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Verfahrenstechnik 10/2019

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TOP-THEMA I SAFETY &

TOP-THEMA I SAFETY & SECURITY Sicherer Umgang Lösemittel abfüllen, umfüllen und dosieren Das nicht fachgerechte Abfüllen gefährlicher Lösemittel stellt immer ein gewisses Risiko dar: Das Lösemittel kann auslaufen, verschüttet werden oder sich elektrostatisch aufladen. Gleichzeitig werden giftige Dämpfe freigesetzt. Das gefährdet die Gesundheit des Anwenders und die Umwelt. Mit speziellen Lösemittelpumpen lassen sich die gefährlichen Medien sicher abfüllen und genau dosieren. Autorin: Michèle Bötticher, Marketing und Kommunikation, Bürkle GmbH, Bad Bellingen Ob beim Entfetten von Metallteilen oder dem Reinigen von Geräten – Lösemittel kommen in der Industrie täglich zum Einsatz. Im chemischen und pharmazeutischen Bereich sowie der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie werden Lösemittel zudem zur Extraktion, Stofftrennung, Auflösung oder der Synthese unterschiedlicher Substanzen eingesetzt. Zu den häufig verwendeten Lösemitteln zählen sauerstoffhaltige Lösemittel (z. B. Aceton, Ethanol, Isopropanol), kohlenwasserstoffhaltige Lösemittel (z. B. Spezialbenzin, Toluol) oder halogenhaltige Lösemittel (z. B. Perchlorethylen, Dichlormethan). Das Arbeiten mit Lösemitteln kann auch immer ein gewisses Risiko darstellen, denn viele Lösemittel werden nach der Gefahrstoffverordnung als Gefahrstoff eingestuft. Daher gilt es, beim Arbeiten mit Lösemitteln stets einen verantwortungsvollen Umgang sowie angemessene Schutzmaßnahmen einzuhalten – sei es bei der Verwendung, der Lagerung oder der Entsorgung. Ein besonderes Risiko stellt das Abfüllen von Lösemitteln dar. Das Lösemittel direkt auszugießen oder mittels Trichter abzufüllen, ist nicht sicher – vor allem bei brennbaren oder toxischen Lösemitteln. Schließlich kann es schnell passieren, dass das gefährliche Medium ausläuft, verschüttet wird oder sich elektrostatisch auflädt. Zudem können beim Ausgießen giftige Dämpfe freigesetzt werden. Vor allem für den Anwender kann das nicht fachgerechte Abfüllen gefährlich werden. Bestandteile des Lösemittels können durch Einatmen, Verschlucken oder die Aufnahme über die Haut in den Organismus gelangen. Dadurch kann es zu akuten Gesundheitsschäden, z. B. Reizungen und Verätzungen, oder sogar chronischen Vergiftungen kommen. Geeignete Pumpen Mit einer geeigneten Pumpe lässt sich Lösemittel sicher abfüllen und genau dosieren. Aufgrund der chemischen Eigenschaften der unterschiedlichen Medien und der individuellen Anforderungen an das Abfüllen und Dosieren muss die Pumpe aber spezifische Ansprüche erfüllen. Daher sollte bei der Wahl der geeigneten Pumpe folgendes berücksichtigt werden: Die Materialbeständigkeit gegen das abzufüllende Medium, die Förderleistung sowie die Behältergröße und die Menge, die abgefüllt werden soll. Für den Einsatz mit Lösemitteln eignen sich Pumpen, die aus hochwertigen und inerten Materialien wie PTFE oder Edelstahl gefertigt sind. Für das schnelle Ab füllen großer Mengen ist eine Pumpe mit hoher Förderleistung zu empfehlen. Der Pumpenhersteller Bürkle bietet ver- 40 VERFAHRENSTECHNIK 10/2019

