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Verfahrenstechnik 1/2021

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Verfahrenstechnik 1/2021

MESSEN, REGELN,

MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN Neues wagen Umsatzsteigerung dank digitaler Transformation Erdölraffinerien stehen unter dem Druck, ihre Rentabilität und Leistung ständig zu optimieren. Vor allem mit Blick auf die während der Corona-Krise eingebrochenen Ölpreise wird effiziente Verarbeitung immer wichtiger. Technologien machen es auf verschiedene Arten möglich, die Wertschöpfung zu optimieren – die Digitalisierung spielt hier eine wesentliche Rolle. Hier gilt BP als einer der Vorreiter. Besonders im Kontext nachgeschalteter Geschäftsprozesse stehen Erdölraffinerien unter extremem Druck, sich selbst sowie ihre Wettbewerber in der Leistung zu überbieten. Und besonders in der aktuellen Situation ist keine Entlastung des Margendrucks in Sicht. Um das Raffineriegeschäft unter diesem „neuen Normalzustand“ aufrechtzuerhalten, ist eine Änderung der operativen Denkweise notwendig. Die Unternehmen brauchen einen signifikanten Leistungssprung und dementsprechend eine smarte Art der Ertragsgenerierung, um langfristig bestehen zu können. Durch dieses Streben nach möglichst hoher Wertschöpfung erleben die Raffinerien eine neue Welle von technologiegestütztem Produktivitätswachstum. Digitale Lösungen ermöglichen es, umfassende betriebliche Informationen in Echtzeit einzusehen und bieten Unternehmen so drei wichtige Handlungsmaß­ nahmen, um ihre Leistung zu optimieren: n Versteckte oder blockierte Potenziale nutzen Anwender von digitalen Raffinerie- Managementlösungen können einen Zuwachs in Leistung und Ertrag verzeichnen. Dieser lässt sich zu signifikanten Teilen auf die Nutzung digitaler Managementsoftware, wie beispielsweise Avevas Cloud-Lösung Unified Supply Chain, zurückführen. n Lücken zwischen digitalen Prozessen schließen Es ist essenziell, verschiedene Schritte in einer Raffinerie-Wertschöpfungskette als integriertes Ganzes zu betrachten, um die Autor: Andrew McCloskey, Head of Research and Development, Aveva GmbH, Sulzbach 26 VERFAHRENSTECHNIK 01-02/2021 www.verfahrenstechnik.de

MESSEN, REGELN, AUTOMATISIEREN nächste Stufe der Produktivität in der Erdölraffination zu erreichen. Obwohl sie unterschiedliche Namen trägt (Digital, Internet der Dinge, Industrie 4.0), spiegelt sie das gemeinsame Thema der Digitalisierung von Geschäftsprozessen wider. Darin steckt insbesondere für Bereiche des Betriebsmanagements ein enormes Potenzial. n Änderungen an Prozessen schrittweise vornehmen Um zukünftige Wertschöpfungspotenziale zu erschließen, müssen zunächst die bestehenden Probleme gelöst werden. Dabei können insbesondere die vielen kleinen Leistungsabweichungen, oder „Wertlecks“, die täglich in einer Anlage auftreten, hinderlich sein. Unentdeckt erodieren sie langsam, aber stetig die Rentabilität einer Anlage. Verborgene Potenziale Ein Beispiel aus der Praxis für die Umsetzung dieser drei Kernmaßnahmen ist der Konzern BP, dessen zehn Raffinerien weltweit über 1,9 Millionen Barrel täglich verarbeiten. Im Rahmen der Neuausrichtung der BP-Unternehmensstrategie entlang des „Digital Innovation Programs“ wurde die komplette Wertschöpfungskette des Unternehmens neu aufgestellt. Durch intensive Evaluation, unter anderem durch Interviews mit zentralen Stakeholdern, konnten verschiedene Potenziale zur Leistungssteigerung aufgedeckt und ausgeschöpft werden. Es stellte sich heraus, dass die zuvor von BP genutzte Technologie die Optimierung des Betriebs am meisten behinderte: Alle Standorte nutzten teils veraltete und intransparente Insellösungen, die keine Unternehmensstandards erfüllten. Als Konsequenz daraus ergaben sich hohe Instandhaltungskosten und ein signifikanter Mehraufwand für Teams auf lokaler und globaler Ebene. Im Falle von BP konnten die nötigen Optimierungsmaßnahmen auf drei Kernziele heruntergebrochen werden: n Die Vereinfachung und Standardisierung des Managements der nachgelagerten Die Digitalisierung spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, die Wertschöpfung zu optimieren und den Lebenszyklus einer Anlage zu überwachen Lieferkette für höhere Agilität im Betrieb, n die Einführung eines verbesserten und transparenten Datenmanagementsystems für schnellere Entscheidungsfindung aller Teams, n die Senkung der IT-Kosten durch die Bereitstellung eines zentralisierten Managementsystems. Durch diese Maßnahmen, die mithilfe der Cloud-Lösung Aveva Unified Supply Chain umgesetzt wurden, konnte BP seine Margen drastisch verbessern, Entscheidungswege verkürzen, regelmäßig ausführliche Analysen einführen und dadurch die Risiken senken. Unabhängig vom jeweiligen Unternehmen können durch verbesserte Verfügbarkeit und Effektivität der Anlagen, gesteigerte Energieeffizienz und logistische Verbesserungen Einsparungen in Millionenhöhe erreicht werden. Auch in qualitativer Hinsicht lassen durch den Einsatz von digitalen Management-Technologien weitere Verbesserungen erzielen: Die Planung ist genauer, ein optimierter, sicherer Betrieb der Anlage ist unter Einhaltung der Zielvorgaben möglich, Leistungen lassen sich genau messen und mit kollaborativen Tools analysieren, durch agile Entscheidungsfindung ist eine kontinuierliche Verbesserung möglich. Fallstricke und Chancen Als Early Adopter sowohl von Unternehmens- als auch von Echtzeit-Steuerungssystemen ist die Erdölraffineriebranche bereits ein Vorreiter in Sachen Digitalisierung. Die meisten betrieblichen Anwendungen wurden jedoch für die Berichterstattung und Mithilfe unserer Cloud-Lösung konnte BP seine Margen drastisch verbessern, Entscheidungswege verkürzen, regelmäßig ausführliche Analysen einführen und dadurch die Risiken senken. Andrew McCloskey nicht für die Entscheidungsfindung in Echtzeit konzipiert. Infolgedessen ist die Verknüpfung von Strategie und Ausführung noch ausbaufähig. Das schränkt wiederum die Erkennung von Potenzialen in Echtzeit und die Agilität im Betrieb ein. Angestellte und Betreiber haben oft keine Zeit, sich eng abzustimmen oder vorliegende Daten auszuwerten – in Raffineriebetrieben ist das ein Alltagsproblem. Insbesondere Daten, die einen Einblick in das zukünftige Verhalten der Raffinerie geben könnten, gehen schnell unter. Entscheidungszyklen dauern zu lang – und manchmal werden Entscheidungen auch ohne relevante Grundlagen getroffen. Auf lange Sicht ist dies für Unternehmen wenig förderlich. Neben dem Implementieren von Management-Software, wie der Unified Supply Chain, ist es also auch von zentraler Bedeutung, eine Unternehmenskultur mit kurzen Entscheidungswegen und unternehmensweiten Standards zu fördern. Erst so können die eingeführten Tools auch eingesetzt werden. Denn Technik allein macht noch keine digitale Transformation. Fotos: Aveva www.aveva.com www.verfahrenstechnik.de VERFAHRENSTECHNIK 01-02/2021 27

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