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Verfahrenstechnik 10/2019

Verfahrenstechnik 10/2019

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t SAUBERE HALLENLUFT MIT WOHLFÜHLTEMPERATUR In Sachen Arbeitsschutz geht ein Hersteller von Straßen- und Flugfeld-Tankwagen auf Nummer sicher: In der Blechbearbeitung wurden neben mobilen Schweißrauchfiltern drei Filtertürme zur Hallenlüftung installiert. Die Systeme reinigen die schadstoffbeladene Luft und führen sie gekühlt oder beheizt in die Halle zurück – je nach Saison. Die Dr.-Ing. Ulrich Esterer GmbH & Co. Fahrzeugaufbauten und Anlagen KG stellt Flugzeugbetankungswagen und Straßentankwagen her, die Fertigung befindet sich im nordhessischen Helsa bei Kassel. „In unserer Blechbe arbeitung fertigen wir den Großteil unserer Tanks selbst“, erklärt Christopher Richter, Kaufmännischer Leiter und Prokurist bei Esterer. In der 2 500 m 2 großen Fertigungshalle liegen dutzende großformatige Aluminiumhüllen bereit. Das Material wird von den Facharbeitern gehämmert, geschweißt und poliert. Am Ende der Produktionskette entstehen daraus Tankaufbauten, -auflieger und -anhänger, die in Wunschfarbe lackiert sind. Vereint mit der Ka rosse des Trägerfahrzeugs können die Fahrzeuge an die Kunden ausgeliefert werden. Autorin: Jenny Göser, Esta Apparatebau GmbH & Co. KG, Senden MIT DEN TÜRMEN SCHLAGEN WIR ZWEI FLIEGEN MIT EINER KLAPPE: WIR HABEN EIN SAUBERES HALLENKLIMA, UND DURCH DIE KOPPELUNG AN UNSERE HEIZUNGSANLAGE IST ES AUCH IN DER KALTEN JAHRESZEIT ANGENEHM WARM IN DER HALLE Christopher Richter 01 Im Zuge der Dachsanierung in der Blechbearbeitung sortierte das Unternehmen im vergangenen Jahr auch die in die Jahre gekommene Rauchwärmeabzugsanlage samt technischer Lüftung und zentraler Bodenabsaugung aus. „Die Luftqualität litt unter der veralteten Technik. Zudem ließ sich die Halle in der kalten Jahreszeit nur mühsam heizen. All diese Umstände beförderten die Entscheidung für eine Ersatzinvestition“, blickt Richter zurück. Die bauausführende Firma schlug Esterer vor, beim Absaugtechnik-Hersteller Esta aus dem bayerischen Senden anzuklopfen. Gesagt, getan. Richter stellte den Kontakt her. „Ein Esta-Experte sah sich die Situation in der Blechbearbeitung an und erarbeitete für uns ein passgenaues Absaugkonzept.“ UMWELTTECHNIK PUNKTGENAUE ABSAUGUNG Die Grundlage bildeten die Technischen Regeln für Gefahrstoffe (TRGS) 528 für schweißtechnische Arbeiten. Bei der Bearbeitung der Rohlinge entsteht partikelförmiger Schweißrauch, für den der allgemeine Staubgrenzwert für Aluminiumoxid von 1,25 mg/m 3 gilt. Esta installierte fünf mobile Schweißrauchfilter SRK-15, um sicherzustellen, dass der Schweißrauch punktgenau mit einem Absaugarm am Entstehungsort erfasst wird. Darüber hinaus können

02 01 Der mobile Schweißrauchfilter ermöglicht eine flexible und punktuelle Erfassung des Schweißrauchs im Tank mittels PU-Absaugschlauch und zeitgleich von oben mit einem Absaugarm, der an einer Fertigungsöffnung positioniert ist 02 Im Winter sind die Filtertürme an die Heizungsanlage gekoppelt, sodass saubere und zugleich warme Luft in die Arbeitsbereiche zurückgeführt wird die Schweißer einen PU-Absaugschlauch unkompliziert mit in den Tank zur Bearbeitung nehmen. „Eine hundertprozentige Erfassung ist trotz Punktabsaugung nahezu unmöglich. Ein kleiner Teil des Schweißrauchs entweicht allein schon, wenn der Absaugarm in einem kurzen Augenblick nicht exakt zur Emissionsquelle nachgeführt wird. Das kommt bei der Bearbeitung der großen Aluminiumrohlinge mit einem hohen Interaktionsradius der Beschäftigten vor“, gibt Richter zu bedenken. Dadurch besteht das Risiko, dass Schadstoffe ungehindert in die Werkhalle gelangen und auch unbeteiligte Mitarbeiter nicht aus reichend geschützt werden können. Aus diesem Grund riet der Esta-Experte dem Tankwagenspezialisten zu drei Filtertürmen, die als ergänzende Hallenlüftungssys teme fungieren. Sie verbessern die Luftqualität im gesamten Arbeitsraum und unterstützen die Einhaltung des allgemeinen Staubgrenzwertes. „Der Vorher/Nachher-Effekt war deutlich spürbar. So werden auch unbeteiligte Mitarbeiter an angrenzenden Arbeitsbereichen geschützt“, so Richter. ABSCHEIDEGRAD VON 99,9 % Die Filtertürme bewegen stündlich insgesamt gut 52 000 m 3 Luft und sorgen in dieser Zeit für einen dreifachen Luftwechsel. Sie kommen ohne Rohrsystem aus und sind damit schnell einsatzbereit. Die Türme der Filtower-Serie arbeiten nach dem berufsgenossenschaftlich empfohlenen Schichtenlüftungsprinzip. Sie nutzen die Thermik des aufsteigenden Schweißrauchs und saugen ihn effektiv an der Anlagenoberseite ein. Das zweistufige Filtersystem reinigt die partikelhaltige Luft mit einem Abscheidegrad von 99,9 %. Somit kann die saubere Luft über die bodennahen, seitlichen Auslässe des Filterturms im Umluftbetrieb zugluftfrei in den Arbeitsbereich zurückgeführt werden. Das spart vor allem in den Wintermonaten Energiekosten. Aufgrund der schwierigen Heizsituation in der Werkhalle entschied sich Esterer für die Filterturm-Variante Ecotemp. Diese beinhaltet einen Lamellentauscher, womit sich die Temperatur der gefilterten Rückluft regeln lässt. „Mit den Türmen schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir haben ein sauberes Hallenklima, und durch die Koppelung an unsere Heizungsanlage ist es auch in der kalten Jahreszeit angenehm warm in der Halle“, argumentiert der Leiter für kaufmännische Dienste. Hierfür wurden die Wasserrohrleitungen der Heizung an die Filtertürme angeschlossen. Das im Durchschnitt 60 °C heiße Wasser gibt seine Temperatur an den Wärmeplattenübertrager ab, die Lamellen wiederum übertragen ihre Wärme an die in der Zwischenzeit gefilterte Luft. Das Ergebnis: Warme und saubere Luft strömen in die Halle zurück. „Diese einzigartige Kombination und der damit verbundene Energieeinspareffekt haben sich für uns gerechnet. Umgekehrt überlegen wir bereits auch, im Sommer die Kühlfunktion der Türme zu nutzen, um die Wärmelasten in Schach zu halten“, blickt Richter in die Zukunft. Angenehmer Nebeneffekt: Die Investition wurde vom Staat mit 30 % bezuschusst. Fotos: Esta www.esta.com

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