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Verfahrenstechnik 5/2015

Verfahrenstechnik 5/2015

Kontinuierlicher

Kontinuierlicher Austausch Mit systematischen Anlagenoptimierungen das Beste für Kunden und Dienstleister erreichen Jochen Hammermeister Je mehr Reparaturen, desto besser für den technischen Dienstleister? Das gilt nicht für den technischen Service von Evonik Industries, der die technischen Dienstleistungen für die Chemie-Einheiten des Konzerns sowie für externe Kunden – von der Montage über die Instandhaltung bis zur Revision – erbringt. Denn hier wurde mit Servicepartnerschaften ein Modell entwickelt, das den Nutzen sowohl für Kunden als auch für den Dienstleister optimiert. Autor: Jochen Hammermeister, Asset Management Methoden, Evonik Industries AG, Marl technische Service von Evonik – als Profitcenter aufgestellt – soll auch Gewinn erzielen und sich am Markt messen – schließlich ist er auch für externe Kunden da. Kunden wollen hingegen ihr Instandhaltungsbudget gering halten. Dieser Zielkonflikt wird bei Evonik mit dem Modell der Servicepartnerschaften gelöst, die sowohl mit internen als auch mit externen Kunden geschlossen werden. Dabei verabreden Kunden und Dienstleister gemeinsame Ziele. In erster Linie betrifft dies die nachhaltige Sicherung der Anlagenverfügbarkeit – ein für die Produktion kritischer Erfolgsfaktor. Die Einhaltung der Budgets wird durch die Bündelung von prozessorientierten Servicepaketen wie „Pumpenservice“ oder „Inspektion und Wartung“ unterstützt. Die Abrechnung von Einzelleistungen verliert dabei zunehmend an Bedeutung. Zur Sicherung der Anlagenverfügbarkeit bedient sich der technische Service von Evonik beispielsweise der Risk-Based-Maintenanceme, nächste Rechnung. Dieses Modell kommt für den technischen Service von Evonik nicht infrage. Mit der Bündelung von Infrastrukturservices – darunter auch technische Dienstleistungen – für die größten Standorte stand man im Konzern vor der Herausforderung, die Interessen verschiedener Einheiten in Einklang zu bringen und dabei das für den Konzern beste Ergebnis zu erzielen. Der In einem chemischen Betrieb fällt eine Pumpe aus, der technische Dienstleister wird alarmiert. Die Pumpe wird repariert und die Rechnung für die Reparatur beglichen. Fall erledigt – nächste Instandsetzungsmaßnah- 54 VERFAHRENSTECHNIK 5/2015

