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Verfahrenstechnik 11/2020

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Verfahrenstechnik 11/2020

SPS CONNECT

SPS CONNECT 2020 TIEFER EINBLICK Ein global tätiger Chemieproduzent musste die Betriebskosten senken und die Datenanalyse verbessern, um im Wettbewerb mithalten zu können. Durch ein neues Datenmanagementsystem konnte das Unternehmen eine höhere Produktivität und Effizienz dank Echtzeitinformationen über Prozesse und Produktion erzielen. Wenn sich Produkte in perfektem Weiß präsentieren, ist oft ein winzig kleines Pigment verantwortlich: Titandioxid. Das Pigment, das nur in einigen Weltregionen natürlich vorkommt, wird über ein hochspezialisiertes Extraktions- und Produktionsverfahren gewonnen. Nur wenige Fertigungsunternehmen verfügen über das notwendige Know-how. Zu diesen Unternehmen gehört Precheza mit Sitz in Tschechien. Dieser wichtige Lieferant von anorganischen Pigmenten produziert seit über 50 Jahren Titandioxid. Etwa 90 Prozent der Erzeugnisse von Precheza sind für den Weltmarkt bestimmt. Es besteht eine große Nachfrage nach diesem Autor: Tomas Knobloch, Solution Consultant, Rockwell Automation, Düsseldorf Weißpigment, es gelten aber auch weltweite Standards in den Bereichen Arbeitsgesundheit, Sicherheitsmanagement, Qualität, Umweltschutz und Energiemanagement, die eingehalten werden müssen. Precheza verlässt sich bei der Compliance auf solide Datenmanagement- und -analyseprozesse, die für mehr betriebliche Effizienz und Anlagensicherheit sorgen. DIE PRODUKTION Prozessmanagement spielt bei der Produktion von Titandioxid eine wichtige Rolle. Bediener müssen kritische Daten wie Temperatur und Druck in der Produktionsanlage überwachen können. Diese Daten bilden die Grundlage für kritische Entscheidungen, von der Sicherheit der Arbeiter bis hin zur Rentabilität der Anlage. Daher ist ein schneller und umfangreicher Zugriff auf Daten von entscheidender Bedeutung. Mit der richtigen Software für ein effektives Anlagenmanagement können historische Daten in großem Umfang erfasst und analysiert werden, um damit fundierte Entscheidungen für die aktuelle Produktion treffen zu können. Das Unternehmen suchte nach einer neuen Lösung, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Precheza vertraute bereits in anderen Unternehmensbereichen auf Steuerungssysteme und Visualisierungssoftware von Rockwell Automation. Einer der wichtigsten Vorteile dabei war die Vereinheitlichung verschiedener Softwarelösungen für die Automatisierung im gesamten Unternehmen auf einen einzigen Anbieter, um so die Systemintegration zu verbessern und die Betriebskosten zu senken. Auf diese Weise wurde das Unternehmen auf das System Factory- Talk (FT) Historian SE aufmerksam. Gesucht wurde darüber hinaus 16 VERFAHRENSTECHNIK 11/2020 www.verfahrenstechnik.de

