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Verfahrenstechnik 6/2016

Verfahrenstechnik 6/2016

BETRIEBSTECHNIK Nicht

BETRIEBSTECHNIK Nicht nur für den Notfall Unerwünschte Flüssigkeitsverluste sicher und umweltgerecht aufnehmen Thomas Kräser Ein bekanntes Szenario in der Produktion: alle Sicherheits- Maßnahmen sind getroffen, um Leckagen oder Flüssigkeitsaustritten beim Umgang mit Gefahrstoffen zeitnah beizukommen. Tropfverluste beim Um- und Abfüllen, Flüssigkeitsaustritte bei Wartung und Reparaturen lassen sich trotzdem nicht vollständig vermeiden. Daher gehören sogenannte Öl- und Chemikalienbinder zum betrieblichen Alltag. Autor: Thomas Kräser, Produktmanager, Denios AG, Bad Oeynhausen Gesetze und Verordnungen, so z. B. die TRGS 510, machen die Bereithaltung von Mitteln zur Gefahrenabwehr verbindlich. Und damit fängt das Problem an: es wird eine schier unendliche Vielfalt an verschiedenen Granulaten zum Binden von Flüssigkeiten angeboten. Hinzu kommen seit einiger Zeit vermehrt die modernen Bindevliese, die meistens wesentlich besser für die Nutzung in Industrie und Werkstatt geeignet sind als Ölbindegranulate. Für Nichtfachleute ist es ausgesprochen schwierig und zeitaufwändig, sich im riesigen Angebot zurecht zu finden und die geeigneten Materialien für den eigenen Betrieb auszuwählen. Unterscheiden sollte man zudem zwischen Notfall-Mitteln, die zur Eindämmung von Unfällen bereitgestellt sein sollten, und Verbrauchsmaterialien, die im Arbeitsalltag ständig benötigt werden. Schließlich fordert nicht nur die DGUV (Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung), dass potenzielle Gefahren – dazu gehören verschüttete Flüssigkeiten im Betrieb ohne Zweifel – umgehend zu beseitigen sind. Hersteller wie Denios, die auf Handling und Lagerung von Gefahrstoffen spezialisiert sind, legen viel Wert darauf, dass Kunden nicht nur das richtige Produkt erwerben, sondern sich auch über dessen Anwendung im Klaren sind. Die meisten Anbieter beschränken sich auf wenige Produkte. Traditionell sind dies aus Mineralgestein hergestellte Granulate. Moderne Anforderungen an Sicherheit, Umweltschutz und – nicht ganz unwichtig – Wirtschaftlichkeit erfordern jedoch eine größere Auswahl an geeigneten Bindemitteln. Trotz vieler Bemühungen seitens der Hersteller, moderne Aufsaug-Materialien in Granulatform anzubieten, bleibt der relativ hohe Aufwand für die Ausbringung, das Aufnehmen und Entsorgen. Letzteres ist auch ein spürbarer finanzieller Aufwand: schließlich wird gebrauchtes Bindematerial als Schadstoff (mit den Eigenschaften der aufgenommenen Flüssigkeit) behandelt. Bindevliese als Alternative zum Granulat Moderne Bindevliese sind meist aus Polypropylen im sogenannten Meltblown-Verfahren hergestellt. Sie sind als technische Textilien in ähnlicher Form, z. B. als industrielle Filtermatten, bereits bekannt. Diese Bindevliese können ein Vielfaches ihres Eigengewichts als Flüssigkeit aufnehmen und binden. Daher sind auch die Entsorgungskosten nach der Aufnahme eines Schadstoffs wesentlich geringer als bei herkömmlichen Granulaten, denn sowohl Gewicht als auch zu entsorgendes Volumen sind signifikant kleiner. Als alternativer Werkstoff zum genannten Polypropylen kann auch Zellulose, insbesondere auch als Recyclingmaterial, zum Einsatz kommen. Auch bei diesem Material steht dem Anwender eine sehr hohe Aufnahmefähigkeit für nahezu alle Flüssigkeiten zur Verfügung. Als gute Alternative für die Aufnahme von nicht aggressiven Flüssigkeiten besteht 46 VERFAHRENSTECHNIK 6/2016

