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Verfahrenstechnik 4/2016

Verfahrenstechnik 4/2016

TOP-THEMA I POWTECH

TOP-THEMA I POWTECH Sinnvolle Investition Konstruktiver Explosionsschutz sorgt für sichere Herstellung von Granulaten und Pulvern Rudi Post Löschpulver und eine Anlagenentkopplung bieten mehr Sicherheit in der Wasch- und Reinigungsmittelproduktion. S eit über 15 Jahren agiert die Inprotec AG in Heitersheim im Bereich der Granulation, Trocknung und des Anlagen-Engineerings. Zum Hauptaufgabengebiet des Unternehmens gehört die Lohnherstellung von hochwertigen Pulvern und Granulaten, Autor: Rudi Post, Geschäftsführer, IEP Technologies GmbH, Ratingen die durch eine spezielle, kontinuierliche Wirbelschicht granulation und Sprühtrocknung gewonnen werden. Im Zuge dessen wurden bislang mehr als 2500 verschiedene Ausgangsstoffe und Zwischenprodukte verarbeitet. Zu jedem Zeitpunkt nehmen die Faktoren Sicherheit und Hygiene einen sehr hohen Stellenwert ein, seit der Firmengründung im Jahr 1999 setzt die Aktiengesellschaft in Sachen Explosionsschutz auf die Experten der IEP Technologies GmbH. Risiko minimieren Ein Großteil der Kunden von Inprotec ist auf dem Gebiet der Waschmittel- und Reinigungsmittelproduktion tätig. Mit der Lohn verarbeitung werden in diesem Segment die notwendigen pulverförmigen Zu- sätze geliefert, damit ein qualitativ einwandfreies Endprodukt entstehen kann. Zu diesem Zweck wird bei der Verarbeitung ein meist flüssiger Ausgangsstoff im Prozess der Wirbelschicht- und Sprühtrocknung behandelt. Das thermische Trocknungsverfahren der Wirbelschicht-Technologie, das häufig komplementär zur Sprühtrocknung zum Tragen kommt, basiert auf einer Feststoffschüttung, die von einem Wirbelmedium durchströmt wird. Dadurch werden die Partikel in einen fluidisierten Zustand versetzt und vermischen sich mit dem Wirbelmedium. Kernpunkt des Verfahrens ist die andauernde Trocknung bis zu einem definierten Feuchtegrad. Weitere Vorteile ergeben sich durch den sehr guten Wärme- und Stoffaustausch sowie die Verringerung der Überhitzungsgefahr – das Material behält so eine ideale Beschaffenheit. Letztendlich entstehen auf diese Weise die gewünschten Granulate oder Pulverpartikel, die Inprotec seinen Kunden anschließend zur Verfügung stellt. Doch überall dort, wo pulverförmige Materialien verarbeitet werden, kann eine explosionsfähige Atmosphäre aus Staub, Luft und einer Zündquelle entstehen. Passende Explosionsschutzmaßnahmen stellen hier einen entscheidenden Faktor dar, um dem Sicherheitsanspruch gerecht zu werden. Sämtliche Anlagen für die Lohnfertigung als auch die Auslieferanlagen werden mit Lösungen zugunsten eines konstruktiven Explosionsschutzes ausgestattet, um das Risiko so gering wie möglich zu halten. 01 An dieser Anlage zur Lohnherstellung von Pulver und Granulat ist ein Explosionsunterdrückungssystem angebracht

