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Verfahrenstechnik 9/2015

Verfahrenstechnik 9/2015

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alisiert werden. „Für Wellmann Anlagentechnik GmbH gilt immer die Devise, dass nur eine gute Zusammenarbeit aller beteiligten Firmen zum Gelingen eines Bauprojektes führen kann“, erklärt Gerhard Wellmann, Geschäftsführer Wellmann Engineering. Natives Öl aus geschälter Saat Gutes Zusammenspiel Kapazitätserhöhung in einer Ölmühle Carsten Hinnah Der Anlagenbau für eine Ölmühle steht vor spezifischen Herausforderungen. Denn das Verfahren ist im Prinzip seit 100 Jahren unverändert. Entscheidende Mehrwerte für eine erfolgreiche Produktion finden sich daher in den Details. In Ibbenbüren gewinnt die Teutoburger Ölmühle Raps-Kernöl. Eine rasante Erfolgsgeschichte, die erst in diesem Jahrtausend begann: Geschäftsführer Michael Raß trug im Jahr 2000 verschiedenen Ansprechpartnern in der Lebensmittelindustrie seine Idee der umweltfreundlichen Herstellung von unbehandeltem Raps-Kernöl aus geschälter Saat vor. Doch die hielten den Vorschlag für „großtechnisch nicht umsetzbar“, sagt der gebürtige Lengericher. Raß, promovierter Verfahrenstechniker, nahm den Bau daraufhin selbst in die Hand. 15 Jahre später ist die Teutoburger Ölmühle europäischer Marktführer für native, kaltgepresste Raps-Kernöle mit einem Marktanteil von über 50 % im klassischen Lebensmitteleinzelhandel und Bio-Fachhandel. Nach 13 Jahren organischem Wachstum Autor: Carsten Hinnah, Fachjournalist, Münster nahm er neben dem Verbrauchergeschäft auch die Belieferung von Industrie und Gastronomie ins Visier. Um die hierzu nötige Größe zu erreichen, bedurfte es einer veritablen Kapazitätserhöhung von 35 000 auf 135 000 t Saatverarbeitung jährlich inklusive Raffinationsanlage. Für dieses Vorhaben übernahm die Wellmann Anlagentechnik GmbH die Montage für den umfangreichen Rohrleitungsbau unter schwierigen Bedingungen: allen voran ein enges Zeitfenster. Aus einer Hand Wellmann mit Sitz im westfälischen Halle war bereits Partner bei der ersten Großerweiterung der Teutoburger Ölmühle im Jahr 2005. Auch bei der Erweiterung um 100 000 t Saatverarbeitung acht Jahre später zeichnete Wellmann für die intelligente Verknüpfung der Anlagentechnik der flüssigen Warenströme verantwortlich. „Alle Prozessschritte ab der Schneckenpresse bis hin zur Abfüllung − sei es in Flaschen oder in Großgebinden bis zum Tanklastzug − tragen die Handschrift von Wellmann Engineering“, sagt Raß. Die Prozesstechnik selbst stammt von der Harburg-Freudenberger Maschinenbau GmbH. Kurz nachdem die Inbetriebnahme abgeschlossen war, musste die Anlagenkapazität erneut erweitert werden. Innerhalb einer Stillstandzeit von nur knapp zwei Wochen wurden im Dreischichtbetrieb neue Pressen, Dekanter, Förderschnecken, Pumpen, Silos und Behälter installiert. Nur durch ein besonderes Zusammenspiel der einzelnen Gewerke (Dachdecker, Monteure, Schweißer, Elektriker) konnte dieser Umbau so erfolgreich re- Der Herstellungsprozess selbst folgt der traditionellen Machart, wie sie seit jeher in Ölmühlen genutzt wird − natürlich ergänzt um moderne Lösungen: Auf die patentierte und einzigartige Schälung folgt die separate zweistufige Pressung von Kernen und Schalen. Weil mit der Schale auch unerwünschte Substanzen wie Chlorophyll, Wachse und freie Fettsäuren vom Kern getrennt werden, ergibt sich ein naturreines Öl. Zusätzlich werden die Schneckenpressen während der Kaltpressung von außen gekühlt, sodass die gesunden Inhaltsstoffe, der feinnussige Geschmack und die goldgelbe Farbe des Öls erhalten bleiben. Gegenüber konventionellen Herstellungsmethoden verzichtet die Teutoburger Ölmühle dabei aus Nachhaltigkeitsgründen komplett auf eine Lösungsmittelextration. Nach der Pressung wird das restliche Öl also nicht mittels Hexan aus dem Presskuchen herausgewaschen, um die Ausbeute zu erhöhen. Bei dem Prozess würde sonst pro Tonne Verarbeitungskapazität bis zu 1 kg des umweltschädlichen Hexans entweichen. Nachhaltige Nutzung Gleichzeitig entsteht durch die getrennte Verarbeitung von Rapskernen und -schalen praktisch kein Abfall. Der Rapskern-Presskuchen besitzt einen hohen Proteingehalt und ist in der Futtermittelindustrie begehrt, um Sojaschrot aus Südamerika in den hiesigen Breiten als Viehfutter zu ersetzen. Auch hier spielt der Nachhaltigkeitsgedanke eine große Rolle: Denn neben dem hohen CO 2 - Ausstoß durch den Seetransport nach Europa stammt das südamerikanischen Sojaschrot überwiegend aus gentechnisch veränderten Sorten. Alle Öle, die nicht als kaltgepresste Varianten in der Flasche vermarktet werden, werden nach der Raffination der Lebensmittelindustrie als Mehrwertöle zur Verfügung gestellt und in Mayonnaisen, Salaten, Margarinen und ähnlichen Feinkostprodukten verarbeitet. Zurück zum Kernprodukt: Ist das Öl frisch gepresst, durchläuft es verschiedene Reinigungsstufen mit Dekantern und Filtrationsanlagen. Hierauf folgt eine weitere Aufbereitung mit Separatoren und Bleichapparaten, bis schließlich das in einer Desodorierkolonne konfektionierte fertige Produkt nach kurzer Lagerung abgefüllt werden kann. Durch optimierte, von Wellmann montierte Rohrleitungswege konnten dabei nicht nur Ver- 22 VERFAHRENSTECHNIK 9/2015

