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Verfahrenstechnik 11/2018

Verfahrenstechnik 11/2018

MESSEN, REGELN,

MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN Echte Mammutaufgaben Service- und Modernisierungskonzepte steigern Sicherheit von Anlagen Die Sicherheit einer Anlage langfristig zu gewährleisten, stellt eine große Herausforderung und Verantwortung für Anlagenbetreiber dar. Um die Verfügbarkeit von Maschinen und Anlagen möglichst hoch zu halten und die Mitarbeiter vor Gefahren zu schützen, müssen Safety-Konzepte richtig geplant und umgesetzt werden. Vor dieser Herausforderung stand auch das japanische Energieunternehmen Inpex bei der Projektierung und dem Betrieb des Ichthys-Gasfelds. Die Gewährleistung der Safety gleicht bei einem solchen Projekt einer Mammutaufgabe: Es galt, alle Offshore- und Onshore-Anlagen von einer schwimmenden Lager- und Verladeeinheit über eine Offshore-Plattform und Onshore- LNG-Anlage bis hin zur zugehörigen 890 km langen Untersee-Pipeline zu schützen. Das umfassende Safety-Konzept für das Ichthys-Projekt beinhaltete nicht nur Sicherheitssteuerungen und Systeme für Notabschaltungen, sondern auch Lösungen für Brand- und Gasschutz sowie Überdrucksicherheit. Fast zehn Jahre Planung und Bau sind vergangen, bevor die Anlagen 2018 erfolgreich in Betrieb gehen konnten. Damit das möglich wurde, waren eine minutiöse Planung und die Einhaltung eines strikten Zeitplans nötig. Die Safety-Spezialisten von Hima waren seit 2009 mit an Bord. Um alle sicherheitskritischen Anlagen rechtzeitig für den Betriebsstart fertig zu haben und das reibungslose Funktionieren der zahlreichen Autor: Stefan Basenach, Group Vice President Segment Process, Hima Paul Hildebrandt GmbH, Brühl unterschiedlichen Systeme zu gewährleisten, arbeitete das globale Projektteam über Ländergrenzen und kulturelle Unterschiede hinweg lokal in Singapur mit weiteren beteiligten Auftragnehmern zusammen. Die gelungene Projektkoordination war ein wesentlicher Faktor für die fristgerechte Lieferung und Installation und damit auch für den Erfolg des Projekts. Gemeinsam mit dem Betreiber Inpex erarbeitete Hima zudem ein langfristiges, übergreifendes Service-Konzept, das darauf abzielt, den sicheren Betrieb des Ichthys- LNG-Projekts über dessen gesamte zu erwartende Betriebsdauer hinweg zu gewährleisten. Dieses Konzept beinhaltet die Wartung der Sicherheitssysteme, einschließlich der Lieferung der benötigten Ersatzteile, sowie die Bereitstellung von Dienstleistungen. Herausforderung Turnaround Auch ein Turnaround ist für Anlagenbetreiber und Beteiligte eine herausfordernde Aufgabe. Zu den Aufgaben im Rahmen eines Turnarounds zählen u. a. die Personalplanung sowie die Durchführung von Instandhaltungs-, Reparatur- und Umbauarbeiten. Genau so ging es auch dem internationalen Öl- und Gasunternehmen OMV, das 2017 einen Turnaround in seiner petrochemischen Produktion der Raffinerie in Schwechat, Österreich, durchführte. Ziel dabei war es, wichtige Revisions- und Reparaturarbeiten umzusetzen. Die Anlagen wurden im Rahmen des Turnarounds heruntergefahren, demontiert, gereinigt, überprüft, dabei fehlerhafte Teile ersetzt und alles wieder zusammengebaut. Und das war eine echte Herkulesaufgabe: An vier Prozessöfen, 71 Kolonnen, 508 Wärmeübertragern, 698 Behältern, 4 188 Armaturen und 1 485 Sicherheitsventilen wurden Revisionsarbeiten durchgeführt und Reparaturarbeiten an ca. 12 km Rohrleitungen vorgenommen. Auch alle Safety-Systeme mussten innerhalb des engen Zeitrahmens geprüft, teilweise modifiziert und am Ende wieder voll funktionsfähig sein. Als Teil des unternehmensübergreifenden Projektteams, das sich Safety-Service erfordert einen fortschreitenden, dynamischen Prozess aus Spezialisten von OMV und von rund 50 Partnerfirmen zusammensetzte, waren 18 Experten von Hima vor Ort im Einsatz. Die zentrale Herausforderung für die Safety- Spezialisten lag in der hohen Anzahl der zu prüfenden Systeme. Insgesamt wurden 61 Sicherheitsteuerungen einer gründlichen Generalinspektion und Modernisierung unterzogen. Allein beim Ethylencracker wurden 26 Systemschränke auf „Herz und Nieren“ geprüft. Fünf Wochen lang waren die Ingenieure in verschiedenen Teilanlagen der Raffinerie damit beschäftigt, alle bestehenden Sicherheitssteuerungen gründlich zu untersu- 38 VERFAHRENSTECHNIK 11/2018

MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN chen und zu modifizieren. Ebenso wurden diese gemäß den neu durchgeführten Hazop-Studien (Hazard and Operability Study) angepasst und erweitert, damit sie weiter zuverlässig die Verfügbarkeit und die funktionale Sicherheit der petrochemischen Produktion gewährleisten. Dank akribischer Planung und hohem persönlichen Einsatz konnten die Ingenieure am Ende die erforderlichen Arbeiten sogar schneller als geplant abschließen. Damit trugen sie dazu bei, dass der Turnaround der petrochemischen Anlagen in der Raffinerie Schwechat zum Erfolg wurde: Sieben Wochen nach Beginn der Abstellung konnte OMV die Produktion wie geplant sicher wieder hochfahren. Beim Mega-Erdgasförderprojekt Ichthys des japanischen Energieunternehmens Inpex vor der Küste Australiens sorgte eine detaillierte Projektplanung dafür, dass von Produktionsbeginn an alles reibungslos funktionierte Faktor Langzeitverfügbarkeit Die Modernisierung bestehender Anlagen bringt ganz andere Herausforderungen mit sich als die Planung und Umsetzung von Neuprojekten. Beispielsweise entschied sich das Petrochemie-Unternehmen Ineos in Köln im Rahmen einer Lifecycle-Betrachtung für die Modernisierung der sicherheitsgerichteten Systeme seines Steam-Krackers V. Dabei setzte das Unternehmen ein Modernisierungskonzept um, das aufgrund seiner langfristig angelegten Planung und Zukunftssicherheit wirtschaftliche Vorteile mit sich bringt. Bei der Auswahl des Safety- Anbieters für das Modernisierungsprojekt stellten Performance, Funktionalität und Skalierbarkeit der Safety-Steuerungen wichtige Auswahlkriterien dar. Gerade die Zukunftsfähigkeit aufgrund des flexiblen Online-Reload-Konzepts und die Zusicherung der Langzeitverfügbarkeit aller verwendeten Systeme gaben am Ende den Ausschlag, sich für die Hima-Lösung zu entscheiden. Zudem trug das Know-how der Engineering- und Service-Mitarbeiter des Safety-Spezialisten bei Planung, Programmierung und Inbetriebnahme der Lösungen wesentlich dazu bei, dass die erste Umrüstungsphase bereits wenige Monate nach Auftragsvergabe umgesetzt und das Zeitfenster eingehalten werden konnte. Durch die Modernisierungsmaßnahmen sollen die Anlagen langfristig zukunftssicher gemacht und die Wartungskosten nachhaltig gesenkt werden. In Gesamtlebensdauer denken Die Herausforderungen für Anlagenbetreiber bei der Entwicklung und Umsetzung von Modernisierungs- und Servicekonzepten sind vielfältig: Von Zeit- und Kostendruck über System-Kompatibilität und Langzeitverfügbarkeit. Anlagenbetreiber sind daher gut beraten, bei der Auswahl von Safety-Konzepten nicht nur die Anfangsinvestition zu betrachten, sondern die gesamten Lebenszykluskosten. Das heißt: Wie leicht lassen sich Systeme warten? Wie kosteneffizient ist der Betrieb? Wie hoch ist der Trainingsaufwand für das Servicepersonal? Wie lange sind Ersatzteile verfügbar? Wie zukunftsfähig ist das Safety-Konzept in puncto sich verändernde Normen oder Security? Diese Fragen und noch viele weitere Aspekte gilt es bei Modernisierungsund Servicevorhaben zu beachten, will man herausfinden, welche Lösung tatsächlich am Ende das höchste Maß an Sicherheit und Wirtschaftlichkeit mit sich bringt. Fotos: Hima, Inpex www.hima.com

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