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Verfahrenstechnik 9/2017

Verfahrenstechnik 9/2017

VERFAHREN UND ANLAGEN

VERFAHREN UND ANLAGEN Aus einer Hand Staubdichtes Trockenschlacken-Handling für nachhaltiges Urban Mining In einem Müllheizkraftwerk sollte die Fördertechnik optimiert werden, damit die Schlacke aus der Verbrennung trocken und ohne jegliche Staubemission transportiert und in Container verladen werden kann. Das System wird nun komplett gekapselt betrieben. „Urban Mining“, also das Extrahieren von Wertstoffen aus Müll, ist ein Konzept, das in der Schweiz auf dem Vormarsch ist. Allgemein ist die Schweiz in Sachen Müllrecycling, -verbrennung, Rauchgasreinigung und Reststoffbehandlung international im Spitzenfeld vertreten. Im Müllheizkraftwerk Hagenholz, das von ERZ (Entsorgung und Recycling Zürich) betrieben wird, wurden im Herbst 2016 der Trockenschlackenaustrag mit der Förderbandanlage und die nachfolgende automatische Container-Befüllstation in Betrieb genommen. Geplant, hergestellt, installiert und in Betrieb gesetzt wurde die Anlage von STAG Schüttguttechnik aus dem schweizerischen Maienfeld. Das abgeschlossene Turn-Key-Projekt zählt in der Firmengeschichte zu einer der anspruchsvollsten Herausforderungen. 2016 hat ERZ einen bedeutenden Schritt in Richtung Urban Mining und somit in die Umweltfreundlichkeit getan. Nicht zuletzt dank des Anlagekonzepts von STAG ist es dem Betrieb nun möglich, die Schlacke anstatt nass als Trockenschlacke für eine effiziente Wertstoffgewinnung zur Recycling- Anlage in Hinwil zu führen. Die Herausforderung bestand darin, bei der Förderung der Trockenschlacke jegliche Staubemissionen zu verhindern, weshalb das System komplett gekapselt betrieben werden muss. Zwei Plattenförderbänder transportieren die Schlacke direkt aus dem Kessel und dem Trockenentschlacker auf staubdichte Sammelförderbänder. Während die Schlacke weiter abkühlt, wird sie zu zwei vollautomatischen Verladestationen befördert und umgehend in geschlossene, ebenfalls staubdichte Container abgefüllt. Der in der Förderanlage entstandene Staub wird abgesaugt, herausgefiltert und der Schlacke wieder zugeführt. Die Anlage des ERZ läuft rund um die Uhr und muss daher sehr hohe Ansprüche erfüllen. Pro Jahr werden derzeit 44 000 t gefördert, ausgelegt ist die Anlage für eine Maximalkapazität von 66 000 t/a. Die Austragsleistung liegt bei 20 t/h, möglich sind bis zu 30 t/h. Die vollautomatischen Austragsförderbänder sind während 8 200 h/a in Betrieb. Beengte Verhältnisse Autor: Josef Doller, Geschäftsführer, STAG Schüttguttechnik, Maienfeld, Schweiz Keine Anlage ist wie die andere, denn jeder Betrieb bringt neue Herausforderungen mit 8 VERFAHRENSTECHNIK 9/2017

VERFAHREN UND ANLAGEN sich. Allein die unterschiedlichen Gebäudeverhältnisse sowie auch die Integration bereits vorhandener Anlagen bergen häufig Schwierigkeiten. Die Förderbänder im ERZ weisen einen Neigungswinkel von beinahe 20° auf. Das stellt komplett andere Anforderungen als ein horizontaler Verlauf, insbesondere für den Trockenschlacken-Austrag. Die gesamte Fördertechnik wurde von STAG speziell für diese individuelle Anwendung und Platzverhältnisse konzipiert. Wie sich gezeigt hat, ist der Trockenschlackenaustrag erheblich aufwändiger als wenn alles als Nassschlacke entsorgt wird. „Das ist der Preis eines umweltschonenden Verfahrens“, sagt Jürg Bruder, Leiter Engineering und Projekte bei ERZ. Der Müll stellt die Betreiber des ERZ jeden Tag vor neue Probleme, wodurch immer Schlüsselkomponenten n hitzebeständige Plattenbänder nach dem Entschlacker n Grobteilabscheider vor dem Sammelband n abschließbarer Schlackenbunker n staubdichte, geschlossene Förderbänder mit Kratzbodenreinigung n vollautomatische Containerbefüllung mit Fahreinrichtung n zentrale Entstaubung der Förderanlage und Containerbefüllung n EMSR-Einbindung in die zentrale Leitwarte Die Förderbänder im ERZ weisen einen Neigungswinkel von beinahe 20° auf wieder neue Fragestellungen und Anforderungen auftauchen. „Es kommt uns deshalb sehr entgegen, dass STAG die Anlage nicht nur liefert, sondern auch für den Service und Unterhalt jederzeit verfügbar ist“, so Bruder weiter. Seit Oktober 2016 sind beide Linien der Anlage auf den Trockenaustrag umgestellt und sind bisher ohne größere Störungen permanent in Betrieb. Als Entwickler, Planer und Erbauer der Anlage kennt STAG das Produkt bis ins kleinste Detail, kann Schwachstellen frühzeitig erkennen und eliminieren, Reparaturen oder Anpassungen gezielt und effizient durchführen. Dabei ist auch die Wirtschaftlichkeit besonders bei einem Betrieb wie dem ERZ ein wichtiger Faktor. www.stag.net

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