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Verfahrenstechnik 6/2015

Verfahrenstechnik 6/2015

Das Engineering in der

Das Engineering in der Verfahrenstechnik unterliegt ganz besonderen Herausforderungen: Massendaten- Handling, immer wieder Anlagen- Umbauten, aufwändige Ausschreibungsprozesse, 3-D-Anbindung oder die Kopplung zum Leitsystem. Um diesen Ansprüchen gerecht zu werden, wurde eine kooperative, datenbankbasierte Lösung entwickelt, die sich in den vergangenen Jahren in vielen Großprojekten durchgesetzt hat. Gefragt wie nie Kooperatives Engineering punktet bei Anwendern in der Prozessindustrie Prozessleittechnische Projekte sind gekennzeichnet durch eine Vielzahl von Daten z. B. aus Hunderten von Messstellen und Tausenden Geräten, die in einer Anlage verbaut sein können. Das A und O ihrer Projektierung ist es, dabei den professionellen Überblick zu behalten. Zudem gilt es, Massendaten gezielt abzuarbeiten und die Abstimmung zwischen den Gewerken und den zahlreichen an der Planung beteiligten Fachleuten optimal zu koordinieren. Vorgaben der Prozessindustrie Ob Grundstoff-, chemische und verarbeitende Industrie oder Energieerzeugung: Der Planungsablauf startet jeweils mit einem Anlagenkonzept, z. B. in Form von Fließbildern oder eines Hallen- bzw. Übersichtsplanes. Darin werden alle Informationen gesammelt, die Gewerke-übergreifend die weitere Planung bestimmen – sowohl in der Verfahrenstechnik, der Elektro- und Automatisierungstechnik als auch für das Leitsystem. Dafür ist jedoch ein durchgängiges, integriertes Datenkonzept notwendig, das Änderungen – auch aus ganz verschiedenen Welten – zentral erfasst und allen Beteiligten immer aktuell bereitstellt. So wäre auch eine bidirektionale Kopplung zur 3-D-Planung effizient machbar, allerdings mit enormem Synergie-Potenzial. Umbauplanung und Wartungsarbeiten sind eine weitere Herausforderung. Mit einer inhomogenen Tool-Landschaft ist eine zuverlässige As-built-Dokumentation nicht effizient leistbar, und selbst ein enormer Aufwand gewährleistet keine Konsistenz bei der späteren Zusammenführung der Daten. Übersichtlich und kooperativ Die Lösung für diese Engineering-Anforderungen bietet ein virtuelles Anlagenmodell, das EMR- und Elektrotechnik vereint – auf gemeinsamer Datenbasis, mit steter Konsistenz der verschiedenen Sichten bei einmaliger Dateneingabe. Die Aucotec AG hat das in ihrer datenbankbasierten Software-Plattform Engineering Base (EB) umgesetzt. Ein Fokus bei der Entwicklung war, auch für hochkomplexe Anforderungen eine einfache, übersichtliche und sichere Handhabung zu bieten. Laut dem Systemhaus bestätigen Kunden immer wieder, dass das gelungen ist. Die Mehrschicht-Architektur und nach oben offene Skalierbarkeit von EB schaffen eine außergewöhnliche Offenheit für Integrationen und Anbindungen jeder Art, für jede Unternehmens-IT und jeden Workflow, über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Dabei sorgt ein besonderes Änderungsmanagement mit spezieller Tracking-Funktion für stets transparente Übersicht. Sämtliche Planungsschritte deckt EB disziplinübergreifend und kooperativ ab – ob erste Anlagenkonzeption und -kalkulation, R&I-Erstellung, Gerätespezifikation oder Belegung und Verdrahtung von Maschinenund Anlagenteilen. Anlagen, zentrale Einrichtungen oder Betriebsmittel lassen sich in beliebiger hierarchischer Tiefe strukturieren, noch bevor grafische Detail-Darstellungen existieren. Auch das schafft einen außergewöhnlichen Überblick. Zudem lässt sich an den Objekten rein tabellarisch arbeiten – bei Massendaten- Handling ein wichtiges Plus. Für schnellere Auftragsabwicklung, besonders bei der Neuund Umbauplanung, sorgt das typical-orientierte Vorgehen des Systems: Standardvorlagen mit Varianten, Optionen und Dimensionierungen beschleunigen die Detaillierung der Messstellen inklusive der grafischen Pläne immens. Alle Geräte, Kabel und I/Os des Leitsystems werden anhand der Anlagenstruktur automatisch zugeordnet. Von der wochensparenden Ausschreibungs-Unterstützung mit dem EB-Tendering Manager über die enge Anbindung an Leitsysteme von ABB, Emerson oder Siemens bis zur Kopplung mit allen gängigen 3-D-Systemen arbeiten alle Beteiligten im Entstehungsprozess einer Anlage direkt mit den Informationen der anderen Disziplinen – auch an verschiedenen Standorten. Und 74 VERFAHRENSTECHNIK 6/2015