Herr Dr. Baranyai, Sie haben sich bei Ihrer Pulver- und Granulatherstellung für ein umfassendes Sicherheitskonzept entschieden? 02 Dr. Andreas Baranyai, CEO und Vorstandsmitglied der Inprotec AG, Heitersheim Ja, da wir pulverförmige Materialien verarbeiten, reicht – je nach Material – bereits eine elektrostatische Aufladung auf, um ein Explosionsereignis herbeizuführen. Passende Explosionsschutzmaßnahmen stellen hier einen entscheidenden Faktor dar, um dem Sicherheitsanspruch gerecht zu werden. An unseren Wirbelschichttrocknern und Filterbehältern haben wir uns für die Anbringung von Explosionsunterdrückungssystemen entschieden und setzen zusätzlich auf eine Entkopplung der Anlagenkomponenten mit Löschmittelsperren und Flammendetektoren. Mit dieser sinnvollen Produktkombination aus Explosionsunterdrückung und -entkopplung wird gleichermaßen der Sicherheit, der Wirtschaftlichkeit und Verfügbarkeit der Produktionsanlage sowie dem Wohl der Mitarbeiter voll und ganz Rechnung getragen. Hat sich diese Investition denn bereits bezahlt gemacht? Vor einiger Zeit kam es zu einer Staubexplosion, aber die IEP-Technologies-Systeme haben unmittelbar reagiert und Schlimmeres verhindert. Die Unterdrückung sowie das Herunterfahren der betroffenen Anlage erfolgten hier absolut planmäßig. Anschließend untersuchten einige Mitarbeiter den Behälter und entdeckten Schmauchspuren im Granulator. Ohne entsprechenden Anlagenschutz wären die Folgen fatal gewesen, würden die Sicherheitsvorkehrungen vernachlässigt, könnte es zu kapitalen Schäden kommen. Insofern haben sich die Investitionen auf jeden Fall gelohnt. Und was können Sie über Ihren Explosionsschutz-Partner sagen? Für uns war es von Beginn an keine Frage, dass wir im Zuge unserer Dienstleistung eine sichere und hochverfügbare Produktion anbieten wollten. Wir hielten Ausschau nach dem „Mercedes“ unter den Explosionsschutzexperten und sind bei unserer Suche damals auf Kidde Explosionsschutz gestoßen – seitdem besteht die Kooperation, die selbstredend auch mit IEP Technologies weitergeführt wurde. Wir haben diese Entscheidung aufgrund der hohen Qualität der Lösungen bis heute nicht bereut. Der Einbau erfolgte immer reibungslos und auch unsere Mitarbeiter wurden mit einbezogen und hinsichtlich der Lösungen geschult. Damit auch in Zukunft ein hohes Maß an Sicherheit gewährleistet werden kann, bestehen Wartungsverträge, die eine regelmäßige Überprüfung und damit einhergehend eine kontinuierliche Funktionsfähigkeit der Maßnahmen sicherstellen. Hohes Schutzlevel Das Funktionsprinzip der Schutzlösung basiert auf der sofortigen Löschung der aufkommenden Explosion. Dazu wurden spezielle Druckdetektoren an den Anlagen angebracht, deren Position exakt bestimmt wurde. Auch die Positionierung der Löschmittel behälter bedurfte einer genauen Aus legung. Im Ernstfall erkennt der Detektor innerhalb von Sekundenbruchteilen den ansteigenden Druck im Behälter. Unmittelbar folgt der Vorgang der Explosionsunterdrückung, indem die Löschmittelbehälter angesteuert und deren Öffnung ausgelöst wird. Das darin enthaltene Löschpulver wird in den betroffenen Behälter eingeblasen und die Explosion gestoppt. Und weil Inprotec zusätzlich auf eine Entkopplung der Anlagenkomponenten setzt, kommen an den Verbindungsrohrleitungen Löschmittelsperren von IEP Technologies zum Einsatz, die die Möglichkeit einer Ausbreitung der Explosion in benachbarte Anlagenteile erheblich reduzieren. Gestützt wird diese Maßnahme durch Flammendetektoren, die den jeweiligen in der Rohrleitung integrierten Löschmittelbehälter auslösen. Die Wahrscheinlichkeit einer Sekundärexplosion schrumpft somit auf ein Minimum. Halle 1, Stand 319 Fotos: Fotolia, IEP Technologies www.ieptechnologies.com VERFAHRENSTECHNIK 4/2016 31 WAM.indd 1 24.03.2016 15:13:25

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