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Verfahrenstechnik 5/2017

Verfahrenstechnik 5/2017

Geschmäcker sind

Geschmäcker sind verschieden Chargieren leicht gemacht Pfiffige Anlagentechnik auf engstem Raum untergebracht – das ist der Anspruch, dem ein Förder- und Dosiersystem zur Beschickung mit einer Vielzahl unterschiedlichster Komponenten entspricht. Autor: Hansjürg Emde, Leiter Vertrieb, Emde Industrie-Technik GmbH, Nassau schaft erfüllen – nein, es sind oftmals Hunderte an Kleinkomponenten, die den Produktmischungen zugesetzt werden müssen. In herkömmlichen Mischanlagen mit einer zentralen Zusammenführung aller Komponenten auf eine zentrale Waage oberhalb eines Mischers o. ä. ist normalerweise kein Freiraum mehr, um weitere Komponentendosierungen unterbringen zu können. Schon hier beginnen die Überlegungen zu Alternativlösungen zum sicheren Chargieren und staubfreien Zuführen von Rohstoffen in einen Mischprozess. Komplexere Aufgaben können nur über ein neues Konzept gelöst werden, zu dem das Batchbin-Chargiersystem die optimale Lösung bietet. Neben dem Vorteil einer modularen Bauweise können Komponenten sehr flexibel über Labin-Dosierbehälter mit integrierter Dosierschnecke jederzeit ausgewechselt werden. Spätere Erweiterungen der Komponentenanzahl sind durch die Integration weiterer Klein- oder Mikrokomponentensilos und eine entsprechende Ergänzung der Fördertechnik für den Shuttle-Transport Das Chargieren von oftmals über hundert Komponenten zu einer Vielzahl an Rezepten ist heute immer mehr zu einer logistischen und innerbetrieblichen „Herkulesaufgabe“ geworden. Es sind eben nicht mehr nur „Salz und Pfeffer“, die den individuellen Geschmack und die unterschiedlichsten Produktanforderungen der Kundjederzeit gegeben. Eine „wachsende“ Anlage passt sich individuell der Geschäfts- und Produktentwicklung an und bietet die Möglichkeit, mit einer zukunftsweisenden Lösung zur Komponenten-Chargierung auch für Neuanlagen schon frühzeitig zu starten. Anpassungsfähig und sicher Neben diesen Vorteilen eines äußerst flexiblen Anlagenaufbaus und Erweiterungsmöglichkeiten des Batchbin-Chargiersystems ist ein sicheres und kontaminationsfreies Schüttgut-Handling ein entscheidender Vorteil dieses Anlagenkonzepts. Aufwändige und oft kostenintensive Fördertechnik für den Schüttgut-Transport über längere Strecken wird vermieden. Diese Aufgabe übernimmt das Shuttle – ein mit Rollenbahnen sicher transportierbarer Chargierbehälter, in den die einzelnen Komponenten rezeptgesteuert eindosiert werden. Intelligente Lösungen stellen ein staubfreies Beschicken und Entleeren des Shuttles in den Füll- und Entleerpositionen sicher. 22 VERFAHRENSTECHNIK 5/2017