ACHEMA I MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN Herr Imbusch, warum sollte ein Prozessingenieur beim Thema Engineering die datenbankbasierte Lösung von Aucotec einsetzen? Der Grund dafür liegt insbesondere beim Engineering komplexer prozesstechnischer Anlagen auf der Hand: Dort müssen Prozessingenieure täglich mit riesigen Datenmengen jonglieren. Und Engineering Base zeigt ihnen auf einzigartig transparente Weise, wie Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen oder Lieferanten konsistent und hocheffizient gelingt. Kooperativ, intuitiv, schnell, workflowunterstützend sind nur einige Begriffe, die unser System charakterisieren. Die Integrationsfähigkeit, das einfache Anbinden an andere Engineering-Tools ist ein weiterer Punkt, der das System auszeichnet. Ein Beispiel dafür ist die enge Vernetzung mit den Leitsystemen. Engineering Base kann in einem Projekt auch verschiedene Leitsysteme integrieren, es unterstützt die Datenübergabe bis hin zur Erstellung des Programmcodes. Wir hören es von den Anwendern immer wieder: „Seitdem ich mit Engineering Base arbeite, macht die Arbeit wieder richtig Spaß.“ Solche Aussagen machen uns schon ein bisschen stolz. Können Sie zwei oder drei Großprojekte skizzieren, in denen Ihre Engineering- Lösung bereits zum Einsatz kommt? Engineering Base deckt das gesamte Funktionsspektrum ab: vom konzeptionellen Design über Process Design, Basic und Detail Engineering, Process Automation bis hin zum Bereich Maintenance. Unsere Kunden verwenden unterschiedliche Bereiche, je nach Aufgabenstellung und Workflowanforderung. Bei RWE- Power beispielsweise beginnt der Workflow im Process Design – dem Erstellen der P&IDs – und endet im Maintenance der Kraftwerke. RWE stellt seinen Zulieferern eine komplette Datenumgebung zur Verfügung, inklusive Engineering-Vorlagen und Dokumentation der Handhabung dieser Daten. Für den Zulieferer ist das ein Rundum-sorglos-Paket. Der Workflow bei Südzucker und Nordzucker reicht ebenfalls vom P&ID bis zum Maintenance. Bei Ineos in Köln stehen das Basic und Detail Engineering sowie Maintenance mit As-built-Funktionalität im Vordergrund. Aus dem Bereich Minerals Processing kommt der Anlagenbetreiber Holcim in Lägerdorf. Hier beginnt der Workflow zum Teil sogar schon im Ausschreibungsprozess (Tendering) und reicht bis zu Wartung und Service, wobei auch mobile Geräte eingesetzt werden. Eine Besonderheit ist hier die sehr tiefe Integration zum Leitsystem PCS7 von Siemens. An diesen Beispielen sieht man, dass die Bandbreite der kooperativen Engineering-Plattform eine wesentliche Rolle im Einsatz beim Kunden spielt. Die Firma Aucotec hat ihren 30. Geburtstag gefeiert. Wo sehen Sie das Thema Engineering in den nächsten 30 Jahren? Ich glaube nicht, dass es möglich ist, so weit in die Zukunft des Engineerings zu schauen. Denken Sie nur einmal 30 Jahre zurück. Der Computer steckte mit 640 kB Speicherkapazität noch in den Kinderschuhen, ein Rechner-Arbeitsplatz kostete um die 70 000 DM, Handys gab es so gut wie nicht, Tablets und mobile Geräte allenfalls im Raumschiff Martin Imbusch, Produktmanager, Aucotec AG, Hannover Enterprise. Niemand konnte damals ahnen, was sich in den folgenden 30 Jahren entwickeln würde. Wir sehen aber für die nähere Zukunft, in spätestens drei bis fünf Jahren etwa, das Engineering als mobile Webbasierte und dezentrale Lösung. Kleine Applikationen (Apps), die sich über einen Web-Service mit dem digitalen Anlagenmodell des Engineering Tools verbinden und die geforderten Daten – grafisch und alphanummerisch – laden, verändern und wieder speichern. Natürlich denken wir auch über die erwähnten fünf Jahre hinaus. Die rasanten Innovationszyklen haben uns schon bei der Idee für Engineering Base dazu bewogen, das System so zukunftsoffen wie möglich zu konzipieren, und die Rechnung geht auf. Eine vor kurzem abgeschlossene Studie hat uns bescheinigt, dass die Plattform in ihrem heutigen Stand noch die nächsten 20 Jahre tragfähig ist für neue, auch ungeahnte Entwicklungen. Zulieferer-Daten lassen sich einbinden, ohne dass das entsprechende Autorenwerkzeug angeschafft werden muss. Sämtliche Informationen eines Projektes stehen – anders als z. B. in herkömmlichen EDM- Systemen – intelligent vernetzt, navigierfähig und bearbeitbar zur Verfügung. Mit diesen Eigenschaften und Funktionalitäten hat das System insbesondere in der prozesstechnischen Industrie in den vergangenen Jahren deutlich punkten können. (eli) Halle 9.2, Stand B12 www.aucotec.com

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