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Verfahrenstechnik 6/2018

Verfahrenstechnik 6/2018

KOMPONENTEN UND SYSTEME

KOMPONENTEN UND SYSTEME I TITEL Wirtschaftlich muss sein Gebläse schaffen Verbindung zwischen Biogasanlage und Molkerei Eine Molkerei nutzt Biogas, um Strom und Wärme zu erzeugen. Wirtschaftlich wird dieser Verbund aus Biogasanlage und Molkerei durch den Einsatz von Gebläsen, die das Gas mit dem erforderlichen Druck und der notwendigen Verfügbarkeit fördern. Autor: Thorsten Sienk, freier Fachredakteur, Bodenwerder Das passt zusammen: Kühe liefern Milch, die eine Molkerei gleich vor Ort weiterverarbeitet. Die Gülle wiederum fließt – ebenfalls vor Ort – in eine Biogasanlage, das Gas wird dann per Rohrleitung zur Molkerei gefördert, um dort mit BHKWs Strom und Wärme zu erzeugen. Die Energie deckt dabei einen Teil des Grundlastbedarfs des Milchverarbeiters. Das, was am Ende als Gärrest übrig bleibt, kommt schließlich als Düngemittel mit hoher Stickstoffverfügbarkeit zurück in die Landwirtschaft – ohne die bekannten Probleme bei der Ausbringung von Rohgülle auf die Felder. Der Blick über die Grenze nach Dänemark zeigt, wie wirtschaftlich sich so ein Verbund gestalten lässt – letztlich auch durch effiziente Gebläsetechnik für den Gastransport. Dänemark tritt bei der Energiewende ordentlich aufs Gas. Bis 2020 wollen die Dänen ihren Bruttoenergieverbrauch – trotz angestrebten Wirtschaftswachstums – um 12 % gegenüber 2006 senken. Ein weiteres Ziel: Bis 2050 den eigenen Strom- und Wärmebedarf komplett aus erneuerbarer Energie decken, um sich damit von fossilen Brennstoffen dauerhaft unabhängig zu machen. Und wenn Dänemark „Gas gibt“, dann gilt dies buchstäblich. Das kleine Königreich steht mit mehr als 80 Biogasanlagen ganz vorne im Europa-Ranking. Während in Deutschland darüber diskutiert wird, wie nachhaltig es ist, eigens angebaute Silage „zu verheizen“, stillt in Dänemark vor allem Rinder- und Schweinegülle den Hunger der 28 VERFAHRENSTECHNIK 6/2018

TITEL I KOMPONENTEN UND SYSTEME 01 Ein Verbund aus Drehkolbengebläsen vom Typ Delta Blower übernimmt die Gasversorgung; die Verdichterstufen sind mit Blick auf Standardisierung alle gleich Bakterien in den Fermentern. In einer erst kürzlich erweiterten Anlage in Herning vergären sie zudem nach der Pasteurisierung auch Schlachtabfälle und aus Norwegen per Schiff angelandete Fischabfälle. Energie aus Gülle 650 t Gülle fließen zudem täglich in die insgesamt vier Fermentertürme der Herning Bioenergi A/S, die mit ihren Volumen von 2 × 3 500 und 2 × 8 000 m 3 Biogas erzeugen. Das Gas besteht im Durchschnitt zu knapp 70 % aus Methan, der Rest ist überwiegend Kohlendioxid. Anders als in vielen deutschen Biogasanlagen gibt es am Standort in Herning keine Verstromung durch Blockheizkraftwerke. Das Biogas wird auch nicht gesondert aufbereitet, um es ins Erdgasnetz einzuspeisen. Herning Bioenergi hat vielmehr zwei große Direktabnehmer – und die gehören zu Arla Foods, einem globalen Molkereiunternehmen im Genossenschaftsbesitz von mehr als 13 500 Milch bauern aus Schweden, Dänemark, Deutschland, Großbritannien, Belgien, Luxemburg und den Niederlanden. Die Biogasanlage in Herning ist über eine 21 km lange Gasleitung mit dem ersten Betrieb in Naviro verbunden. Von dort aus gibt es eine weitere 6 km lange Leitung zum Arla-Produktionsstandort in Videbæk. Erst an diesen beiden Produktionsstandorten verbrennen insgesamt drei Blockheizkraftwerke (BHKW) das Biogas. Die dabei erzeugte elektrische Energie wird vor Ort genauso für die Grundlastversorgung verwendet wie die Wärme. Auch wenn alle drei BHKWs mit ihrer Kraft-Wärme-Kopplung eine Leistung von ca. 3 MW erreichen: Der Bedarf der beiden milchverarbeitenden Betriebe ist um ein Vielfaches höher. „Weil die Grundlast so hoch ist und wir daran nur einen kleinen Anteil haben, können wir sicher sein, dass das Biogas auch wirklich gebraucht wird“, erklärt Olav Hald, Betriebsleiter der Biogasanlagen in Herning. Diese Abnahmesicherheit schafft die Basis für einen kontinuierlichen Betrieb mit optimalen biologischen Prozessen. Das erzeugte Biogas wird vorrangig verbraucht und fossile Brennstoffe wie Erdgas lassen sich dann produktionsabhängig beziehen. Der passende Druck Gefördert wird das Biogas von Herning aus mit Gebläsen von der Firma Aerzen: Drei Delta Blower vom Typ GM35 S (Maximaldaten je 1 900 m³/h, bei 1 000 mbar mit 90 kW Antrieb). Für die aktuelle Anwendung erfolgt die Förderung mit einer mittleren Druck- VERFAHRENSTECHNIK 6/2018 29

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