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Verfahrenstechnik 12/2019

Verfahrenstechnik 12/2019

KOMPONENTEN UND SYSTEME

KOMPONENTEN UND SYSTEME Ein großer Baukasten Maßgeschneiderte Lösungen für aseptische Ventile Ventile sind keine Raketenwissenschaft, aber unverzichtbare Komponenten in jeder verfahrenstechnischen Anlage. Das A und O für sichere und wirtschaftliche Prozesse ist die Auswahl der richtigen Technologie. Mit einem neuen Doppelkammerventil sollen jetzt alle Anwendungen in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie abgedeckt werden können. 01 Das neue aseptische Doppelkammerventil komplettiert die D-tec Ventilbaureihe und erhöht die Produktsicherheit In diesem Jahr hat die Firma Gea das neue D-tec-Doppelkammerventil D/DV eingeführt – das Doppelsitzventil führt den Leckageraum als Sterilkammer aus und ist mit zwei Seitenventilen hermetisch von der Umwelt getrennt. Durch die herausragenden Dichtungseigenschaften der Stangenmembran erhöht es die Mindesthaltbarkeit für Erfrischungsgetränke, Fruchtsäfte, milchbasierte und milchsäurefermentierte Produkte. „Wenn es um Ventile geht, ist es wichtig, dass wir als Komponentenhersteller verstehen, welche Themen unsere Kunden umtreiben. Als Qualitätsanbieter ist es unser Anspruch, für jede Anwendung die bestmögliche Lösung zu finden“, sagt Pascal Bär, Produktmanager Flow Components – Aseptic Valves bei Gea. „Kein Prozess ist wie der andere. Wir haben einen großen Baukasten an aseptischen Ventilen aus dem wir uns bedienen können und das Wissen und die Erfahrung, ihn optimal einzusetzen.“ Membran oder Faltenbalg? Das umfassende Portfolio an Prozessventilen in einem hohen Detaillierungsgrad bietet nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir die beiden gängigsten aseptischen Ventilkonzepte, die es auf dem Markt gibt – Stangenmembran und Faltenbalg (aus PTFE oder in metallischer Ausführung) – im Haus haben. Wir sehen uns in der Pflicht, den Kunden möglichst objektiv auf die Unterschiede hinzuweisen. Jede Technologie hat ihre Berechtigung“, unterstreicht Bär. „Wenn wir zwei Ventilkonzepte mit demselben Ziel anbieten, müssen wir die Kunden an die Hand nehmen und erklären, warum wir wann welches einsetzen. An dieser Stelle kommen die Hygieneklassen Hygienic, Ultraclean und Aseptic ins Spiel.“ Jedes Konzept, ob Stangenmembran oder Faltenbalg, hat seine Vor- und Nachteile, die Konstruktion und Geometrie mit sich bringen und in bestimmten Bereichen Einschränkungen darstellen. Dazu Bär: „Bei Fruchtkernen sind Stangenmembranventile zum Beispiel durch ihre Form gebung ganz klar im Vorteil. Das hat mit der generellen Klassifizierung, die wir anstreben, aber nichts zu tun.“ Das Thema Aroma- bzw. Allergenverschleppung ist ein Problem, das jeder Hersteller kennt, der verschiedene Produkte auf einer Anlage fährt, und das bei Produzenten mit hohem Qualitätsanspruch derzeit ganz oben auf der Agenda steht. Deshalb hat Gea bei der Entwicklung seines Doppelkammerventils D-tec D/DV besonderen Wert auf eine gute Reinigbarkeit gelegt. Sorgfältig abwägen Per Definition besitzen sowohl Stangenmembran- als auch Faltenbalgventile eine Autorin: Annekathrin Bibow, Marketing Manager, Gea Tuchenhagen GmbH, Büchen 20 VERFAHRENSTECHNIK 12/2019

