Aufrufe
vor 10 Monaten

Verfahrenstechnik 4/2016

Verfahrenstechnik 4/2016

TOP-THEMA I POWTECH

TOP-THEMA I POWTECH Richtig sieben Hochleistungs-Siebanlagen zur Produktion von hochwertigem Trockenmörtel Thorsten Middelhof Bei der Herstellung von Trockenmörtel stellen die schwankende Korngrößenverteilung des gebrochenen Kalksteins sowie seine Tendenz, sich im Siebgewebe fest zusetzen, große Herausforderungen bei der Siebung dar. Effiziente und flexible Anlagen können dem entgegenwirken. Autor: Dipl.-Ing. Thorsten Middelhof, Area Sales Manager, Rhewum GmbH, Remscheid Aufgrund der entsprechenden Referenzen erhielt Rhewum im Jahr 2011 den Auftrag des führenden thailändischen Trockenmörtelproduzenten, eine Siebanlage zur Klassierung von Kalkstein zu liefern. Die Siebanlage verfügt über fünf Trennschnitte von 2,36 mm hinunter bis zu 150 µm und ist für eine Jahresproduktion von 500 000 t Trockenmörtel ausgelegt. Im darauf folgenden Jahr wurde Rhewum erneut mit der Auslieferung einer Siebanlage beauftragt, die nun 1 Mio. t Trockenmörtel jährlich produziert. 2015 wurden zwei weitere Siebanlagen der gleichen Größe bestellt, die die Jahresproduktion des thailändischen Kunden im Laufe dieses Jahres von 5,5 Mio. auf 7,5 Mio. t Trockenmörtel steigern sollen. Diese beiden Siebanlagen trennen jeweils 365 t/h gebrochenen Kalkstein in sechs Fraktionen. Korn ab einer Größe von 2,36 mm wird zu den Brechern zurückgefördert. Die anderen fünf Fraktionen, die zur Produktion des Trockenmörtels verwendet werden, unterteilen sich in 1,18 bis 2,36 mm, 710 µm bis 1,18 mm, 500 bis 710 µm, 150 bis 500 µm sowie 0 bis 150 µm. Letztere Fraktion wird nochmals per Luftstrahlsichter in die Fraktionen 0 bis 90 µm und 90 bis 150 µm getrennt. Ein wesentlicher Grund für die Auswahl der Siebanlage war die Möglichkeit, das System oben auf den Silos zu platzieren. Dies hält die Baukosten wirtschaftlich, erfordert aber, dass die Siebmaschinen kaum dynamische Lasten in den Stahlbau übertragen. Durch das patentierte Antriebssystem mit direkt-erregtem Siebgewebe und statischem Gehäuse sind dynamische Lasten 20-mal niedriger als bei herkömmlichen Kreisoder Linearschwingern. Ein weiteres Argument für Rhewum war die Forderung nach einer hohen Produktqualität von mindestens 85 % in allen Fraktionen. Die effiziente Siebung von feinem Material (bis zu 150 µm) und hohen Durchsätzen erfordert eine präzise Einstellung aller Maschinenteile, die nur durch exakt arbeitende, hochqualitative Komponenten erreicht werden kann. Insbesondere die Schwingweite muss hierzu auf jedem Siebdeck individuell feinjustiert werden. Im Hinblick auf die schwankende Korngrößenverteilung des heterogenen Kalksteins muss die Amplitude schnell angepasst werden, da sich die Zusammensetzung des Aufgabematerials ständig ändert. Die Magnetschwingköpfe der WA-Siebmaschine erlauben es dem Kunden, die Schwingweite während der Produktion anzupassen, wohingegen dies bei Siebmaschinen mit Unwuchtmotoren nicht möglich ist. Effiziente Abreinigung Eine zusätzliche Herausforderung ist die Tendenz von gebrochenem Kalkstein, sich im Siebgewebe festzusetzen, wodurch die offene Siebfläche und somit der Durchsatz sowie die Produktqualität verringert werden. Die direkt-erregten Siebmaschinen des Typen WAU mit schnelldrehenden Unwuchtmotoren sowie des Typs WA mit hochfrequenten Magnetschwingköpfen verfügen beide über einen voreingestellten Abreinigungszyklus, der die Siebgewebe durch kurzzeitige automatische Erhöhung der Schwingweite sicher freihält. Dabei erreicht die WAU Beschleunigungen der Siebgewebe von bis zu 10 g, die WA sogar 15 g, um auch die feinen 150-µm-Maschen von feststeckenden Partikeln zu befreien. Der gebrochene Kalkstein wird über ein Becherwerk in die obenliegende, staubdicht verflanschte Hosenschurre gefördert. Die Hosenschurre verfügt über eine pneumatische Stellklappe, die den Materialstrom in der Standardeinstellung gleichmäßig in zwei Ströme auf die darunterliegenden Aufgaberinnen verteilt. Zu Wartungszwecken oder bei kurzzeitig verringerter Produktionsleistung kann der gesamte Stoffstrom auch nur zu einer der beiden Aufgaberinnen geleitet werden. Die beiden Rhewum Aufgabe- und Verteilrinnen des Typs SV 4400 verfügen über schwingende Innenteile, die den seitlich ankommenden Materialstrom gleichmäßig über die komplette Breite der darunterliegenden Siebmaschinen verteilen. Die Innenteile werden durch zwei außenliegende Unwuchtmotoren in Vibration versetzt, 18 VERFAHRENSTECHNIK 4/2016