BETRIEBSTECHNIK Methode inklusive Equipment Improvement und hat hierfür eine standardisierte Herangehensweise entwickelt. So sollen die Anlagenverfügbarkeit hoch und die Instandhaltungskosten niedrig gehalten werden. „Uns geht es um mehr als das bloße Erbringen von Dienstleistungen. Wir verstehen uns als Partner unserer Kunden und versuchen, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und auszuschöpfen – natürlich gemeinsam und im kontinuierlichen Austausch“, erläutert Dr. Götz Lauschke, Leiter des technischen Die Acrylsäureanlage in Marl Seit Ende 1991 produziert Evonik Acrylsäure in Marl. Acrylsäure ist der Hauptrohstoff zur Herstellung von Superabsorbern, ein wichtiger Bestandteil von Babywindeln. Jede vierte Windel auf der Welt verdankt ihre Saugkraft den Superabsorbern von Evonik. In der Marler Anlage werden seit mehr als 20 Jahren neben der Acrylsäure für die Superabsorber-Produktion auch Acrylate hergestellt. Im Laufe der Zeit ist die Acrylsäure-Anlage zu einer der größten Anlagen weltweit gewachsen. Über ein Joint Venture mit Dow Chemical stellt Evonik die globale Versorgung mit dem Produkt Acrylsäure sicher. Service von Evonik. „Das gilt sowohl für interne als auch externe Kunden.“ Erhöhung der Anlagenverfügbarkeit Eine der Methoden, derer sich der echnische Service von Evonik bedient, um die Anlagenverfügbarkeit kostengünstig zu optimieren, ist die dreiphasige Risk-Based- Maintenance-Methode (RBM-Methode). Nach Zusammentragen aller Daten in der Phase 1 werden in der Phase 2 unter Nutzung einer Risikomatrix aufwandsarm kritische Anlageneinzelteile identifiziert, deren Ausfallrisiko mithilfe von Risikoklassen quantifiziert und in einer Risikorankingliste dargestellt. In der anschließenden Phase 3 werden für die Equipments mit dem höchsten Ausfallrisiko (sog. „bad actors“) detaillierte Betrachtungen durchgeführt und Maßnahmenpläne entwickelt. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Anwendung der RBM-Methode ist die verfügbarkeitskritische Teilanlage „Reststoffverbrennung“ der Acrylsäureanlage von Evonik im Chemiepark Marl. Im Sinne der Servicepartnerschaft mit dem Anlagenbetreiber, dem Segment Nutrition & Care von Evonik, wurde die Analyse in Teams durchgeführt, die sowohl Technik-Experten als auch Experten der Produktion beinhalteten. Während die Produktionsvertreter den Fokus eher auf Betriebseinschränkungen legten, setzten die Techniker den Schwerpunkt eher auf Ausfalldauer und Reparaturkosten. Insgesamt wurden im Rahmen der „RBM- Phase 2“ rund 800 Assets wie Pumpen, Verdichter und Sicherheitseinrichtungen gemeinsam bewertet. Die Teams ermittelten auf Basis von Ausfalldaten und von Erfah- rungswerten die Risikokosten, die sich aus Produktionsausfall-, Reparatur- und Wiederinbetriebnahmekosten zusammensetzen. Im Ergebnis wurde deutlich, dass wie erwartet nur ein kleiner Teil der Assets das wesentliche Ausfallrisiko (das insgesamt jedoch sehr niedrig ist) repräsentiert. In der aktuell noch laufenden „RBM-Phase 3“ werden die „bad actors“ in den Fokus gerückt. Dabei betrachtet ein Equipment Improvement Team detailliert die Funktion einzelner Bauteile dieser Equipments, die Ursachen denkbarer Funktionsstörungen sowie mögliche Vorbeugungsmaßnahmen. Im Team werden dann auch die umzusetzenden Instandhaltungsmaßnahmen beschlossen. Betriebsleiter Dr. Jürgen Mosler lobt das methodische Vorgehen: „Wir haben durch eine gute Vorbereitung der Teamsitzungen den Aufwand der Risikoeinstufung in der Phase 2 für unsere Produktionsmannschaft sehr gering halten können.“ Mosler weiter: „Wir optimieren unsere Anlage kontinuierlich. Dennoch konnten wir schon in den ersten Phase-3-Sitzungen mit dieser Methode weiteres Verbesserungspotenzial finden und den Nutzen sehr einfach quantifizieren.“ Das Team der Acrylsäureanlage hat zum Beispiel sehr leicht die Wirtschaftlichkeit einer Filterschnellwechseleinrichtung darstellen können. Die in Kürze durchzuführende Investition wird sich schnell rechnen, da die Risikokosten dadurch signifikant gesenkt werden können. Asset Management nach ISO 55000 Die klassische Instandsetzung macht beim technischen Service also nur einen Teil des Geschäfts aus. Zunehmend setzen die Experten auf präventive Analysen, um Verbesserungspotenzial zu erarbeiten. Dem „Asset Management“ auf Basis der ISO 55000 kommt hierbei eine große Bedeutung zu. „Unter Asset Management verstehen wir unter anderem, im Rahmen von Servicepartnerschaften die Anlagenverfügbarkeit bei Hochkonjunktur ohne Budgetüberschreitung so hoch wie möglich zu halten und in ruhigeren Zeiten die Instandhaltungsaufwendungen zu minimieren. Von gemeinsamen, systematischen Optimierungen profitieren alle Beteiligten“, betont Lauschke abschließend. www.evonik.de RAUM- UND LAGERCONTAINER F L A D A F I ® Q U A L I T Ä T MEHRZWECK- & TOILETTENBOXEN MATERIAL- & LAGERCONTAINER RAUM- & SANITÄRCONTAINER 700 WEITERE ARTIKEL KATALOG-DOWNLOAD: WWW.SAEBU.DE SÄBU Morsbach GmbH | Tel.: 02294 694-0 | Internet: www.saebu.de | E-Mail: fladafi-vt@saebu.de SÄBU.indd 1 02.04.2015 15:06:45 VERFAHRENSTECHNIK 5/2015 55

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