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Verfahrenstechnik 5/2017

Verfahrenstechnik 5/2017

TOP-THEMA I

TOP-THEMA I SCHÜTTGUTTECHNIK Schnell in der Luft Fördern mit horizontal und vertikal fahrenden Behälterwagen Speziell für die Beschickung von Mischern und den schonenden Abtransport der gemischten Charge wurde eine Systemlösung entwickelt, die weltweit von vielen Mischer-Herstellern in ihrer Anlagenkonzeptionen erfolgreich eingesetzt wird. Autor: Jan Sebastian Loh, Vertrieb, Huning Anlagenbau GmbH & Co. KG, Melle Insbesondere die Förderung biologisch, chemisch oder farblich kontaminationsgefährdeter Zusatzstoffe in räumlich entfernte Mischer bereitet Anlagenplanern und Betreibern häufig Probleme. Konventionelle Fördermittel, wie z. B. Elevatoren, Schnecken oder pneumatische Förderer versagen dort, wo ein nahezu verschleppungsfreier Transport unabdingbar ist und bereits kleinste Restmengen den Gesamtprozess infrage stellen. Im ländlichen Melle bei Osnabrück werden bei Huning Anlagenbau, ein Firmenzweig der Huning Unternehmensgruppe, Maschinen für die Schüttgut-, Biogas- und Schlammtechnik konstruiert und gefertigt. Der mittelständische Betrieb mit etwa 260 Mitarbeitern am Standort Melle baut und vertreibt Dosierer und Lagerbehälter, Schneckenwege und Zerkleinerer für unterschiedliche Anwendungsbereiche. Ein weiteres Standbein ist der Vertrieb von Überhebeeinrichtungen für rieselfähige Schüttgüter – hier kommt der „Quicklift“ ins Spiel. Der Quicklift, eine Art Güteraufzug, besteht im Wesentlichen aus einem drehbar gelagerten Hubmast und einem in der Höhe verfahrbaren Schüttgutbehälter. Die Drehbewegung um die vertikale Achse wird über einen Drehkranz mit Kettentrieb und einen Getriebemotor realisiert. Das Heben der Behälter erfolgt über einen, nach statischen Erfordernissen ausgelegten Kettenantrieb samt frequenzgeregeltem Getriebemotor. Je nach Hub-Position werden unterschiedliche Geschwindigkeiten gefahren, um ein exaktes Andocken, aber auch um eine möglichst geringe Taktzeit zu gewährleisten. Staubfreie Übergabe Ein häufiger Einsatzfall ist das Dosieren von Additiven in einen höher gelegenen Mischer. Über ein Dosierorgan, z. B. eine Mikrokomponentenwaage, werden definierte Mengen eines Additivs an einer Andockstation in den Transportbehälter gefüllt. Die Befüllung erfolgt durch eine flexible Andockvorrichtung nahezu staubfrei. Der vollständig geschlossene Behälter schwenkt danach in die Hubposition und durchläuft während des Hubes beliebig viele Etagen bis er die gewünschte Produktaufgabeebene erreicht hat. Durch eine Programmsteuerung sind beliebige Zugabestopps ebenso wie in der Gradzahl versetzte, unterschiedliche Deckendurchtritte möglich, um eventuelle Hindernisse zu umfahren. In der Produktionsebene schwenkt der Behälter auf eine flexible Andockstation, die z. B. über einem 20 VERFAHRENSTECHNIK 5/2017

Mischer angeordnet ist. Nach der Öffnung des Verschlusssystems fließt das Produkt aus dem elektropolierten Behälter in den nachfolgenden Anlagenteil. Um eine restlose Leerung zu garantieren, wird hier oft mit Austragshilfen, wie z. B. Rüttlern, gearbeitet. Optional ist eine Ausführung des Behälters als Kontrollwaage möglich, um die vollständige Entleerung grammgenau zu überwachen. Wieder verschlossen, fährt der Behälter zum Ausgangspunkt zurück. Aufgrund des ausgereiften, modularen Baukastensystems lassen sich mehrere Befüll- und Abgabestationen, horizontale wie vertikale Wege sowie unterschiedlichste Leistungen von wenigen Kilogramm/Stunde bis hin zu vielen Tonnen/ Stunde problemlos realisieren. Der Quicklift wird speziell an den Kundenwunsch angepasst, ob mit standardmäßigen, fest angebrachten Behältern, mit Wechselcontainern oder auch entkoppelten Behältern mit Schienenfahrwerk. Seit Jahren im Einsatz Ein überzeugter und langjähriger Quicklift- Kunde ist der Spezialfutterhersteller Miavit aus Essen/Oldenburg. Der damalige Inhaber und Begründer des Familienunternehmens war es, der den Anstoß zur Fertigung des ersten Quicklifts im Jahre 1990 lieferte und mit der Anfrage eines Behälteraufzuges an die Firma Heitling (heute Huning) herantrat. Dieser Behälteraufzug sollte von einer unteren Aufgabestelle Produkte in einen 15 m höher gelegenen Mischer abgeben. Zusammen mit der Konstruktionsabteilung wurde ein Konzept entwickelt und später verwirklicht; der Behälter mit der Drehund Hebevorrichtung bekam den Namen Quicklift. Heute liefert Miavit Spezialfuttermittel, Produkte für den PET-Food Bereich, kundenspezifische Vormischungen für die Lebensmittelindustrie und vieles mehr in über 70 Länder. Im Werk I wurde 1991 der erste Quicklift in Betrieb genommen und leistet dort bis heute gute Arbeit. Zuerst stand die nahezu kontaminationsfreie Förderung im Vordergrund, doch schnell stellte sich heraus, dass im Vergleich zu einer vorhanden, pneumatischen Förderanlage die Betriebskosten wesentlich geringer waren. Berechnungen der Firma Miavit ergaben, dass die pneumatische Förderung mehr als die doppelten Energiekosten pro Tonne Fördergut erfordert. Wo bei pneumatischen Förderleitungen erheblicher Verschleiß in den Rohrbögen oder in den Zellenradschleusen auftritt und ständige Ausbesserungsarbeiten anstehen, fährt der Quicklift mit seiner einfachen und robusten Technik weiter. Auch die Kosten für die Abluftfilterung und der damit verbundene Arbeitsaufwand fallen weg. Das ständig wachsende Unternehmen Miavit errichtete 1994 ein zweites Werk und setzte auch hier einen Quicklift mit 1,5 t 01 Horizontal und vertikal fahrender Behälterwagen in einem Werk in Frankreich 02 Quicklift von 2004 in 23,8 m Höhe beim Schwenken zur Entladestelle bei Miavit Nutzlast ein, 2004 wurde wieder erweitert und ein dritter Quicklift mit 23,8 m Hubhöhe und 2,0 t Nutzlast wurde in Betrieb genommen. Letzterer fährt im Dreischichtbetrieb und bewegt täglich mit einer Taktzeit von etwa 5 min ca. 140 t Kraftfutter und Additive pro Tag. Halle 7, Stand T28 www.huning-anlagenbau.de

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