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Verfahrenstechnik 9/2016

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Verfahrenstechnik 9/2016

TOP-THEMA I FÖRDER- UND

TOP-THEMA I FÖRDER- UND VERPACKUNGSTECHNIK Die Kunst vom Fördern Rohrkettenförderer im Baukastensystem Katja Friedl Bei der Verarbeitung von Schüttgütern steht die Förderung im Zentrum der Anlagentechnik. Freifließende oder kohäsive Materialien müssen mitunter über weite Strecken transportiert werden. Als Alleskönner gilt hierbei der Rohrkettenförderer, der Richtungsänderungen in der Ebene und im Raum möglich macht. Die Schrage GmbH Anlagenbau bietet individuelle Lösungen an. Seit 1977 ist Schrage GmbH Anlagenbau für viele Branchen tätig und hat sich auf Rohrkettenförderer spezialisiert. „Die Rohrkettenförderer werden an unserem Standort in Sande in enger Zusammenarbeit mit dem Kunden geplant und an unserem Standort in Osterholz-Scharmbeck gefertigt“, erklärt Ulrike Antler, Gesellschafterin der Schrage-Gruppe. Die Rohrkettenförderer stehen im Zentrum der Produktpalette, weil sie im Gegensatz zu den meisten anderen mechanischen Stetigförderern Richtungswechsel im Raum zulassen und zuverlässige Arbeitspferde mit geringem Wartungsaufwand sind. Der Rohrkettenförderer hat einen relativ simplen Aufbau: Neben einer Antriebsstation an dem einen Ende gibt es eine Spannstation am anderen Ende. Dazwischen läuft eine Kette, an der in gleichmäßigen Abständen Mitnehmerscheiben angebracht sind. Die Förderkette wird durch ein Rohrgehäuse geführt und transportiert das Fördergut deshalb staubdicht und besonders produktschonend. Durch die zahlreichen Förderscheiben entsteht ein sogenanntes Kapselwerk, das den Über- bzw. Unterdruck abbaut. Eine Grundvoraussetzung, damit der Rohrkettenförderer reibungslos funktioniert, ist, dass die Kette die Spannung nicht verliert. Michael Rohleder, Geschäftsführer von Schrage GmbH Anlagenbau, beschreibt die Förderlösung einer Rapsmühle, die permanent Probleme verursacht hatte: „Als der Kunde auf uns zukam, war bei ihm ein einziger Rohrkettenförderer installiert, der zunächst einige Meter senkrecht nach oben, dann 20 m waagrecht, anschließend abknickend weitere 30 m waagrecht und zum Schluss noch einmal ein paar Meter nach oben überbrücken musste. Die Strecke lief wie eine Wasserleitung. Das konnte nicht funktionieren.“ Schrage hat die Anlage deshalb überarbeitet. Nun setzt der Kunde statt eines einzigen fünf Rohrkettenförderer ein, bei denen das Material automatisch von Förderer zu Förderer übergeben wird. „Seither läuft der Transport wie geschmiert“, freut sich Michael Rohleder. Harte Schichten Die Rohrketten fertigt Schrage am Standort in Osterholz-Scharmbeck, wo gegebenen- Autorin: Dipl.-Chem. Katja Friedl, Redakteurin, Vereinigte Fachverlage GmbH, Mainz