SAFETY & SECURITY I TOP-THEMA schiedene Pumpen speziell für die fachgerechte Entnahme von Lösemitteln an. Für ein flexibles Arbeiten empfehlen sich die manuellen Pumpen des Herstellers, die mit dem Überdruck-Prinzip funktionieren. Aufgrund der manuellen Funktionsweise sind diese überall einsetzbar und eignen sich je nach Ausführung für unterschiedliche Behältergrößen sowie Abfüllmengen. Flexibel arbeiten Für das Abfüllen aus einem großen Behälter eignet sich eine Lösemittelpumpe mit Fußbetrieb. Mit dieser lässt sich schnell und einfach ein Überdruck im Gebinde herstellen, der die Flüssigkeit aus dem Behälter fördert. Der Überdruck wird mit dem fußbetriebenen Blasebalg aufgebaut, und über den Absperrhahn lässt sich das Medium dosieren. Die Pumpe besteht aus Edelstahl und PTFE und ist für Fässer bis 220 l geeignet. Die Förderleistung beträgt ca. 20 l/min. Die Fasspumpe ist wahlweise mit einem festen Auslaufbogen oder einem flexiblen Auslaufschlauch ausgestattet. Mit diesem kann auch in weiter entfernt stehende Behälter abgefüllt werden. Durch die Fassverschraubung und die beiden Absperrhähne lassen sich Fass und Pumpe hermetisch verschließen. Somit können nach dem Abfüllen keine lösemittelhaltigen Dämpfe mehr entweichen – das schützt die Gesundheit der Anwender und die Umwelt. Zugleich verhindern die Absperrhähne ein Verdunsten des Lösemittels, und die Pumpe kann dauerhaft auf dem Fass montiert bleiben. Die Lösemittelpumpe ist von der Dekra geprüft und eignet sich für den Einsatz in den Ex-Schutzzonen 0 und 1 und für das Abfüllen von brennbaren sowie leicht entzündlichen Flüssigkeiten der Explosionsgruppen IIA und IIB. Für das Abfüllen brennbarer Medien lässt sich die Lösemittelpumpe mit einem Antistatik-Set erden. Um Lösemittel aus kleineren Behältern abzufüllen, eignet sich die handbetriebene Ausführung der manuellen Pumpe. Die Lösemittelpumpe mit Handbetrieb ähnelt der fußbetriebenen Ausführung. Bei dieser wird der Überdruck aber mit einem Handpumpenball erzeugt. Die Pumpe ist für Behälter bis 60 l geeignet und hat eine Förderleistung von ca. 10 l/min. Kleine Mengen entnehmen Für die Entnahme geringer Mengen wurde die Lösemittelpumpe Mini entwickelt. Die Pumpe funktioniert ebenfalls mit Überdruck, der über den kleinen Handpumpenball erzeugt wird. Die Pumpe besteht aus PTFE und Edelstahl und eignet sich für Kleingebinde bis 10 l, z. B. Flaschen, Kanister oder Behälter. Die Förderleistung beträgt ca. 1,8 l/min und der selbstschließende Auslauf verhindert ein Nachtropfen. Somit lässt sich Lösemittel selbst in kleinste Behältnisse, z. B. Reagenzgläser, genau dosieren. Die Lösemittelpumpe ist einsetzbar in den Zonen 0 und 1 und eignet sich zum Abfüllen brennbarer Flüssigkeiten der Explosionsgruppen IIA, IIB und IIC. Beim Abfüllen brennbarer Medien kann elektrostatische Aufladung durch den Büschelstecker und das Erdungskabel abgeführt werden. Große Mengen abfüllen 01 01 Die Lösemittelpumpe mit Fußbetrieb funktioniert mit Überdruck, der mithilfe des Blasebalgs schnell und einfach aufgebaut wird 02 Dank der manuellen Funktionsweise ist die Lösemittelpumpe mit Handbetrieb flexibel einsetzbar 03 Mit der Lösemittelpumpe Mini lassen sich kleine Mengen genau dosieren 04 Das Entnahmesystem für Lösemittel baut mittels Druckgas einen Überdruck im Gebinde auf, der die Flüssigkeit schnell und ohne Kraftaufwand aus dem Behälter fördert Für das schnelle und häufige Abfüllen großer Lösemittelmengen empfiehlt sich der Einsatz eines Entnahmesystems für Lösemittel. Das transportable System besteht aus einer Fasspumpe, je nach Ausführung mit festem Auslaufbogen oder flexiblem Auslaufschlauch, und einer aufhängbaren Druckregeleinheit. Die mediumberührenden Teile sind aus PTFE und Edelstahl gefertigt. Bei diesem System wird der Überdruck im Gebinde mithilfe von Druckgas, z. B. Druckluft oder Stickstoff, aufgebaut. Das bietet den Vorteil, dass sich ganz ohne Kraftaufwand auch große Mengen entnehmen lassen. Beim Abfüllen sauerstoffempfindlicher oder höchst reiner Medien ist der Einsatz von Inertgas, z. B. Stickstoff, möglich. Die Zufuhr des Druckgases (3 bis 10 bar) kann über eine mobile oder stationäre Druckluftversorgung geregelt werden. Die Förderleistung beträgt ca. 10 l/min. Auch bei diesem System lassen sich Fass und Pumpe durch die Fassverschraubung und Absperrhähne hermetisch verschließen. Das Entnahmesystem ist ebenfalls in den Zonen 0 und 1 verwendbar und für das Abfüllen brennbarer Flüssigkeiten nach Gruppe IIA und IIB geeignet. Beim Einsatz mit brennbaren Medien erfolgt die Erdung mittels Antistatik-Set. Die verschiedenen Lösemittelpumpen von Bürkle sind ideal für den Einsatz im Labor- und Industriebereich. Lösemittel lassen sich damit sicher abfüllen und genau dosieren. Fotos: Bürkle, Jan Felber/stock.adobe.com www.buerkle.de 02 03 04 VERFAHRENSTECHNIK 10/2019 41

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