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Verfahrenstechnik 7-8/2019

Verfahrenstechnik 7-8/2019

AKTUELLES I INTERVIEW

AKTUELLES I INTERVIEW Vom Schubkarren zum thermischen Apparatebau Will & Hahnenstein GmbH feiert 100-jähriges Bestehen In diesem Jahr feiert die Will & Hahnenstein GmbH ein besonderes Firmenjubiläum. Vor 100 Jahren als Handelsgesellschaft für Werkzeuge und Geräte gegründet, hat sich das Unternehmen zu einem weltweit erfolgreichen Spezialisten im thermischen Apparatebau entwickelt. Bereits seit über zwei Jahrzehnten ist Dipl.-Ing. Uwe Hahnenstein, ein Enkel des Firmengründers, in der Geschäftsführung und präsentiert damit geradezu klassisch ein erfolgreiches, mittelständisches Familienunternehmen. Herr Hahnenstein, nicht viele Unternehmen können ihren 100. Geburtstag feiern. Worauf sind Sie persönlich besonders stolz? Mich freut besonders jeden Tag, dass unsere Firma mit der eigenen Bodenständigkeit eines „alten“ Mittelständlers die Anforderungen und Herausforderungen der modernen Prozessindustrie mit ihren globalen Playern so gut erfüllen kann. Was hat sich am Produktspektrum und an der Firmenphilosophie in der langen Zeit verändert und was ist geblieben? Grundsätzlich sind wir der Philosophie eines am jeweiligen Bedarf des Kunden ausgerichteten Spezialanbieters treu geblieben. Im heute für uns wichtigsten Geschäftsfeld der thermischen Verfahrenstechnik konzipieren wir die maßgeschneiderte Lösung für den jeweiligen Anwendungsfall genauso wie mein Großvater in den 1920er-Jahren Sonder-Kippgeräte für Glasballone der noch jungen chemischen Industrie angeboten hat. Natürlich sind die Produkte wie Temperöfen oder Trocknungsstationen und selbst die einfacheren Wärmekammern heute in vielen Bereichen komplexer, die Steuerungen kompatibler, Dämmungen und Schweißkonstruktionen auf Basis genormter Qualität hochwertiger als vor 65 Jahren, als wir den ersten Fassheizer und die ersten Wärmeschränke (z. T. noch ohne Umluft) verkauft haben. Geblieben ist der Anspruch, die Veränderung von Stoffeigenschaften wie Viskosität, Feuchtegehalt, Oberflächenbeschaffenheit oder Bauteilfestigkeit durch abgestimmte thermische Behandlungsschritte definiert und energieeffizient zu erreichen. Was ist das Erfolgsgeheimnis Ihres Unternehmens? Kurze Informationswege und Mitdenken auf allen Ebenen. Dies ist eine perma- Geschäftsführer Uwe Hahnenstein ist der Enkel des Firmengründers 12 VERFAHRENSTECHNIK 7-8/2019

nente Leitlinie für alle in der Firma in alle Richtungen. Und was war Ihr größter persönlicher Erfolg? Der geglückte Einstieg und die gute Entwicklung nach der Übernahme der alleinigen Verantwortung als Geschäftsführer seit 1998. Und in den letzten Jahren war es die saubere Abwicklung von Groß ­ projekten für internationale Kunden. Wie gehen Sie mit den Themen Globalisierung und Digitalisierung um? Globale Geschäftsbeziehungen pflegt unsere Firma schon seit den 60er-Jahren. Dabei hat sich die Alleinstellung deutscher Maschinen und Apparate durch den Aufholprozess in vielen Ländern verändert. Heute müssen wir nicht nur die besten und effektivsten Maschinen anbieten, sondern diese auch noch zu einem günstigen Preis. Der Euro hat hier gerade für den deutschen Mittelstand im Export eine große Unterstützung entfaltet. Die Digitalisierung der Geschäftsprozesse bringt natürlich eine erhebliche Beschleunigung besonders in der Kommunikation und erlaubt bei unseren Apparaten über kompatible Steuerungen eine Vernetzung mit bisher nicht geahnten Vorteilen. Allerdings muss der Mensch hierbei die ordnende Übersicht behalten und die Beurteilung über Sinnvolles und nicht Sinnvolles täglich neu vornehmen. Was lesen wir über die Firma Will & Hahnenstein in zehn Jahren? Dass wir im kleinen Kreis den 110. Geburtstag gefeiert haben. (eli) Fotos: Will & Hahnenstein www.will-hahnenstein.de Firmengeschichte Die Gründer Adolf Hahnenstein und Otto Will begannen 1919 in Siegen mit dem Handel von Schubkarren, Hubwägen, leichten Kränen und anderen Transporthilfen. Doch schon die Glasballonkipper „Kippfix“ führten in den 30er-Jahren zur Chemieindustrie als wichtigem Kunden und zu einer seit 1936 ununterbrochenen Teilnahme an der Achema in Frankfurt. Die in vielen Herstellungsprozessen notwendige Viskositätsänderung von festen Rohstoffen wie Wachsen, Fetten, Vaseline etc. zur Verflüssigung, zum Abfüllen sowie zum Mischen, ermöglichte Will & Hahnenstein bereits in den 50er-Jahren mit Fassheizern und davon ausgehend mit immer größeren Wärmekammern für Fässer und Container sowie mit elektrisch beheizten Thermalöl-Schmelzbehältern. Neben der reinen Erwärmung sind heute Temperprozesse und Trocknungsaufgaben für zahlreiche Industrieanwendungen eine häufige Aufgabenstellung von Kunden aus dem gesamten Bereich der Prozessindustrie. Auch im Bereich des schonenden Aufschmelzens bei niedrigen Temperaturen und von außen bewegten Gebinden durch Dreheinrichtungen oder Rüttelplatten hat sich das Unternehmen einen Namen gemacht.

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