POWTECH I TOP-THEMA während das Gehäuse statisch bleibt und somit eine feste und staubdichte Flanschverbindung erlaubt. Die Siebung der gröberen Fraktionen erfolgt auf zwei Rhewum Doppelsiebmaschinen des Typs WA(U) 440×600/3. Das Oberdeck zur Trennung bei 2,36 mm und das mittlere Deck mit 1,18 mm Trennschnitt werden durch kleine Unwuchtmotoren (Typ WAU) angetrieben, das untere Deck hingegen wird mittels elektromagnetischer Schwingköpfe (Typ WA) betrieben. Beide Antriebe haben einen Energieverbrauch von jeweils nur 0,16 kW. Hohe Ausfallsicherheit Da eine höhere Anzahl an kleinen Antrieben verwendet wird, sind die direkt-erregten Siebmaschinen zuverlässiger als Siebmaschinen mit einer kleineren Anzahl an größeren Motoren. Fällt ein Antrieb aus, sind die Auswirkungen auf den Siebprozess deutlich geringer, auch weil defekte Antriebe ausgetauscht werden können, während die anderen weiterlaufen und die Produktion nicht gestoppt werden muss. VT-0416-KahlGroup_VT0114-KahlGroup 24.02.16 11:15 Seite 1 Zudem können auf jedem Siebdeck die Schwingweiten und Abreinigungsintervalle für die Einlauf- und die Auslaufhälfte getrennt eingestellt werden, um die Siebeffizienz jeder Fraktion zu optimieren. Sämtliche Siebgewebe können auch einzeln gewechselt werden, ohne die anderen Siebgewebe ausbauen zu müssen. Dadurch werden individuelle Austauschintervalle je nach Verschleiß berücksichtigt. Der Siebüberlauf jedes Decks wird separat durch den klappbaren Überlauftrichter abgeführt, der den Zugriff auf die Spannvorrichtung des Siebgewebes an der Auslaufseite jedes Siebdecks ermöglicht. Die Spannvorrichtung der Siebgewebe an der Einlaufseite kann komfortabel durch die Inspektions türen erreicht werden, die sich an der Rückseite der Maschine direkt unter den Auf gebern befinden. Das Spannsystem ist optimiert für schnelles Spannen und einfaches Wechseln der Gewebe, wofür geübte Arbeiter nur etwa 5 min pro Stück benötigen. Die Abdeckungen sind zur einfachen Handhabung aus Aluminium gefertigt und wiegen nur 18 kg. Somit werden keine Winden benötigt. Von den Untertrichtern der Grobsiebe gelangt das feine Material (< 710 µm) direkt auf die Feinsiebe des Typs WA 440×700/2, die komplett mit Magnetschwingköpfen ausgestattet sind. Die Siebbreite ist denen der Grobsiebe identisch, die Länge wurde jedoch um einen Meter erweitert, um eine möglichst hohe Güte der besonders wertvollen Fraktionen zwischen 150 µm und 710 µm zu gewährleisten. Die Siebüberläufe gelangen auch hier über die Überlauftrichter und Schurren in die Silos unter der Siebanlage, während der feine Unterlauf von den Untertrichtern gesammelt und zu den Luftstrahlsichtern gefördert wird, wo der Füllstoff (< 90 µm) abgeschieden wird. Zusammen mit ihrem Kunden konnte die Rhewum eine hocheffiziente und flexible Siebanlage für die Produktion von Trockenmörtel entwickeln. Die gelieferte Anlage entspricht dem neusten Stand der Siebtechnik und hat eine Gesamtleistung von 43,4 kW, was einem Stromverbrauch von 0,13 kWh/t klassiertem Kalkstein entspricht. Halle 1, Stand 342 www.rhewum.com Höchste Präzision bis ins kleinste Detail Flachmatrizenpressen ■ Wirtschaftliches Verfahren zum Kompaktieren und Pelletieren Walzenmühlen ■ Zerkleinerung von weichen, spröden bis zähharten Produkten Kontinuierliche Wirbelschichtverfahren ■ Trocknen ■ Agglomerieren ■ Coaten ■ Granulieren Extraktionsprozesse: Fest - Flüssig - Gas ■ Tee, Kaffee, Aroma: Vanille, Orange ■ Pharmaprodukte KAHL-Gruppe · Dieselstraße 5-9 · D - 21465 Reinbek/ k/Hamburg Telefon: (040) 7 27 71 0 · info@akahl.de · www.akahl.de Besuchen Sie uns: POWTECH 2016 Halle 1, Stand 305

Ausgabe