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Verfahrenstechnik 4/2017

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VERFAHRENSTECHNIK IM

VERFAHRENSTECHNIK IM ALLTAG I SERIE Der Zahn der Zeit Neue bioabbaubare Mulchfolien und Geotextilien in Entwicklung In zwei Projekten wollen Teams aus Forschung und Wirtschaft neue Mulchfolien und Geotextilien aus biobasierten Polymeren und Naturfasern entwickeln, bei denen der Abbau genau zum richtigen Zeitpunkt einsetzt. Die Mulchfolien sind für die Landwirtschaft, die Geotextilien für Akteure im Wasserbau interessant. Biologisch abbaubare Mulchfolien gibt es bereits seit einigen Jahren auf dem Markt. Wie die konventionellen Folien aus Polyethylen setzen Landwirte sie vor allem im Gemüse- und Erdbeeranbau ein, um den Boden unkrautfrei zu halten. Der große Vorteil der biobasierten Variante: Sie soll direkt auf dem Acker verrotten und dem Landwirt das mühsame Wieder-Einsammeln ersparen. In der Praxis findet der Abbau allerdings oft Autorin: Nicole Paul, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V., Gülzow-Prüzen nicht im gewünschten Zeitraum statt und der Bauer muss die Folie dann doch manuell entfernen. Deshalb haben sich bioabbaubare Mulchfolien bislang kaum durchgesetzt, zumal ihr Preis beim etwa Dreifachen des konventionellen Produktes liegt. Die Hochschule Hof will nun mit drei Partnern biobasierte und abbaubare Mulchfolien entwickeln, die sich nach genau definierten Zeiträumen – angepasst an die Anbauzeitspannen verschiedener Kulturen – tatsächlich zersetzen. So ist u. a. eine Erdbeer-Folie geplant, die nach 1,5 Jahren mit der Zersetzung beginnt. Auslöser für den Abbau soll der vermehrte Bodenkontakt durch Unterpflügen sein. In einem Folgeprojekt wollen die Forscher außerdem eine Düngeschicht in die aus mehreren Schichten aufgebauten Folien integrieren, erste Vorarbeiten dazu laufen in dem jetzigen Projekt. Viele Kandidaten Für die neuartigen Compounds testen die Forscher biobasierte Polymere wie Stärke, Polylactid (PLA), Polycaprolacton (PCL), Polyhydroxyalkanoate (PHA), Polybutylenadipatterephthalat (PBAT) und Polybutylensuccinat (PBS). Die Zeit des biologischen Abbaus wollen sie durch Kombination von schneller und langsamer abbaubaren Materialien steuern. Ein Entwickler-Team vom Fraunhofer-Institut Umsicht will mit vier Partnern Geotextilien als Filter für eine Uferbefestigung an Wasserstraßen unter Verwendung von Pflanzen entwickeln. Auch bei diesem Produkt spielt der Abbau im richtigen Zeitraum eine wichtige Rolle. Die neuen Geotextilien können zur Etablierung naturnäherer Ufersicherungen als Alternative zu den technischen Schüttsteindeckwerken eingesetzt werden. Sie dienen dem Erosionsschutz während der kritischen Anfangszeit, in der sich die Pflanzen und insbesondere deren Wurzeln erst entwickeln müssen. Dabei sollen sich die verschiedenen Komponenten des Textils in unterschiedlicher Geschwindigkeit zersetzen: Die schnell abbaubaren Naturfasern schaffen Wuchskanäle für Wurzeln. Langsamer abbauende biobasierte Polymerfasern sollen die Bodensicherung über einen Zeitraum von mindestens drei Jahren gewährleisten, bis die Vegetation die Aufgabe der Befestigung allein übernimmt. Die Forscher wollen für die neuen Geotextilfilter vor allem eine Mischung aus verschiedenen Naturfasern und künstlichen Fasern in einem Geotextilfilter zusammenführen und testen. Foto: Maranso (18164179, www.fotolia.de) www.fnr.de 58 VERFAHRENSTECHNIK 4/2017

VORSCHAU IM NÄCHSTEN HEFT: 5/2017 ERSCHEINUNGSTERMIN: 28. 04. 2017 • ANZEIGENSCHLUSS: 11. 04. 2017 01 02 04 01 Ein neues, unkompliziertes Belüftungssystem gewährleistet zuverlässig die Einhaltung von Einleitparametern bei Abwasser 02 Bei Tieftemperaturanwendungen wird mithilfe von Schraubenkompressoren das sogenannte Boil-off-Gas, das unvermeidlich durch Verdampfung entsteht, effektiv genutzt 03 03 Sicherheitskomponenten, die gezielt alle für den Anwender benötigten Baumusterprüfungen aufweisen, erleichtern die Planung in der Prozessindustrie ungemein 04 Eine dezentrale CIP-Reinigung wird bei der Herstellung von Lebensmitteln eingesetzt, um die gesamte Produktionsanlage inklusive Tanks und Rohrsysteme in Zyklen zu reinigen (Änderungen aus aktuellem Anlass vorbehalten) Der direkte Weg Internet: www.verfahrenstechnik.de E-Paper: www.engineering-news.net Redaktion: redaktion@verfahrenstechnik.de VERFAHRENSTECHNIK 4/2017 59

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