SCHÜTTGUTTECHNIK I TOP-THEMA Selbst schwierigste Produkte, die sehr schlechte Fließeigenschaften aufweisen und oft stark zu Brückenbildung neigen, werden sicher ausgetragen. Eine polierte Oberfläche des Edelstahlkonus und Austragshilfen wie Klopfer bzw. Fluidisationskonen aus Kunststoff-Sintermaterial bis hin zu flexiblen Gummikonen stellen diese unverzichtbaren Anforderungen sicher. Rollenförderer übernehmen den Horizontaltransport des Shuttles; Überhebungen in der Vertikalen werden über einen Lift- Robotower realisiert. Aus diesem Robotower können die Shuttles in allen vier Ausfahrrichtungen auf unterschiedlichen Ebenen direkt auf Anschluss-Rollenbahnen ausgefahren werden. Die rezepturgesteuerte Dosierung aller Groß-, Klein- und Mikro-Komponenten wird überwiegend mit Schneckendosierungen, aber auch mit Dosierrohren oder -rinnen realisiert. Mikro-Komponenten, die im Grammbereich dosiert werden müssen, werden über gravimetrisch kontrollierte Dosierschnecken eingetragen. Die weiteren Komponenten werden in der Regel direkt in den Shuttle hinein dosiert. Eine in der Fördertechnik integrierte Waage steuert vorgeschaltete Förderschnecken oder -rinnen. Diese flexible Anlagentechnik ist der ideale Systemaufbau für eine auftragsbezogene Fertigung auch von kleineren Batches. Kundenaufträge werden direkt über das ERP- System der Anlagensteuerung übergeben und entsprechend zeitnah abgearbeitet. Vorhandene Rezepturverwaltungen werden genutzt oder in das Prozess-Leitsystem übernommen. Höchste Flexibilität und kürzeste Reaktionszeiten sind das Erfolgsrezept zur langfristigen Kundenbindung. Staubarme Beschickung Ein bekannter Dispersionsfarbenproduzent in Deutschland – Firma Brillux in Münster – hat sich für eine Modernisierung der kompletten Mischerei nicht zuletzt auch wegen eines sehr kompakten Anlagenaufbaus für ein Batchbin-Chargiersystem entschieden und betreibt dieses seit einigen Monaten zur staubarmen Beschickung von fünf Dissolvern. Auf einer Grundfläche von nur ca. 0 × 10 m können bis zu 23 Komponenten in fünf Stück gleichzeitig im Umlauf befindliche Shuttles hinein chargiert und anschließend über Zellenradschleusen dosiert in die Die Shuttles sind mit Fluidisationskonen ausgerüstet, mit denen ein sicherer und nahezu rückstandsfreier Produktaustrag aus dem Shuttle heraus gewährleistet ist auf einer unteren Ebene angeordneten Dissolver hinein eingetragen werden. Produktfamilien werden über die unterschiedlichen Shuttles sauber getrennt. Kontaminationen sind somit weitgehend ausgeschlossen. Die Hauptkomponentensilos werden über pneumatische Fördertechnik von außen stehenden Großsilos nachgefüllt; Komponenten mit geringeren Durchsatzleistungen werden auf einer Nachfüllebene oberhalb der Dosierebene aus Big- Bags bzw. Sackware in Kleinkomponentensilos hinein entleert. Hierfür wird eine mobile Big-Bag-Entleerstation bzw. eine Sackschütte auf der Nachfüllebene mit einem Handhubwagen über das jeweils zu beschickende Kleinkomponentensilo verfahren und staubfrei angedockt. Durch eine Identifikation über ein Barcode-Lesegerät wird der Produktweg freigegeben. Mit einem im Stahlbau integrierten Brückenkran werden die Big-Bags auf die positionierte Entleerstation aufgesetzt und entleert. Die über das Produkt- Verwaltungssystem angeforderten Produktpaletten werden über einen Lastenaufzug zeitnah auf die Nachfüllebene gebracht. Präzise Dosierung Zu Schichtwechsel erfolgt dann üblicherweise eine Beschickung der Kleinkomponentensilos. Durch eine Erweiterung der Anlage können auch Wechsel-Dosierbehälter – sogenannte Labins – in die Anlage eingebracht werden. Eine aufwändige komplette Reinigung von Kleinkomponentensilos wird so vermieden. Diese Labin- Dosierbehälter werden ebenfalls über den Brückenkran auf der Nachfüllebene eingehoben. Die in den Labins eingebaute Dosierschnecke trägt die zu dosierenden Komponenten über eine in der Wechselstation integrierte Waage grammgenau aus. Die Shuttles sind mit Fluidisationskonen ausgerüstet, mit denen ein sicherer und nahezu rückstandsfreier Produktaustrag aus dem Shuttle heraus gewährleistet ist. Druckluft als auch Steuersignale werden über eine automatische Steckverbindung in der Entleerposition an das Shuttle übergeben. Während des Shuttle-Transports über Rollenbahnen ist das Shuttle einlaufseitig sicher über Halbschalenklappen verschlossen, die ein Herausstauben von Produkten verhindern. Beim Beschicken des Shuttles wird dieses aspiriert. Im Shuttle ist ein Fluidisationskonus aus Kunststoff- Sintermaterial eingebaut, über den die Produktcharge weitgehend rückstandsfrei ausgetragen wird. Selbst leicht anhaftende Produkte und stark brückenbildende Materialien lassen sich hierüber fluidisieren und gut entleeren. Ein kundenseitiges PLS-System steuert den Gesamtprozess; vor Ort ist lediglich die Laststeuerung für die Anlagentechnik vorgesehen. Über Bedienpanel auf den einzelnen Ebenen kann der gesamte Prozess kontrolliert und im Handbetrieb gesteuert werden. Halle 4, Stand D02 www.emde.de Schüttgüter pneumatisch fördern Seit 45 Jahren die Spezialisten für: kohäsive, abrasive, empfindliche, heiße, feuchte und natürlich auch „problemlose“ Schüttgüter Wir haben die Lösung! www.solids.de Tel: 08191- 3359-0 info@solids-systems.de Solids.indd 1 18.10.2016 13:11:24 VERFAHRENSTECHNIK 5/2017 23

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