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Verfahrenstechnik 7-8/2017

Verfahrenstechnik 7-8/2017

VERFAHREN UND ANLAGEN I

VERFAHREN UND ANLAGEN I TITEL Ein Produkt – zwei Anlagen Herstellung und Transport von Säuglingsnahrung Säuglingsnahrung europäischer Hersteller genießt weltweit einen exzellenten Ruf. Besonders aus Asien steigt seit einigen Jahren die Nachfrage nach Milchpulver. Um den wachsenden Bedarf zu decken, hat ein internationaler Hersteller am Produktionsstandort in den Niederlanden seine Produktion mit zwei Anlagen erweitert. Autor: Pieter Vanneuville, Sales Manager Vital, Azo N.V., Antwerpen, Belgien

TITEL I VERFAHREN UND ANLAGEN Derselbe Produzent, dasselbe Endprodukt – und zwei auf den ersten Blick völlig unterschiedliche Produktionsanlagen: Die örtlichen Voraussetzungen am Standort in den Niederlanden machten die verschiedenen Anlagenkonzepte erforderlich. So ist eine Anlage horizontal aufgebaut, bei der zweiten Anlage sind dagegen alle Elemente vertikal, also übereinanderliegend zu einem Turm, angeordnet. Beiden gemeinsam ist jedoch die erstklassige Qualität, die sie bieten und produzieren. 2015 hat die erste von Azo geplante Anlage den Betrieb aufgenommen. Der Platz für ihren Aufbau war in vorgegebenen Grenzen von Beginn an definiert: Alle Komponenten mussten in einer bereits bestehenden Produktionshalle untergebracht werden. Eine Herausforderung für die Planer, denn die Deckenhöhe ist relativ niedrig. Die Lösung: Produktzugabe und Verarbeitung sind auf einer Ebene angesiedelt, auf einer Grundfläche von ca. 10 × 8 m 2 stehen Entleerstationen und Mischturm nebeneinander. Um den Mischturm zu integrieren, der eine Grundfläche von 6 × 8 m 2 und eine Höhe von ca. 25 m hat, wurde das Hallendach an einer Stelle geöffnet und das Gebäude an dieser Stelle nach oben erweitert. 01 Bei der horizontal angeordneten Anlage sind Produktzugabe und Verarbeitung auf einer Ebene angesiedelt Fahrerlose Transportsysteme Bei der horizontal aufgebauten Anlage kommt ein fahrerloses Transportsystem (FTS) zum Einsatz, das von Azo anhand der gegebenen örtlichen Bedingungen individuell zugeschnitten wird. Das FTS bringt zunächst die Big-Bags auf die Bereitstellungsebene oberhalb der Dosieranlage. Dort werden in den Entleerstationen die Inhalte der Big-Bags direkt in Wiegestationen zudosiert und anschließend an eine Saug-Impuls-Förderung und eine Azo Multiair Förderung übergeben. Die beiden Dichtstrom-Fördersysteme übernehmen den Transport auf die Mischvorlagebehälter, die zur Kontrolle der Zugabemenge ebenfalls mit elektromechanischen Wiegezellen ausgerüstet sind. Auch bei großen Chargen wird eine hohe Genauigkeit erzielt, kleinere Mengen werden grammgenau eingewogen und manuell über Einfülltrichter zugegeben. Ein Prozessleit- und Visualisierungssystem sowie die SPS steuern und überwachen die Gesamtanlage. Über eine ERP-Schnittstelle werden die Aufträge in Empfang genommen, abgearbeitet und zurück an das ERP-System vollständig dokumentiert. Schonende Förderung Entleerstation und Mischer sind bei dem horizontalen Konzept nebeneinander angeordnet. Hier besteht die größte Herausforderung darin, das sensible Produkt schonend und zerstörungsfrei in die Mischer zu fördern. Die Ansprüche der Verbraucher an Milchpulver für Säuglingsnahrung sind zurecht ausgesprochen hoch: Das Pulver soll sich zuhause beim Mischen mit warmem Wasser schnell und rückstandslos auflösen. Verantwortlich dafür sind Aufbau und Struktur der Milchpulverpartikel. Durch den Transport entsteht Reibung, sowohl innerhalb des Pulvers, als auch zwischen Pulver und den Förderleitungen selbst. Diese Reibung kann die Milchpulverstruktur zerstören – das wiederum beeinträchtigt die Wasserlöslichkeit und verursacht einen Qualitätsverlust. Bei den pneumatischen Dichtstromförderungen Saug-Impuls und Azo Multiair handelt es sich um produktschonende Förderungen mit sehr geringen Fördergeschwindigkeiten im Saug- als auch im Überdruckbetrieb. Hierbei wird die genau dosierte Menge Rohstoff über Abscheider und Siebmaschine dem Mischvorlagebehälter zugeführt. Erreichen herkömmliche Förderanlagen eine Geschwindigkeit von etwa 20 m/s, transportiert das von Azo entwickelte System das Milchpulver mit einer Geschwindigkeit von 2 bis 4 m/s. Das minimiert die Reibung und schützt das sensible Produkt. Diese Entschleunigung sichert dem Betreiber die erstklassige Qualität seiner Produkte, die ihn weltweit zu einem der wichtigsten Hersteller im Bereich Säuglingsnahrung gemacht hat. The sky is the limit Noch bevor die erste Anlage die Produktion aufgenommen hat, meldete der Kunde Bedarf an einer zweiten Linie zur Herstellung von Säuglingsnahrung an. Diese entstand gleich nebenan, unterscheidet sich aber in einigen Punkten von ihrer „Schwester“: Entleerstation und Mischer stehen VERFAHRENSTECHNIK 7-8/2017 11

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