojekte wahrgenommen. Und je nach Technologie und spezieller Ausrichtung hat den Unternehmen in den vergangenen Jahren auch der niedrige Ölpreis zugesetzt, wenn Kunden geplante Investitionen gestoppt oder hinausgezögert hatten. Immer wieder sind restriktive Rahmenbedingungen für Finanzierungen und die fehlende Bereitschaft, alternative Finanzierungsleistungen anzubieten die Gründe dafür, wenn deutsche Anbieter in EPC-Projekten nicht zum Zuge kommen. Wie wichtig dieser Faktor ist, hat das Beratungsunternehmen PWC in einer aktuellen Studie festgestellt: Demnach werden in jeder vierten Projektanfrage durch den Auftraggeber auch Finanzierungslösungen angefragt. Und obwohl die globale Chemie immer mehr investiert, fehlen dem Anlagenbau mit dem Trend zu immer größeren Anlagen zunehmend Projekte mittlerer Größenordnung. So sucht der EPC-Anlagenbau deutscher Prägung deshalb nicht nur nach Differenzierungsmerkmalen, sondern auch nach neuen Geschäftsmodellen. Die Engineering-Unternehmen wollen beispielsweise ihr Geschäft mit betriebsnahen Services ausbauen und mit Technologie punkten. Und der Markt dafür wächst: Der Industriedienstleister Bilfinger schätzt, dass es bis 2020 in Europa, Nordamerika und dem Mittleren Osten über 11 000 Chemie- und Pharmaanlagen geben wird, die älter als zehn Jahre sind und für die Modernisierungsmaßnahmen erforderlich werden. Für die Unternehmen des Anlagenbaus ist das However, the launch of spectacular projects is not limited to the Middle East. The shale gas boom in the US has generated demand for new petrochemical projects. Four new ethane crackers were completed in 2017 alone. Four additional crackers are currently under construction and scheduled to begin operating in 2019. A second wave of investment is already underway. The feasibility of building five more crackers is currently being assessed. The American Chemical Council estimates that annual capital spending by US chemical companies will increase from USD 40 billion in 2016 to USD 58.6 billion in 2021. In February, the Council listed 294 current projects with a total value of USD 179 billion. Capital expenditure on production expansion and new plants and equipment increased in the European chemical industry as well last year. According to estimates published by the European chemical trade association Cefic, capital spending in the global chemical industry increased more than threefold between 2005 and 2015. Excluding the Middle East for which no data is available, capital spending in the chemical-producing countries rose to 170 billion euros in 2015. Capital spending by German chemical producers was roughly 16 billion euros in 2017. Raw material demand to support existing and new production capacity produces a follow-on effect. Further investment will be needed in the oil & gas sector. The International Energy Agency (IEA) estimates that by 2040, petrochemicals will replace the fuel sector as the main force driving global demand for crude oil. Daily demand in the chemical industry will reach 15.7 million barrels, 47 % higher than in 2015. Structural change That is basically good news for the chemical plant construction industry. However, structural change in the industry has been underway for several years. As projects continue to increase in size, greater risk has to be accepted. In addition, investors and plant operators prefer to do business with global partners who take total responsibility for everything from feasibility studies to commissioning, and often the financing as well. European plant construction companies, and German firms in particular, are now too small to take on that role. For several years, German companies have been lamenting the increasesd competitive pressure. A current study carried out by the German Engineering Federation VDMA indicates that competition will become even tougher in world markets. EPCs based in China, Western Europe and the US are regarded as major competitors in the market for large projects. Depending on the technology and area of specialization, companies have felt the effects of lower oil prices as customers canceled or delayed capital spending projects. Restrictive financing conditions and a reluctance to offer alternative financing services are often the reason why German companies fail to acquire EPC projects. A current study by the consultants PWC reveals just how important this factor can be. Customers ask for project financing in one out of every four requests for quotation. VERFAHRENSTECHNIK ACHEMA-Report 2018 9

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