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Verfahrenstechnik 6/2019

Verfahrenstechnik 6/2019

BETRIEBSTECHNIK

BETRIEBSTECHNIK Automatisierte Tankreinigung mit Roboter Für eine anstehende Demontage musste ein Naphta-Tank komplett entleert und gereinigt werden. Ein Roboter übernahm den mehrwöchigen Dauereinsatz und befreite den Tank von Feststoffen und Schlämmen. Erstmals hat Lobbe in Kooperation mit ST-Cleaning einen Roboter zur Tankreinigung im Werk Böhlen der Dow Olefinverbund GmbH in der Raffinerie Dow Standort Böhlen eingesetzt. Wie eine unbemannte Raumfahrt startet an einem nebligen Novembermorgen die Reinigung eines 40 000-m 3 -Tanks mittels Roboter. Es ist nicht der erste Tank, den Lobbe in Kooperation mit ST-Cleaning per Roboter reinigt. „Die Pilotprojekte sind abgeschlossen und der Ablauf ist jetzt optimiert“, sagt Bastian Spitzner, der bei der Anlieferung des Roboters vor Ort ist. „Die Aufbauarbeiten nehmen mehr Zeit in Anspruch, als bei der manuellen Reinigung, aber insgesamt ist eine unbemannte Tankreinigung schneller: Der Roboter wird nicht müde und kann 24 Stunden durcharbeiten, sieben Tage in der Woche“. Bei einer manuellen Reinigung, die außenluftunabhängig und mit Chemieschutz-Anzügen durchgeführt wird, müssen sich die Facharbeiter jede Stunde abwechseln. Ein Mehrschichtbetrieb würde da die personellen Kapazitäten stark strapazieren. Rückstandsfrei vor Renovierung 2002 zuletzt gereinigt. Naphtha ist eine leicht flüchtige Rohbenzin-Substanz. Feststoffe aus vorangehenden Verarbeitungsschritten und aus der Lagerung selbst sammelt sich dort, derzeit dürften dies um die 1 000 t sein. Da der Tank komplett renoviert werden soll – das Dach wird später ausgetauscht, die Böden erneuert – muss er geleert und von Rückständen befreit werden. Dazu wurde zunächst die gasförmige Atmosphäre im Tank abgesaugt, durch Frischluft ersetzt und die noch vorhandenen Reste abgefackelt. Erst, wenn die Konzentration von Schadstoffen ein Mindestmaß gemäß den Vorschriften erreicht hat, kann das Mannloch geöffnet werden, um von dort aus eine Schleuse in den äußeren Bereich zu errichten. Durch diese Schleuse soll der Roboter in den Tank einfahren. Per Joystick zu steuern Autorin: Sabine Günther, Public Relations, Lobbe Industrieservice GmbH & Co KG, Iserlohn Der Naphtha-Tank auf dem Böhlener Gelände der Dow, ein Behälter mit 52 m im Durchmesser, wurde 1996 errichtet und Seit einigen Monaten kooperiert Lobbe Industrieservice mit dem Unternehmen ST-Cleaning, um weitere Arbeitsprozesse so 46 VERFAHRENSTECHNIK 6/2019

BETRIEBSTECHNIK 01 02 stark wie möglich zu automatisieren. Mehr Automatisierung bedeutet zugleich eine höhere Arbeitssicherheit, da Facharbeiter nicht mehr direkt im gefährdenden Bereich tätig sind. Bei der Dow in Böhlen werden nach und nach die Komponenten aufgebaut. Neben dem eigentlichen Roboter wird ein Container für die Steuerung eingerichtet, Gaswäscher, Saugfahrzeuge und Hydraulikantriebe installiert. Die Absaug-Schläuche müssen mit dem Roboter verbunden werden, ebenso eine Wasserzuleitung, damit der fest gewordene Schlamm im Inneren aufgespritzt und absaugfähig gemacht werden kann. Auch die drei LED-beleuchteten Kameras werden vorab installiert. Der Roboter selbst ist so klein, dass er durch ein mindestens 60 cm im Durchmesser großes Mannloch in den Tank eingefahren werden kann. Allerdings erst dann, wenn eine Fläche von rund 2 × 2 m am Eingang gesäubert und von Resten befreit wurde. Der Roboter wiegt ca. 500 kg und die Ketten des Antriebs sind magnetisch. So hält sich der Roboter am metallischen Tankboden fest, vorausgesetzt, an der Einstiegsstelle ist der Boden bereits gereinigt. Ist der Roboter im Inneren des Tanks, fahren seine Kameras und die Hebelarme aus. Jetzt kann die Navigation im eigens dazu eingerichteten Container starten. Mittels Joystick können Fahrtrichtung und Geschwindigkeit eingestellt werden. Der Kontrolleur sieht auf dem Monitor ein Übersichtsbild sowie das vordere und hintere Ende des Roboters. Damit kann auch verhindert werden, dass sich in den Schläuchen Schlaufen bilden. Der Reinigungsroboter ist für Atex Zone 0 zertifiziert und wird aus einem Atex-zertifizierten mobilen Kontrollraum kontrolliert. Egal ob Rohöltank, Produkttanks, Abwassertanks, Abwasserbecken oder ähnliches, für jedes Anliegen ist ST-Cleaning flexibel gerüstet. Atmosphäre mit Frischluft ausgetauscht, die restlichen Gase abgefackelt und das Mannloch zur Schleuse geöffnet. Nach dem Ausfahren des Roboters wird dieser komplett demontiert und gereinigt – damit ist er bereit für die nächste, unbemannte Tankfahrt. Die Feinreinigung nach dem Einsatz des Roboters wird manuell erfolgen, da Rinnen, Rohre, Anschlussstücke und Bauelemente, die hervorstehen, nicht vom Roboter erfasst werden können. „Mit verhältnismäßig geringem Personaleinsatz haben wir den entsprechenden Behälter in rund 30 Arbeitstagen gereinigt. Bei den Standard-Verfahren hätten diese Arbeiten erheblich länger gedauert“, so Spitzner. Und auch der Kunde ist zufrieden: Künftig wird Dow verstärkt auf automatisierte Verfahren zurückgreifen. Lobbe hat für Dow eine Komplettlösung erarbeitet: Die Planung der gesamten Reinigungs- und Entsorgungsarbeiten werden in einen Zeitplan erfasst und immer wieder den realen Bedingungen angepasst. Lobbe 03 01 Ein Naphtha-Tank musste komplett von Rückständen befreit werden 02 Die Absaug-Schläuche werden mit dem Roboter verbunden; der fest gewordene Schlamm im Tankinneren kann so absaugfähig gemacht werden 03 Nach dem Ausfahren des Roboters wird dieser komplett demontiert und gereinigt hat das Konzept mit Frischluftzufuhr, Gaswäscher, Entsorgungscontainern entwickelt und vor Ort umgesetzt. Zudem ist Lobbe für die gesamte Einrichtung der Baustelle auf dem Gelände verantwortlich, das Aufstellen der Container, die ausreichende Verfügbarkeit von Schläuchen, die Probenbereitstellung des abgesaugten Materials und die Entsorgung der Reststoffe. Fotos: Lobbe www.lobbe.de Nach 30 Schichten fertig Nach rund 30 Arbeitsschichten ist die Arbeit des Roboters beendet. Wieder wird die VERFAHRENSTECHNIK 6/2019 47

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