KOMPONENTEN UND SYSTEME hermetische Abdichtung und zählen damit zu den aseptischen Ventilen. Doch im Detail gibt es konstruktive Unterschiede, die die beiden Technologien in verschiedenen Bereichen stark machen. „Jedes Ventil ist für einen bestimmten Einsatzzweck ideal, damit schließen wir aber nicht aus, dass es nicht auch in einem anderen Bereich eingesetzt werden kann. Die Hygieneklassen sollen lediglich eine Orientierungshilfe bieten“, betont der Aseptik-Experte. „Wenn der Kunde mit der Performance zufrieden ist, heben wir nicht den Zeigefinger und sagen, dass er das nicht darf.“ Das D-tec-Stangenmembranventil eignet sich durch seine konstruktiven Gegebenheiten insbesondere für Produkte mit einem höheren Hygienestandard. Generell gilt: Je stabiler ein Lebensmittel aufgrund von Alkohol- und/oder Zuckergehalt oder Konservierungsstoffen, desto weniger besteht die Notwendigkeit, ein Sterilventil einzusetzen. „Nach unserem Verständnis ist das neue D-tec Doppelkammerventil ideal für Anwendungen, beispielsweise in der Getränkeindustrie, wo der Maßstab für die hygienischen Anforderungen vielleicht nicht ganz so hoch gewählt wird. Das heißt, sie erfordern nicht immer unbedingt den Einsatz von Edelstahl-Faltenbalgen – den Mercedes unter den aseptischen Ventilen“, so Bär. Den strengsten Anforderungen unterliegen Produkte wie Starterkulturen, Enzyme, Babynahrung, UHT-Milch oder -Sahne. Hier sieht der Produktmanager in den Aseptomag-Doppelkammerventilen nach wie vor die sicherste Lösung. Anwender, die auf diese Technologie setzen, müssen ihren Prozess bis ins kleinste Detail beherrschen, weil sie deutlich weniger Fehler verzeiht. Kostensparende Alternative 02 Pascal Bär ist Produktmanager Flow Components – Aseptic Valves bei Gea Grundsätzlich unterscheiden sich die beiden Technologien durch das verwendete Material und ihre Anbindung. Edelstahl- Faltenbalgventile sind mit den sie umgebenden Teilen fest verschweißt, wohingegen Stangenmembranventile eine lösbare Verbindung zur PTFE-Membran aufweisen. „Das ist der Hauptunterschied, der seine Auswirkungen hat. Der Edelstahl-Faltenbalg bleibt für uns durch seine unlösbare Verbindung und die hervorragenden Materialeigenschaften die konsequenteste Art, ein aseptisches Ventil zu bauen. Für einige Produkte und Haltbarkeitsanforderungen ist dies absolut notwendig“, ist Bär sich sicher. „Bei unserem neuen D-tec-Doppelkammerventil ist es uns gelungen, diese heikle Schnittstelle bestmöglich zu konstruieren. Trotzdem lässt sich die lösbare Verbindung nicht wegdiskutieren.“ In der Lebensmittel- und Getränkeindustrie gäbe es aber genauso viele hochhygienische wie auch aseptische Prozesse, bei denen dieser konstruktive Unterschied eine untergeordnete Rolle spiele und das Doppelkammerventil D-tec D/DV von Gea eine sinnvolle Alternative darstellt. Auch die Modularität leistet ihren Beitrag zur Kostensenkung. Beispielsweise können bestehende hygienische Varivent-Einsitzventile ganz einfach auf D-tec-Ventiltechnik umgebaut werden, wobei Kunden sogar die bestehenden Rohrleitungen unverändert weiterverwenden können. Das Stangenmembranventil hat die gleiche Antriebsphilosophie, die gleichen Schnittstellen und nutzt größtenteils die gleichen Dichtungsabmessungen. Das reduziert die Lagerhaltung. Nicht zuletzt verkürzt die große Wartungsfreundlichkeit der Ventile die Stillstandzeiten und erhöht damit die Produktivität der Anlagen, ohne in puncto Lebensmittelsicherheit Kompromisse eingehen zu müssen. Fotos: Gea, Connfetti/stock.adobe.com www.gea.com 100 %BESCHICHTUNG =0%KORROSION! Die Lagerblockpumpe für alle Fälle! VIELSEITIG ·LANGLEBIG ·EFFIZIENT Herborner.indd 1 07.11.2019 08:44:23 VERFAHRENSTECHNIK 12/2019 21

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Verfahrenstechnik Handbuch Prozesstechnologie 2019