VERFAHREN UND ANLAGEN luste durch Spülchargen bei Produktwechseln minimiert werden. Indem geschickt verschaltet wurde, entfielen komplette Rohrleitungen von und zur Verladung, ohne die Flexibilität der Anlage zu beeinträchtigen. Stringente Trassenplanung Innerhalb der Prozessanlage wurde die Rohrleitungsführung nach einer stringenten Trassenplanung installiert. Der sonst übliche Wirrwarr an vermeintlich kürzesten Verbindungen zwischen Apparaten und Maschinen wurde so konsequent vermieden. Im Ergebnis steht damit eine hinreichende Bewegungsfreiheit für Service- und Wartungstätigkeiten ohne Unzugänglichkeiten und Stolperfallen. Und auch die sonst übliche „Verschmiertheit“ einer Ölmühle stellt sich nicht so leicht ein. Wenn es doch einmal nötig wird, kann problemlos gereinigt werden, da keine Rohrleitungen auf dem Boden verlegt wurden. Vielmehr wurden diese in Rohrtrassen gebündelt, klare Durchgänge und funktional getrennte Bereiche geschaffen. Die Montage von Raffination und Tanklager erfolgte von allen Beteiligten mit großer Routine, da schon in der alten Ölmühle diverse gemeinsame Erfahrungen bei der Teutoburger Ölmühle und Wellmann gesammelt wurden. Dabei besonders hervor- zuheben ist das Design und der Bau der Dämpfungsanlage im Jahr 2007. Diese Desodorierung wurde aus Platzgründen unkonventionell innerhalb einer bestehenden Entschleimungsanlage errichtet. Zudem zeichnet sie sich dadurch aus, dass bei dieser diskontinuierlichen Anlage fast der gesamte Wärme- bzw. Kältebedarf im Gegentausch und mittels Zwischenpufferung genutzt wird, sodass nur Wärmeverluste nach außen ersetzt werden müssen. Weiterhin wurden die Einbauten der Kolonnenböden speziell für diesen Apparat von Wellmann Engineering entwickelt und ausgelegt. Im Sumpfbereich konnte durch einfache zylindrische Einbauten und Siebböden ein optimaler Gegenstrom nach dem Mammutpumpenprinzip realisiert werden, der viel zum gelungenen Stoffaustausch beiträgt. Anfang Mai 2015 konnte die vorerst letzte Ausbaustufe und damit ein weiteres Kapitel der gemeinsamen Zusammenarbeit, in der beide Partner aneinander und miteinander gewachsen sind, abgeschlossen werden. Die Teutoburger Ölmühle kann ihre Position am Markt durch die erhöhte Kapazität weiter festigen. Wellmann Engineering konnte seine Leistungsfähigkeit bei Großmontageprojekten unter Beweis stellen. www.wellmann-engineering.eu VT-0915-KahlGroup_VT0114-KahlGroup 26.06.15 09:47 Seite 1 Geschäftsführer Dr. Michael Raß bei der Saatanlieferung Höchste Präzision bis ins kleinste Detail Flachmatrizenpressen ■ Wirtschaftliches Verfahren zum Kompaktieren und Pelletieren Walzenmühlen ■ Zerkleinerung von weichen, spröden bis zähharten Produkten Kontinuierliche Wirbelschichtverfahren ■ Trocknen ■ Agglomerieren ■ Granulieren ■ Coaten AMANDUS KA HL · NEUHAUS NEOTEC · SCHULE MÜHLENBAU Dieselstraße 5-9 · D - 21465 Reinbek/ Hamburg · Telefon: 040 7 27 71 0 · info@akahl.de www.akahl.de

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