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Verfahrenstechnik 9/2016

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Verfahrenstechnik 9/2016

BETRIEBSTECHNIK I TITEL

BETRIEBSTECHNIK I TITEL Aufgefangen und abgesaugt Tausende Tonnen Granulat abfüllen – in sauberer Umgebung Eva-Maria Lohmann Im Silologistikzentrum des Makrolon-Bereichs von Covestro in Krefeld-Uerdingen sorgen „zweckentfremdete“ Spänesauger für Sauberkeit und Arbeitssicherheit. In einem anderen Abschnitt der Makrolon-Abfüllung kommt ein Ex-Sauger zum Einsatz. A uch wenn es weltweit diverse Produktionsstandorte für den Hochleistungskunststoff Polycarbonat gibt, kann der Chemiepark Krefeld-Uerdingen eine Sonderstellung beanspruchen. Denn genau dort entwickelte der Bayer-Chemiker Hermann Schnell 1953 diesen Kunststoff, der sich durch hohe Festigkeit und Zähigkeit auszeichnet – und dort wurde Polycarbo- Autorin: Eva-Maria Lohmann, Leiterin Marketing, Ruwac Industriesauger GmbH, Melle-Riemsloh nat 1958 unter dem Markennamen Makrolon erstmals produziert. Covestro – unter dieser Bezeichnung ist die ehemalige Bayer MaterialScience seit 2015 eigenständig am Markt – betreibt in Uerdingen eine Anlage von beeindruckender Größe zur Produktion verschiedener Makrolon-Typen. Zu den Produkten, die Covestro-Kunden daraus fertigen, gehören unter anderem so unterschiedliche Erzeugnisse wie CDs und DVDs, Streuscheiben von KFZ-Leuchten, Solarmodule, Brillengläser und Dachkonstruktionen. Neben reinem Polycarbonat fertigt Covestro auch „Makroblends“ – unter anderem mit Glasfaseranteilen und Mineralfüllung. Silo-Logistik für höchste Ansprüche Die Chemieindustrie ist arbeitsteilig organisiert. Oft übernehmen branchenkundige Logistik-Dienstleister die Lagerung, Abfüllung und Verpackung der Produkte. Das gilt auch für die Makrolon-Produktion in Uerdingen: Chemion hat dort ein Silo-Logistikzentrum errichtet, in dem die sensiblen Granulate zunächst zwischengelagert werden. Insgesamt stehen eine Auswahl von Versand- und Mischsilos mit jeweils mehreren hundert Kubikmetern Fassungsvermögen sowie nochmals eine Anzahl Silos mit großer Pufferkapazität zur Verfügung. 36 VERFAHRENSTECHNIK 9/2016

TITEL I BETRIEBSTECHNIK 01 Das aufgesaugte Granulat lässt sich einfach entnehmen 02 Der Spänesauger trennt beim Aufsaugen Fest- und Flüssiganteile Sicherheit und Sauberkeit gehen Hand in Hand Aus den Silos heraus werden die verschiedenen Makrolon-Sorten nach den Bestellungen und Wünschen der Kunden abgefüllt. Es gibt mobile Abfüllanlagen für Container und Großgebinde, aber auch automatisierte Anlagen für kleinere Gebinde, bis herab zum 25-kg-Sack. Mit den Sackautomaten und den mobilen Großgebindeanlagen wird das Makrolon- Granulat vor Ort ebenso für den Versand zusammengestellt wie auch in der Silowagenverladung. Dass beim Handling dieser Mengen ab und an Granulat auf den Boden gelangt, lässt sich nie ausschließen. Bei Chemion wird man das Granulat aber nie lange dort sehen, denn es hat eine unangenehme Eigenschaft. Gerhard Vieten, Betriebsingenieur Silologistik: „Die Kugeln sind klein, hart und rund. Deshalb können die Mitarbeiter leicht darauf ausrutschen.“ Da in der gesamten Chemieindustrie die Arbeitssicherheit groß geschrieben wird, ist es für die Mitarbeiter selbstverständlich, das Granulat sofort aufzusaugen. Außerdem lassen sich die mobilen Abfüllanlagen besser verfahren, wenn sie nicht über die kleinen Kugeln bewegt werden müssen. Für das Aufsaugen kommen Ruwac-Sauger vom Typ SPS 35 und SPS 250 zum Einsatz. Ursprünglich wurden diese Sauger für einen ganz anderen Zweck entwickelt. Das „SPS“ in der Typenbezeichnung steht für Spänesauger und diese Saugerbauart ist auch in zahlreichen metallverarbeitenden Betrieben im Einsatz, um die Rückstände aus der spanabhebenden Fertigung auf- bzw. abzusaugen und um Maschinen zu reinigen. Separieren von Granulat und Wasser Typisch für den SPS ist die „doppelte“ Absaugung. Da die Späne in der Metallbearbeitung meist in Kombination mit Kühlschmierstoffen und Ölen auftreten, werden sie vom Flüssiganteil separiert und in einem Vorabscheider zurückgehalten. Diese Eigenschaft ist auch beim Aufsaugen des Makrolon-Granulates von Vorteil. Denn die Maschinen und Anlagen werden teilweise mit Wasser gespült, damit zwischen den einzelnen abzupackenden Partien keine Vereinigungen entstehen. Somit sammeln sich die Kunststoff-Kügelchen im Vorabscheider und das Wasser im Sauger selbst. Die Kugeln werden anschließend recycelt und das Wasser über die werkseigene Kläranlage entsorgt. Der SPS 35 wurde für die Absaugung kleinerer Sauggutmengen entwickelt. Mit seinem kompakten Gehäuse eignet er sich besonders gut für den Einsatz auf beengtem Raum. Der stärkere SPS 250 saugt größere Mengen auf. Sein Vorabscheider fasst 60 l und der Sauger kann auch als „Dauerläufer“ direkt an Maschinen und Anlagen eingesetzt werden. Bei Chemion werden die Granulatreste getrennt gesammelt und an Covestro zurückgeführt. Ex-Sauger in der Granulatproduktion In einer anderen Chemion-Halle im Chemiepark Uerdingen wird ein weiterer Ruwac-Sauger für das Aufsaugen von Makrolon-Granulaten verwendet. Hier kommt ein Ex-Sauger vom Typ DS 2520 L-B1 zum Einsatz, der sich für das Aufnehmen trockener, brennbarer, nicht leitfähiger Stäube in den Zonen 21 und 22 eignet. Er wurde schon 2002 gebaut und eigentlich ist an dieser Stelle des Prozesses kein Ex-Sauger erforderlich. Aber Ruwac-Sauger sind extrem langlebig, und dieser kam früher in einem Bereich mit größerem Staubanfall zum Einsatz. Dort wird er nicht mehr gebraucht, deshalb stand er zur Verfügung und bewährt sich bei seiner neuen Aufgabe ebenso. Der Sauger ist nun an einer Abfüllanlage installiert, die 25-kg-Säcke füllt. Sollte Granulat neben das Gebinde fallen, wird es in einer großen Schale gesammelt. Die Saugschläuche saugen dann die Kugeln an, die mehrere Meter hoch gefördert werden und zunächst in ein Silo, später über eine Zellenradschleuse zurück in einen 900-kg- Sack gelangen. Hier werden die reinen Makrolon-Kugeln, die noch nicht den Boden berührt haben, also direkt wieder in die Transportkette zurückgeführt. www.ruwac.de VERFAHRENSTECHNIK 9/2016 37

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