FÖRDER- UND VERPACKUNGSTECHNIK I TOP-THEMA 01 Die Förderkette wird durch ein Rohrgehäuse geführt und transportiert das Fördergut deshalb staubdicht und besonders produktschonend 02 Rohrkettenförderer gelten als Alleskönner und eignen sich für die unterschiedlichsten Produkte falls auch ein passender Verschleiß- und Korrosionsschutz aufgebracht wird. Stützscheiben werden auf die Kette geschweißt, die die Mitnehmerscheiben tragen. Für diese Mitnehmerscheiben stehen unterschiedliche Materialien zur Verfügung. Bei Temperaturen bis 80 °C (u. U. bis 160 °C) kommen meist Kunststoffscheiben zum Einsatz, bei höheren Temperaturen sorgen Metall- oder Gussscheiben für den Materialtransport. „Die Metallscheiben erhalten von uns mittels Flammspritzverfahren eine Wolfram- Carbid-Beschichtung, die eine Oberflächenhärte von 750 HV besitzt“, führt Christoph Walther, technischer Leiter bei Schrage GmbH Anlagenbau, aus. Auch lebensmittelbeständige Werkstoffe sind verfügbar. Verschleißschutz ist auch für die Rohrbögen ein wichtiger Aspekt. Deswegen werden von Schrage bei abrasiven Materialien gerade die Rohrbögen ebenfalls mittels Flammspritzen verschleißgeschützt ausgeführt. Metalle und Nichtmetalle mit Schmelzpunkten bis zu 2700 °C finden hierfür Verwendung. Flammgespritzte Schichten zeichnen sich u. a. durch Korrosions-, Zunder- und Verschleißschutz aus. Werden homogene, rissfreie Schichten gefordert, bietet sich das Flammspritzen mit thermischer Nachverdichtung an. Der im Flammspritzverfahren aufgebrachte Zusatzwerkstoff wird in einem weiteren Arbeitsgang mit dem Grundwerkstoff verschmolzen. Zwischen dem Grundwerkstoff und der Spritzschicht entsteht durch Diffusion eine metallurgische Verbindung. Die so erzeugten Schichten sind homogen, sehr verschleißfest und verlieren auch bei höheren Temperaturen ihre Eigenschaften kaum. Fördertechnik on tour Mit einer mobilen Förderanlage kann direkt beim Kunden demonstriert werden, wie Rohrkettenförderer arbeiten und der Kunde kann die Förderung mit Produkten testen, die direkt aus der Anlage kommen. „Wenn die Stoffe erst zu uns transportiert werden müssen, damit wir die Tests in unserem Technikum fahren, können die Eigenschaften ganz andere sein. Die Temperatur ist vielleicht viel niedriger oder das Material verklumpt beim Transport“, erklärt Christoph Walther. „Mit unserer mobilen Anlage können wir die Technik unter realen Bedingungen erproben.“ Für andere Versuche steht das Technikum in Sande zur Verfügung. Dabei wollen die Spezialisten herausfinden, ob ein Produkt waagrecht und senkrecht transportabel ist. So könnten zu große Körner den Förderer blockieren, klebrige Substanzen fallen u. U. nicht selbstständig am Auslauf raus. Durch konstruktive Veränderungen lassen sich die meisten Probleme in den Griff bekommen. Der Rohrkettenförderer ist zwar das liebste Produkt des Unternehmens aus Sande, doch nicht jede Aufgabe lässt sich damit lösen. Bei höherer Förderleistung wäre z. B. ein Trogkettenförderer die erste Wahl, müssen lange Distanzen überbrück werden, schlägt die Stunde eines Gurtförderers. Schneckenförderer kommen aufgrund niedriger Investitionskosten für kurze Wege infrage. „Wir sind vom Rohrkettenförderer als Alleskönner überzeugt“, sagt Michael Rohleder, „aber wenn es die Linienführung oder die Fördermenge nicht hergibt, können wir auch andere Systeme aus unserem Portfolio anbieten.“ Unterschiedliche Förderanlagen können zu maßgeschneiderten Lösungen aus einer Hand kombiniert werden. Zusatzprodukte, wie z. B. Zellradschleusen, Schieber oder Silos, stehen ebenfalls als Komponenten zur Auswahl. Einzelkomponente oder System Schrage bietet vom Engineering über Fertigung, Montage und Inbetriebnahme bis hin zu Service und Wartung das gesamte Spektrum rund um die Fördertechnik an. Michael Rohleder führt aus: „Wir können das komplette Engineering für den Förderweg übernehmen oder eben nur Anlagenteile liefern. Das hängt von den Wünschen des Kunden ab.“ So entwickeln z. B. größere Unternehmen meist schon ein Vorengineering, bevor der Anlagenbauer mit ins Boot kommt. „Manche Entwürfe sind gut, bei anderen müssen wir einen Gegenvorschlag machen, weil sich etwa die angedachte Linienführung nicht realisieren lässt“, beschreibt Rohleder. Christoph Walther erläutert: „Um gute Lösungen zu entwickeln, müssen wir das Schüttgut kennen. Es gibt Schüttgüter, die sind klebrig. Es gibt welche, die sind schleißend. Damit umzugehen, bedarf viel Erfahrung.“ So lassen sich beispielsweise bei fettigen Produkten auch „abenteuerliche“ Linienführungen realisieren, weil kein Verschleiß auftritt. Andere Materialien wie Papierschlamm haben sich als schwierig entpuppt. „Hier mussten wir tief in die Trickkiste greifen, damit der Förderer reibungslos funktioniert“, gibt sich Christoph Walther geheimnisvoll. Gegründet wurde die Schrage-Unternehmensgruppe 1977 von Dipl.-Ing. Otto Schrage und beschäftigt heute rund 65 Mitarbeiter an zwei Standorten in Niedersachsen. Stark vertreten ist der Fördertechnik- Spezialist im Bereich der Filtertechnik und der Luftreinigung – ob Stahlwerk, Zementfabrik oder Müllverbrennungsanlage – überall müssen Pulver staubdicht transportiert werden. Aber auch bei Raffinerien oder in der Lebensmittelbranche stehen die Förderanlagen aus Sande. „Wir sind seit fast 40 Jahren auf dem Markt und können noch immer für sämtliche Anlagen Ersatzteile liefern – auch für die Modelle, die 1977 ausgeliefert wurden“, erzählt Rohleder stolz. Fotos: Katja Friedl, Schrage www.schrage-gmbh.de VERFAHRENSTECHNIK 9/2016 43

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