01 Hydrophobes Material eignet sich für die Aufnahme von Kohlenwasserstoffen auf Gewässern T +49 2961 7405-0 info@rembe.de 02 Besonders strapazierfähige Bindevliese finden als großflächig ausgelegte Rollenware ihre Anwendung für Lauf- und Fahrwege, um diese gleich von vornherein vor verschütteten Flüssigkeiten zu schützen Made in Germany durch den Einsatz solcher Bindevliese die Möglichkeit, die Umweltbilanz des Unternehmens zu optimieren – z. B. für die ISO 14001. Die Handhabung und die Effizienz sind ebenfalls hervorzuheben. Die Aufsauggeschwindigkeit ist beispielsweise sehr hoch, sodass bei der Beseitigung von ausgelaufenen Flüssigkeiten im Produktionsbereich weniger Arbeitsausfall zu verzeichnen ist. Für jede Anwendung das richtige Vlies Wie auch bei den Granulaten finden sich bei den Bindevliesen diverse, speziell auf die jeweilige Anwendung abgestimmte Materialien. Zunächst unterscheidet man zwischen drei Grundeignungen: universell einsetzbare Bindevliese mit der Bezeichnung „universal“ sind hydrophil, nehmen jede Art von Flüssigkeit auf und sind nicht schwimmfähig. Diese sind für den Einsatz im Gebäude, also z. B. in der Produktion, bestens geeignet. „Öl“ bzw. „oil-only“ genanntes Material ist hydrophob und nimmt flüssige Kohlenwasserstoffe, also Öl, Diesel, Heizöl, Benzin etc., auf und stößt Wasser ab. Damit ist es gut im Freien einsetzbar, wenn Regenwasser nicht mit aufgenommen werden soll. Produkte für die Aufnahme von Kohlenwasserstoffen auf Gewässern basieren ebenfalls auf diesem Prinzip und eignen sich zum Gewässerschutz. Als dritte Variante sind Chemikalienbinder unter Bezeichnungen wie „spezial“ oder „Hazmat“ verfügbar. Sie zeichnen sich durch ihre auffällige gelbe Warnfarbe aus, nehmen als hydrophile Bindemittel gut sichtbar alle Arten von Flüssigkeiten auf und sind äußerst beständig gegen Säuren und Laugen. Leckagemanagement mit Format Ein wichtiger Vorteil der Bindevliese ist ihre Vielfältigkeit. Für nahezu jeden denkbaren Einsatzfall steht das passende Format zur Verfügung. Neben Matten und Rollenware, die es, je nach gewünschter Aufnahmekapazität, in verschiedenen Materialstärken gibt, sind auch Kissen für die Aufnahme von größeren Mengen, Schlangen zum Eindämmen von Leckagen und Barrieren für den Einsatz auf dem Wasser verfügbar. Darüber hinaus erleichtern spezielle Zuschnitte, z. B. als Fassauflage für die Ab- bzw. Umfüllung, den betrieblichen Alltag. Besonders strapazierfähige Bindevliese finden als großflächig ausgelegte Rollen ware ihre Anwendung für Lauf- und Fahrwege, um diese gleich von vornherein vor verschütteten Flüssigkeiten zu schützen. Besonders dünne Materialien eignen sich als saugstarkes Reinigungstuch mit sehr guter Haltbarkeit. Vollsortimenter wie Denios bieten auch verschiedene Qualitätsstufen der Bindevliese in Rollen- und Mattenform an. Das „normale“ Material ist sehr aufnahmefähig für Flüssigkeiten und besonders strapazierfähig, also reißfest. Für bestimmte Anwendungen ist es allerdings erforderlich, dass das Material darüber hinaus extrem belastbar und vor allem fusselarm ist. Um das zu erreichen, wird ein dreilagiges Material eingesetzt, bei dem als Deckschicht oben und unten ein besonders fusselarmes, sehr dünnes Vlies aufgebracht wird. www.denios.de © REMBE | All rights reserved Ihr Spezialist für EXPLOSIONSSCHUTZ und DRUCKENTLASTUNG Consulting. Engineering. Products. Service. Gallbergweg 21 | 59929 Brilon, Deutschland F +49 2961 50714 | www.rembe.de

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