SPS CONNECT 2020 ein System, das Bedienern bessere Reporting-Tools mit erweiterten Analyse- und Visualisierungsfunktionen bietet. Mit FT Historian erhalten Benutzer Zugriff auf historische Daten für eine progressive Optimierung. In der Regel müssen hierfür die Daten mehrerer Jahre verarbeitet und analysiert werden. Das IT-Team von Precheza überprüfte mithilfe einer temporären Lizenz, ob die Lösung von Rockwell Automation den Anforderungen genügen würde. Die Prüfung fiel positiv aus und Precheza stieg in Zusammenarbeit mit Rockwell Automation von der veralteten Plattform auf FT Historian um. IM ZEITPLAN DIE WARTUNG IST WÄHREND DES BETRIEBS MÖGLICH, OHNE DASS DATEN VERLOREN GEHEN Die Implementierung selbst war un kompliziert. Nach einer einjährigen Phase der Vorbereitung, in der technische Anforderungen, deren Überprüfung an einem Teststandort und allgemeine Bedingungen geklärt wurden, stand ein Arbeitsplan mit Deadlines fest. Der Installations- und Konfigurationsprozess begann im August 2018, wobei genügend Zeit für die Installation von Kundenanwendungen, Bedienerschulungen und die Übertragung der ursprünglichen historischen Daten in das neue System eingeplant wurde. So konnte FT Historian SE im Januar 2019 produktionsfertig implementiert werden. Über drei Monate hinweg wurden beide Systeme parallel ausgeführt, bis das alte System im März 2019 abgeschaltet werden konnte. Die Installation wurde im April 2019 abgeschlossen und das ohne Ausfallzeit in der Produktionsanlage. Die größte Herausforderung bestand darin, die Daten von fünf Jahren aus dem alten System nach FT Historian zu übertragen. Aufgrund der Inkompatibilität der Software der beiden Systeme war es besonders wichtig, ein geeignetes Verfahren für die Konvertierung dieser Daten zu finden. Der Systemintegrator, das slowakische Unternehmen M.D.J s.r.o., und das IT-Team von Precheza spielten bei der Konvertierung der Daten eine wichtige Rolle. M.D.J, mit seiner umfangreichen Erfahrung bei der Implementierung von FT-Historian-Lösungen, führte das Projekt erfolgreich zu Ende. Das Unternehmen brachte nicht nur sein Know-how über FT Historian ein, sondern reagierte während der Implementierung auch flexibel auf andere Anforderungen. Der Distributor ControlTech Ltd. stellte die problemlose Bereitstellung von Lieferleistungen sicher und koordinierte die geschäftliche Seite des Projekts. NEUE FUNKTIONEN Precheza verfügt nun über eine Umgebung, die hauptsächlich mit Steuerungs- und Visualisierungssystemen von Rockwell Automation ausgestattet ist. Das System ist aufgrund seiner Offenheit äußerst bedienerfreundlich und Daten aus verschiedenen Quellen können unkompliziert integriert werden. Die Anwendung wird intern verwaltet und der Support von Rockwell Automation muss nur sporadisch zu Hilfe gezogen werden. Aufgrund seiner guten Performance ist die Instandhaltung des gesamten Systems heute erheblich einfacher. Mit FT Historian SE ist die Bediener können Produktionsprozesse analysieren und visualisieren Verfügbarkeit von Produktionsdaten für Benutzer selbst bei einem Serverausfall gewährleistet. Die Wartung ist während des Betriebs möglich, ohne dass Daten verloren gehen. Dies bringt auch den Nutzen mit sich, dass weniger Personal erforderlich ist. Der Hauptvorteil für Precheza ist jedoch, dass das Unternehmen seine Daten neu auswerten und verwenden kann. Bediener haben nun Zugriff auf zahlreiche Funktionen, die bei der Orchestrierung der Analyse und Visualisierung der Produktionsprozesse helfen. Sie erhalten tiefere Einblicke in den Zustand der Produktion und können ausgereifte Berichtsfunktionen nutzen. Die Mitarbeiter von Precheza haben bereits festgestellt, dass dank dieser Funktionen eine bessere Entscheidungsfindung möglich ist und Aufgaben optimiert werden können. BESSERES VERSTÄNDNIS DER PROZESSE Die Implementierung hat die Erwartungen von Precheza übertroffen. Selbstverständlich dauert es einige Jahre, bis die Gesamtbetriebskosten für das neue System ausgeglichen sind, aber die Vorteile gegenüber dem alten System werden bereits sehr deutlich. Precheza möchte die Vorteile der neuen Datenanalysefunktionen nun voll ausschöpfen und konzentriert sich auf Personalschulungen in der erweiterten Analyse von Fertigungsdaten, sodass die Bediener alle neuen Funktionen von FT Historian SE nutzen können. Im nächsten Schritt plant Precheza die Einführung weiterer Asset-Framework-Funktionen von FT Historian SE. Neben der Senkung der Capex des Datenbetriebs soll dieses Projekt einen Rahmen für die Analyse von Produktionsprozessen schaffen und eine bessere Kontextualisierung der Daten ermöglichen. So sollen Geschwindigkeit und Präzision der Datenanalyse erhöht und ein Visualisierungsgrad erreicht werden, der mit der vorherigen Architektur von Precheza nicht möglich gewesen wäre. Fotos: Rockwell Automation www.rockwellautomation.com www.verfahrenstechnik.de VERFAHRENSTECHNIK 11/2020 17

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Verfahrenstechnik Handbuch Prozesstechnologie 2019